Freie Wiki-Systeme im Vergleich

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Wikis erleichtern die Zusammenarbeit an Texten im Web. Wir vergleichen fünf freie Wiki-Systeme: DokuWiki, FlexWiki, JSPWiki, (semantic) MediaWiki und TWiki/FosWiki.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in iX 12/08, S. 50

Software, die es mehreren Autoren erlaubt, gemeinsam online Texte zu schreiben und zu kommentieren, war eine der Voraussetzungen für das viel zitierte Web 2.0 (User Generated Content). Ob im Inter- oder Intranet – Wikis haben bewiesen, wie nützlich sie für verschiedene Zwecke sein können.

Ward Cunningham hat 1995, lange vor dem Web 2.0, mit dem in Perl geschriebenen WikiWikiWeb (heute als WardsWeb bekannt) das erste Wiki-System veröffentlicht. Mittlerweile liegen Wiki-Engines außer in Perl in Java, PHP, Python, Ruby und C# vor (Liste_von_Wiki-Software auf Wikipedia.de). Sogar ein hier nicht berücksichtigtes Ein-Datei-Wiki-System in Javascript verzeichnet die Liste bei Wikipedia (TiddlyWiki). In diesem Artikel sind Vertreter aus verschiedenen der oben genannten Sprachwelten vertreten.

Die WikiMatrix-Tabelle konzentriert sich auf die grundlegenden Eigenschaften. Wer bis ins letzte Detail verschiedene Wikis seiner Wahl – bezogen auf möglichst viele Eigenschaften bis hin zu Markup-Unterschieden – miteinander vergleichen will, erhält bei wikimatrix.org eine mehr als ausführliche Liste von Eigenschaften angezeigt.

Auswahl ist gut, werkzeugübergreifende Standards sind besser. Noch gibt es keinen Standard für eine Auszeichnung von Wikis, der sich durchgesetzt hätte, aber es besteht Hoffnung. 2006 begann auf Initiative des Wiki-Erfinders Ward Cunningham die Entwicklung einer einheitlichen Markup-Sprache – WikiCreole –, die Mitte 2007 mit der Version 1.0 abgeschlossen war. Laut Creole-Website haben die unten dargestellten DokuWiki (Creole 0.1 per Plug-in) und JSPWiki (0.6) die Auszeichnungssprache schon integriert, für TWiki ist es Teil der Planung.

Das schlanke DokuWiki, einst für das Dokumentationsmanagement von Softwareprojekten entwickelt, hat durch seine einfache Installation und Bedienung bei hohem Leistungsumfang viele Freunde und Anwendungsgebiete gefunden. Es entstammt der Feder des Deutschen Andreas Gohr und erschien erstmals 2004. Ein Jahr später wurden große Teile der Software überarbeitet und optimiert.

Mit der Aufnahme von DokuWiki in die Linux-Distribution Debian im selben Jahr gelang der Durchbruch. Heute ist es laut WikiMatrix das Wikisystem, für das sich die Nutzer am meisten interessieren.

Simples Shared Hosting mit PHP ab der Version 4.3.3 reicht aus, um Doku- Wiki zum Laufen zu bringen. Eine Datenbank ist nicht erforderlich, da DokuWiki die Daten ausschließlich in separaten und vor unbefugten Zugriffen geschützten Textdateien speichert. Die Installation besteht aus dem Entpacken der benötigten Dateien, dem Aufrufen eines Installationsskripts und unter Umständen dem Setzen von Dateirechten.

DokuWiki besitzt eine umfangreiche, fein justierbare Rechteverwaltung mit Benutzern, Gruppen und Namespaces, die ein Administrator bearbeiten kann. Die Einbindung in eine bestehende Authentifizierungsinfrastruktur wie LDAP oder die datenbankgestützte Benutzerverwaltung anderer Software ist möglich. Da DokuWiki derzeit in über 40 Sprachen erhältlich ist und die Daten mit UTF-8 kodiert, steht einem internationalen Einsatz nichts im Wege. Eine Versionsverwaltung der Texte im Wiki ist standardmäßig dabei; eine Limitierung der Revisionen gibt es nicht. Da DokuWiki dafür Sorge trägt, dass nicht mehrere Nutzer eine Wikiseite zur gleichen Zeit editieren können, eignet es sich zudem für Kolloborationszwecke.

Das unter der GPLv2 stehende Wikisystem benutzt eine einfache, eigene Markup-Sprache, die grundsätzlich an die der Konkurrenten erinnert, an einigen Stellen jedoch logischer erscheint. Eine Toolbar mit wichtigen Elementen dieser Sprache befindet sich oberhalb des Textbearbeitungsfeldes. Dies Markup erwies sich offenbar als wertvoll, denn es hat mittlerweile in andere Programm Einzug gehalten – so gibt es beispielsweise ein entsprechendes Wordpress-Plug-in.

Wiki-Inhalte werden standardkonform in XHTML 1.0 Transitional und mit austauschbaren Templates dargestellt. Eine Breadcrumb-Navigation sowie eine Volltextsuche erleichtern das Auffinden von Informationen. Inhalte in Kategorien einordnen zu können unterstützt dies.

