Finale beim Imagine Cup 2016: Mobiles, Games, VR

Wissen | Reportage

Drei Tage lang hatten die Finalisten im Programmierwettbewerb Imagine Cup in den drei Kategorien Games, Innovation und World Citizenship ihre Projekte präsentiert. Am gestrigen Freitag stand schließlich das Studenteam fest, das in diesem Jahr zum Champion gekürt wurde.

1,8 Millionen Studenten aus mehr als 190 Ländern hatten insgesamt an dem von Microsoft ausgerichteten Programmierwettbewerb teilgenommen. In 55 Ländern gab es in der ersten Jahreshälfte nationale Vorentscheide. Beim deutschen Vorentscheid setzte sich das Team VRMotion durch. Mit ihrer Virtual-Reality-Anwendung für die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten konnten sich Alessa Dreixler von der Hochschule Aalen und Tobias Heuer vom Karlsruher Institut für Technologie das Ticket nach Seattle sichern.

Insgesamt qualifizierten sich 35 Teams aus 34 Ländern für das Finale, das am Hauptsitz von Microsoft in Redmond ausgetragen wurde. Sie traten jeweils in einer von drei Kategorien des Wettbewerbs an. 9 Teams stellten in der Kategorie "Games" ihre Spiele vor, darunter viele Apps für Mobilgeräte. In der Kategorie "Innovation" ging es um neue Ideen und Geschäftsmodelle oder den neuartigen Einsatz von Hardware oder Techniken. Projekte der Kategorie "World Citizenship" sollen zur Lösung sozialer, ökologischer oder gesellschaftlicher Probleme beitragen. In diesen beiden Kategorien traten jeweils 13 Teams an.

Die Teilnehmer hatten zunächst 10 Minuten Zeit für ihre Präsentation, gefolgt von weiteren 20 Minuten, in denen eine vierköpfige Jury Fragen zum Projekt stellte und sich die vorgestellten Arbeiten praktisch demonstrieren ließ. In vielen Projekten kam die Unity-Engine zum Einsatz – Virtual Reality und Wearables waren in diesem Jahr wichtige Themen.

Viele Projekte der Kategorie "World Citizenship", in der auch das deutsche Team startete, zielen auf Hilfen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. So zeigte das nigerianische Team ein System aus Hard- und Software, das Sehbehinderten die Nutzung eines Smartphones erleichtert. Das polnische Team brachte eine mobile Lösung mit, die Sehbehinderten die Umgebung erklärt und eines der beiden tunesischen Teams hat eine kostengünstige Handprothese entwickelt, die ohne vorhergehende Operation getragen werden kann.

Nicht alle Demonstrationen liefen exakt nach Plan. Mit einem Herrn im roten Hemd konfrontiert, erkannte das polnische System einen Goldfisch und der menschelnde Pflegeroboter namens Ruth des Teams aus Singapur reagierte sowohl auf einen traurigen Gesichtsausdruck als auch auf den Hilferuf "Ruth, help me" stets mit der Bemerkung "You look so happy today!" Als die Juroren die tunesische Handprothese ausprobierten, schwappte ein Becher Wasser über den Tisch der Jury und auch das zu Demonstrationszwecken mitgebrachte Ei ging schließlich zu Bruch.

Am Mittwochabend berieten die drei Jurys, die sich aus Informatik-Professoren, Start-Up- und Marketing-Spezialisten sowie Software-Experten von Microsoft zusammensetzten, über die Punktvergabe für die Teams. Bei den Studenten herrschte gespannte Erwartung – auch, weil auf die Gewinner der Plätze 1 bis 3 Geldpreise in Höhe von 50.000 US-Dollar, 10.000 US-Dollar und 5.000 US-Dollar warteten. Die drei erstplazierten Teams beim Imagine Cup haben außerdem noch die Chance auf den Titel des Imagine Cup Champions.

Am zweiten Tag des Finales fand die sogenannte Award Ceremony statt. Mit dabei waren Microsofts CEO Satya Nadella und Steve Guggenheimer, Corporate Vice President der Developer Experience Group bei Microsoft. Beide betonten zuächst mehrfach, dass alle Finalisten sich als Gewinner sehen könnten, nachdem sie im diesjährigen Wettbewerb so weit gekommen waren. Dann bat Nadella die bestplatzierten Teams auf die Bühne.

