Fernseher mit Mini-LEDs: Ist das jetzt der heiße Scheiß?

TVs mit Mini-LEDs: Ist das jetzt der heiße Scheiß oder nur eine neue LCD-Variante?

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Bild: Pixabay_David

TCL kündigte seinen ersten Fernseher mit unzähligen Mini-LEDs, andere TV-Hersteller wollen nachziehen. Was bedeuten Mini-LEDs für die Bildqualität?

TCL setzt in seinen Highend-Fernsehern seit einiger Zeit auf Mini-LEDs. Die Bezeichnung "Mini LED TV" klingt verlockend: zigtausend winzige LEDs statt gewöhnlicher Flüssigkristalltechnik? Der erste Eindruck trügt jedoch: Die kleinen LEDs dienen als Hintergrundbeleuchtung eines herkömmlichen LC-Displays.

Trotzdem können sie die Bildqualität erheblich verbessern, nämlich wenn sich mit ihnen die Anzahl der dimmbaren Zonen im Backlight erhöht: Je mehr separat ansteuerbare Helligkeitszonen ein Display hat, umso feiner kann es sehr helle und sehr dunkle Bildbereiche in einem HDR-Bild voneinander abgrenzen. Perfektioniert haben das die Hersteller im Grunde mit OLED-TVs: In ihnen ist jedes Pixel eine dimmbare Zone, ein 4K-OLED enthält demnach gut acht Millionen dimmbare Bereiche. Ein Flüssigkristallschirm mit kleinen LEDs im Backlight wird allerdings nie auf diese Zonenanzahl kommen.

So kündigte TCL auf der CES eine neue Vidrian-Serie mit Mini-LEDs an, die in einem 75-zöligen 8K-TV immerhin über 5000 dimmbaren Zonen ermöglichen sollen; diese Modelle sind aber noch nicht verfügbar. Für seinen bereits erhältlichen 65-zölligen 4K Mini-LED-Fernseher 65X10 erklärte TCL, dass dessen 15.000 ultraflache LEDs in 768 Zonen aufgeteilt sind. Soll heißen: Es stecken zwar zigtausend Mini-LEDs im Display, aber jeweils 20 davon bilden eine dimmbare Zone, werden also gemeinsam angesteuert.

Die meisten TV-Hersteller zieren sich bei der Angabe der Dimming-Zonen: "Kein Kommentar" heißt es üblicherweise auf unsere Nachfrage. Mit ausgewählten Testbildern kann man die tatsächliche Anzahl der Dimming-Zonen aber doch herausfinden. So liegt die Anzahl dimmbarer Zonen beispielsweise bei Samsung je nach Modellreihe bei 48 bis 480, bei Sony geht es mit 48 Zonen los und endet bei etwa 700. Im Vergleich dazu hat TCL seinen X10-Fernseher tatsächlich mit reichlich Zonen ausgestattet. Die 1000-Zonen-Grenze hat der Hersteller damit aber noch nicht überwunden.

Mini-LED-Displays (4 Bilder)

TCL bewirbt seine neuen Fernseher mit LED-Backlight als "Next Generation" ..
(Bild: TCL)

Samsung hatte auf der diesjährigen CES erneut Modelle seines beeindruckenden The Wall gezeigt – ein modulares Display mit vielen kleinen LEDs als Bildpunkte. Dabei kündigte der Hersteller auch eine 75-Zoll-Variante mit Mikro-LEDs an, die aus einem Stück respektive einem einzigen Modul bestehen soll. Das 75-Zoll-Modell fehlt jedoch im aktuellen Line-Up und es wird vorerstmal wohl auch nicht in den Handel kommen.

Die Leuchtdioden für sein 146-zölliges, modular aus LED-Kacheln aufgebautes Display "The Wall" bezog Samsung 2018 aus China von Sanan Optoelectronics. Wie Digitimes berichtet, will sich Samsung für kleinere Displays nun mit Mikro-LEDs von Epistar eindecken. Der taiwanische Hersteller von LED-Wafern und -Chips hält zugleich Anteile an PlayNitride, Samsungs aktuell einzigem Zulieferer winziger Mikro-LEDs. PlayNitride will in diesem Jahr monatlich 10.000 Mikro-LED-Wafer produzieren – was sich viel anhört. Doch die Wafer messen nur 6 Zoll, sind also nur wenig größer als eine CD. Man kann sich ungefähr ausrechnen, wie viele Wafer Samsung für ein einziges 75-Zoll-TV aus Mikro-LEDs benötigt – viele Fernseher lassen sich mit der monatlichen Waferproduktion nicht herstellen. (uk)

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