Fernseher zum Aufrollen: Nur ein Marketing-Gag?

Fernseher zum Aufrollen – Marketinggag oder Serienprodukt?

@ctmagazin | Blog

Bild: LG

Ist die Zeit wirklich reif für aufrollbare Fernseher? Oder müssen wir uns weiter gedulden? Auf der CES in Las Vegas soll man erste Muster bewundern können.

In diesem Jahr soll ein aufrollbares OLED-Display Blickfang auf dem CES-Stand von LG Electronics werden. Die Displaysparte LG Displays hatte den beeindruckenden organischen Schirm bereits auf der vergangenen CES hinter verschlossenen Türen gezeigt. Während Panelhersteller LG Displays seinerzeit gegenüber c't erklärte, der aufrollbare OLED-Schirm sei nicht vor 2020 marktreif, will Bloomberg nun erfahren haben, dass LG Electronics das TV-Display schon 2019 in den Handel bringen will.

Das etwa 145 cm × 82 cm große OLED steckte seinerzeit in einer 20 cm × 30 cm × 200 cm großen Kiste. Beim Druck auf die Fernbedienung schob es einen schmalen 16:2-formatigen Streifen heraus, der Informationen wie den Wetterbericht oder die neuesten Nachrichten anzeigte. Für Kinofilme fuhr ein 21:9-formatiges Segment heraus, Fernsehen und Videos liefen auf dem komplett ausgefahrenen 16:9-Schirm. Die transparente Variante desselben OLEDs zeigte LG Displays auf der Display Week im vergangenen Juni.

Der zweite koreanische Unterhaltungselektronikspezialist Samsung hat sich jüngst ein seitlich aufrollbares Display patentieren lassen. Die Vorhang-ähnliche Variante wirkt zwar nicht ganz so elegant wie LGs Leinwand-Lösung und sie ist nicht ausschließlich für große Schirme konzipiert, doch das Patent zeigt, dass auch Samsung an aufrollbaren TVs arbeitet. Auf der vergangenen CES hatte der Hersteller noch The Wall, einen großen Bildschirm aus kleinen LEDs gezeigt, der in der Massenfertigung allerdings heftig teuer ist. Für seine Rollen-TV-Display wird Samsung die neue OLED-QD-Kombination aus blau leuchtender organischer Schicht mit farbkonvertierenden Quantenpunkten für rote und grüne Pixel nutzen.

Das Weihnachten 2018 erteilte US-Patent zeigt, dass auch Samsung an rollbaren TV-Bildschirmen arbeitet. (Bild: US-Patent US010162387 )

Smartphones will Samsung zunächst falten und erst im zweiten Schritt aufrollen. In den Mobildisplays nutzt der Hersteller eine andere OLED-Technik als für TV: Die RGB-Subpixel bestehen aus rotem, grünem und blau leuchtendem organischen Material.

Bei den flexiblen Displays stellt sich die Frage, wie oft man den Schirm aufrollen oder biegen darf. LG sprach im vergangenen Jahr von mindestens 100.000 Aufrollzyklen: Wer den Fernsehschirm zehn Mal täglich aus der Kiste fährt und nach dem Schauen wieder darin verschwinden lässt, könnte das LG-TV demnach mindestens 13 Jahre lang nutzen. Der relative kleine Biegeradius von 50R – die TV-Rolle hatte 10 cm Innendurchmesser – und der noch kleinere Radius bei Samsungs Falthandy beansprucht die Transistoren hinter der Leuchtschicht mechanisch stark. Auch die Ausbeute in der Produktion flexibler Displays ist bislang nicht besonders gut.

Dass LG und Samsung dennoch eifrig weiterentwickeln und biegsame Produkte ankündigen, die erst viel später in großen Stückzahlen verfügbar sein dürften, liegt am Druck durch die chinesische Konkurrenz. So werden in China in den kommenden Jahren gleich mehrere Fabriken der Generation 10.5-Fabs in Betrieb gehen. Dort können 2,94 m × 3,37 m große, wenige Millimeter dünne Glasscheiben verarbeitet werden, aus denen man eine Menge TV-Displays schneiden kann. Das könnte die Panelpreise zum Purzeln bringen – um hier gegenhalten zu können, setzen die koreanischen Hersteller auf extravagantere Panelvarianten wie aufrollbare Schirme.

Die bisherigen Fabriken der Generation 8 und 8.5 werden in dem Zuge für sehr große TV-Panels eher unrentabel. Einige Hersteller werden diese deshalb in Produktionsstätten für OLEDs und QD-OLEDs in gängigen TV-Größen bis etwa 70 Zoll Diagonale umwandeln. Auf diesem Weg könnte auch Samsung seine Produktionskapazität für große Fernseher mit der OLED-Quantenpunkte-Kombination relativ zügig ausbauen. Außerdem könnten angesichts der anstehenden Überkapazitäten LC-Panels für Monitore und Notebooks deutlich günstiger werden.

Auf der CES werden wohl auch einige Notebooks mit organischem Display gezeigt. Ein Grund dafür liegt nach Einschätzung von Marktbeobachtern darin, dass Samsung seine Produktionskapazitäten von OLED-Panels für Mobilgeräte nicht auslasten kann. Die Nachfrage nach Tablets stagniert und etliche chinesische Handyhersteller nutzten statt teurer OLED-Displays die deutlich günstigeren LC-Displays für ihre Mobilgeräte. Deshalb landen die für Tablets gedachten kontraststarken OLED-Panels nun (wieder) in kleinen Notebooks beziehungsweise Convertibles. (uk)

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