Freenet TV-Stick: Erste Erfahrungen Update

Test & Kaufberatung | Kurztest

Der freenet TV USB TV-Stick der gleichnamigen Freenet TV soll öffentlich-rechtliche und private Programme per DVB-T2 HD aufs Notebook oder den Desktop-PC bringen.

Freenets hauseigener USB TV-Stick ist die einzige Möglichkeit, um die per DVB-T2 HD ausgestrahlten Privatsender am Desktop-PC oder Notebook zu empfangen: Die Sender werden verschlüsselt ausgestrahlt und Freenet TV schaltet sie auf zertifizierter Hardware gegen eine Jahresgebühr von 69 Euro frei.

Alle anderen auf dem Markt verfügbaren USB-Sticks, die mit DVB-T2-HD-Tauglichkeit beworben werden, können lediglich die unverschlüsselt gesendeten Programme der öffentlich-rechtlichen Sender empfangen. Zum Testzeitpunkt war das auch beim Freenet-Stick der Fall: Obwohl unsere Sticks korrekt bei Freenet registriert waren und das Antennenfernsehen im Regelbetrieb läuft, meldete das interne CAM bei Privatsendern eine fehlende Freischaltung (E017-0).

[Update 30.3.2017 18:00: Mittlerweile funktioniert bei uns auch die Wiedergabe der Privatsender. Den entscheidenden Tipp lieferte Freenets (weiterhin stark überlastete) Hotline: Einfach die Software längere Zeit laufen lassen, damit der Stick sein individuelles Freischalt-Signal empfangen kann. Dies dauert bis zu zwei Stunden.]

Die Stick-Hardware stammt von SMIT, einem Krypto-Spezialisten, der auch CI+-Module zur Entschlüsselung von PayTV-Angeboten liefert. Obwohl im Stick bereits eine komplette Irdeto-Lösung zur Entschlüsselung der privaten TV-Programme enthalten ist, findet sich ein seitlicher Einschub für eine zusätzliche Smartcard. Die Dokumentation des Sticks liefert dazu keine Informationen. Wir vermuten, dass es sich um ein Relikt handelt, weil SMIT den Stick eventuell auch für andere Märkte unter anderen Namen vertreibt, dort aberSmartCards genutzt werden. Alternativ könnten sich darüber künftig weitere Pay-TV-Programme per SmartCard freischalten lassen.

Wegen seiner Abmessungen passt der Stick bei flachen Notebooks nicht direkt in die USB-Buchse. Auch bei Desktop-PCs wird es eng, weil der Stick die Nachbarbuchsen an der ATX-Blende blockiert. Eine in solchen Fällen notwendige USB-Verlängerung liegt dem Stick nicht bei. Im Lieferumfang enthalten sind hingegen eine kleine Zwillingsantenne und zwei Adapter: Einer dient zum Anklipsen an den Notebook-Screen, der zweite mit Saugnapf zur Befestigung an glatten Oberflächen – besonders saugstark ist er aber nicht, in unserem Test rutsche er von vielen Flächen wieder ab.

Der Treiber meldet den Stick im Windows-System als proprietäres USB-Gerät an und nicht als BDA-Device. Damit lässt sich der Stick nur mit Freenets TV-Software nutzen und nicht mit universellen Anwendungen wie etwa DVB-Viewer. Die Freenet-TV-Software liegt dem Stick nicht bei, sondern muss über die Homepage des Anbieters heruntergeladen werden. Derzeit ist sie nur für Windows 7/8.0/8.1/10 verfügbar (30 MByte), eine Mac-Version für macOS ab 10.9 soll bis Jahresmitte folgen.

Die Installation der Windows-Software funktionierte problemlos. Zur Nutzung ist eine Registrierung mit Emailadresse, selbstgewähltem Passwort und ID des Sticks auf der Freenet-Homepage nötig – selbst wenn man nur die unverschlüsselten Programme der öffentlich-rechtlichen Sender anschauen möchte. Über den Freenet-Account lassen sich mehrere Entschlüsselungs-Instanzen (TV-Sticks, Receiver oder CI+-Module) verwalten.

Die TV-Software überprüft bei jedem Start, ob ein Update auf Freenets Servern verfügbar ist. Das ist schon jetzt der Fall: Es gibt sowohl ein Firmware-Update für den Stick als auch ein Update für den Player. Innerhalb unserer kurzen Testphase ließ sich die Software nach dem ersten Start auch ohne Online-Verbindung starten und nutzen. Die Dokumentation schweigt sich dazu aus, wie lange die Software ohne eigene Online-Verbindung funktioniert.

Die TV-Software ist recht übersichtlich gestaltet und findet nach einem automatischen Frequenzsuchlauf das gesamte DVB-T2-HD-Angebot. Die wenigen gebotenen Funktionen findet man, indem man den Mauszeiger jeweils mittig an den linken, unteren oder rechten Fensterrand bewegt: eine unübersichtliche EPG-Ansicht, einen Videotext-Decoder und Infos zur momentan laufenden Sendung. Eine Timeshift- oder Aufnahmefunktion fehlt bei verschlüsselten wie unverschlüsselten Sendern.

Warum die offiziellen Systemvoraussetzungen trotzdem satte 6 GByte Arbeitsspeicher vorgeben, ist unverständlich: Mehr als 300 MByte Arbeitsspeicher hat sich die Software im Betrieb nie genehmigt. Allerdings lag die CPU-Auslastung selbst auf einem aktuellen Kaby-Lake-Notebook bei über 30 Prozent. Offensichtlich nutzen die von Freenet gelieferten H.265-Decoder keine Hardware-Beschleunigungseinheiten, was unzeitgemäß ist. Andere Video-Decoder wie die kostenlosen LAV-Filter, die Hardware-Beschleunigung nutzen, kann man der Software nicht unterschieben. Auf schwächerer Hardware, etwa günstigen Notebooks mit Atom-Celerons und -Pentiums, bekommt man deshalb kein flüssiges TV-Bild.

Wer DVB-T2 HD inklusive Privatsender am PC nutzen will, der hat deutlich weniger Möglichkeiten als früher bei DVB-T: Freenets offizieller Stick lässt sich nur mit der Freenet-eigenen Software nutzen, die nicht an den Leistungsumfang anderer Abspiel-Software herankommt.

Dass es keine Aufnahme- oder Timeshift-Möglichkeiten gibt, mag den Vorschriften der Privatsender geschuldet sein. Kundenfreundlich ist es trotzdem nicht. Zudem ist unverständlich, warum die beiliegenden Video-Decoder keine Hardware-Beschleuniger nutzen können, sondern die gesamte Arbeit dem Hauptprozessor überlassen. Das erhöht unnötig die Anforderungen an die zum Fernsehgucken genutzte Hardware. (sha)

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  4. Fazit
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