Platz 3 in der Games-Kategorie ging an das Team aus Brasilien für ein Spiel rund um die Wasserknappheit im Jequitinhonha Tal, das mit der Unity-Engine entwickelt wurde; die Studenten vom Team Tower Up verwendeten aber auch Gimp, Audacity und Blender. Platz 2 ging an Studenten aus Indonesien für ein Puzzle-Game, das Bewusstsein für Umweltprobleme wecken soll. Den ersten Platz belegte das Team PH21 aus Thailand mit Timelie, einem Smartphone-Spiel, in dem der Spieler die Zeit manipulieren kann, um die Heldin sicher ans Ziel zu bringen.

Vergrößern Steve Guggenheimer, hier ganz rechts mit einem Teil der Champions, zeigte sich gelassen und lernwillig.

Die Gewinner der Kategorie Innovation kommen aus den USA (Platz 3), Sri Lanka (Platz 2) und Rumänien (Platz 1). Das nordamerikanische Team präsentierte Healthx, ein ebenfalls mit Unity entwickeltes System zur Diagnose einer speziellen Sehschwäche namens Amblyopie. Beim Projekt AM Plus aus Sri Lanka handelt es sich um eine Plattform für digitale Werbung. Der Sieg ging an das rumänische Projekt ENTy von drei Informatik-Studenten der Universität Bukarest. Sie entwickelten einen Gurt mit Sensoren und Gyroskop, mit dem in einem frühen Stadium Gleichgewichtsprobleme bei Patienten diagnostiziert werden können.

Bei den Projekten der Kategorie World Citizenship lagen die Teams aus Ungarn (Platz 3), Tunesien (Platz 2) und Griechenland (Platz 1) vorn. Das ungarische Team bestand zur Hälfte aus jungen Medizinern. Sie stellten ein Lernsystem vor, mit dem angehende Ärzte ihre Diagnosefähigkeiten traineren können. Die Handprothese aus Tunesien schaffte es auf den zweiten Platz. Das Siegerteam von der Universität Thessaloniki hatte eine VR-Umgebung vorgestellt (amandaproject.net), mit der Mobbing bekämpft werden soll, indem die Neigung Jugendlicher zu solchem Verhalten diagnostiziert und ihnen selbst bewusst gemacht wird.

Am dritten Tag des Finales ging es darum, aus den diesjährigen Gewinnern in den drei Kategorien den Imagine Cup Champion zu küren. Diese Aufgabe übernahmen die Ärztin Jennifer Tang, die selbst 2014 beim Imagine Cup gewann, Kasey Champion, Entwicklerin und Computer Science Curriculum Developer bei Microsoft, und der Schauspieler John Boyega, Hauptdarsteller aus "Star Wars: The Force Awakens". Nach Kurzpräsentationen der Teams aus Griechenland, Thailand und Rumänien fiel die Wahl schließlich auf das Gleichgewichtsmesssythem ENTy der rumänischen Studenten, mit dem sich frühe Stadien einer Parkinson-Erkrankung diagnostizieren lassen sollen.

Steve Guggenheimer: "dann lernen wir daraus"

Der Imagine Cup wurde in diesem Jahr zum 14. Mal von Microsoft ausgerichtet. Das Unternehmen stellt dabei sein Engagement für die Ausbildung in den Vordergrund, bietet den jungen Programmierern aber verständlicherweise besondere Hilfestellung dabei, Microsoft-Technik einzusetzen. Was es für Konsequenzen hätte, wenn Teilnehmer sich für andere Software-Werkzeuge entschieden, wurde Steve Guggenheimer in der abschließenden Pressekonferenz gefragt. Er antwortete gelassen: "Wenn die Studenten unsere Technik verwenden, ist es gut – wenn sie andere Technik verwenden, dann lernen wir daraus." (dwi)

Die Autorin war auf Einladung von Microsoft beim Imagine Cup 2016

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