DokuWiki bringt lediglich Funktionen zum Betrieb eines einfachen Wiki mit, weswegen es recht schlank ist. Durch Plug-ins, von denen zurzeit mehr als 400 aus allen erdenklichen Bereichen existieren, lässt sich DokuWiki jedoch gezielt erweitern. Ein Plug-in-Manager erleichtert das Installieren solcher Add-ons. So wird DokuWiki inzwischen als vollwertiges CMS, als Projektmanagement- und Weblog-Software oder Framework für Webanwendungen genutzt.

Größtenteils liegt die Dokumentation auf Englisch vor; sie beleuchtet knapp Installation, Upgrade und Nutzung. Hinweise zum Markup sind in großer Zahl im Manual enthalten. Ebenfalls abrufbar sind eine Fülle kleiner, spezieller How-tos, mit deren Hilfe man DokuWiki beispielsweise in andere Software einbinden kann.

Die Entwickler bringen regelmäßig neue Versionen heraus. Den Nutzer informiert eine kleine Einblendung über neue Upgrades. Sicherheitsrelevante Upgrades werden gesondert hervorgehoben,ein automatisches Upgrade erfolgt jedoch nicht.

Bedingt durch die Datenspeicherung in Textdateien sollte DokuWiki bis zu maximal mittleren Zugriffszahlen verwendet werden, da es sonst recht langsam läuft. Es eignet sich gut als leicht zu bedienender unternehmensinterner Wissensspeicher oder als Basis einer Website, bei der man nicht mit gigantischen Besucherzahlen rechnen muss. Auch im privaten Bereich findet DokuWiki wachsenden Anklang, und eine wachsende Zahl Anwender zieht es dem Platzhirsch Mediawiki vor.

Eins der ersten internen Programme von Microsoft, die es zu einem Open-Source-Projekt gebracht haben, war FlexWiki. David Ornstein erstellte es zur Verbesserung der Entwicklungsabläufe und konnte es 2004 unter der Common Public License veröffentlichen. Er und sein Team entwickelten dieses Softwaresystem komplett mit C# und ASP.Net. Die klassische Version 1.8 lief noch mit dem .Net-Framework 1.x. Durch die Hilfe der Freeware-Gemeinde läuft die aktuelle FlexWiki-Version 2.0.1 mit der 2.0er-Fassung.

Die meisten Informationen zu dieser Software finden sich auf der produkteigenen Wiki-Seite, die selbst mit FlexWiki läuft, oder bei SourceForge. Zur Installation stehen drei Versionen zur Verfügung: ein Source Release (alles, inklusive C#- und ASP.Net-Quelldateien),ein Full Release (zum Betrieb des Wiki notwendig) und ein Update Release.

Die Full Release enthält nichts anderes als die gezippten Dateien einer Website eines Internet Information Server (IIS). Um FlexWiki zum Laufen zu bringen, benötigt man außer einem Windows Server 2003 mit dem .Net Framework 2.x gutes IIS-Administratoren-Know-how. FlexWiki sollte grundsätzlich auch auf XP oder Windows Server 2008 seinen Dienst tun, doch eine umfangreiche Installationsbeschreibung führt nur unter 2003 relativ schnell zu ersten Erfolgserlebnissen.

Einzelne Wiki-Seiten zu bearbeiten gestaltet sich für den Anwender recht einfach. Auf jeder Seite befindet sich eine Edit-Schaltfläche, mit der er diese in den Änderungsmodus umschalten kann. Danach zeigt FlexWiki diese in einem großen Eingabefenster als einfachen, änderbaren Text. Besondere Formatierungen wie kursiv oder fett werden durch Sonderzeichen dargestellt. Text, der beispielsweise mit einem Unterstrich anfängt und aufhört, wird später kursiv ausgegeben.

Verweise auf andere Seiten funktionieren mit dem Konstrukt SeitenName@MyWiki. Ist die Seite noch nicht vorhanden, öffnet FlexWiki sie sofort leer im Änderungsmodus. Dieser geradlinige Umgang mit Seitenerstellung und Formatierung schafft einen leichten Zugang für Einsteiger. Profis, die mit der HTML/CSS-Formatierung vertraut sind, werden bei der Textgestaltung schnell an Grenzen stoßen. Alle Änderungen der Anwender protokolliert FlexWiki, sodass man Veränderungen nachvollziehen und zurücknehmen kann.

Außer Formatierungszeichen bringt FlexWiki die eigene, Smalltalk-ähnliche Programmsprache Wikitalk mit. Ein Anwender mit Programmierkenntnissen kann damit dynamische Seiteninhalte erstellen. Programmierer mit .Net- Kenntnissen können Wikitalk durch eigene Befehle erweitern. Bei diesen Plug-ins handelt es sich um .Net Assemblies, die über Einträge in der Steuerdatei web.config FlexWiki bekannt gemacht werden.

Wikitalk integriert automatisch alle statischen Klassen und Methoden einer Assembly, die mit dem speziellen Attribut ExposedClass beziehungsweise ExposedMethod versehen sind. Da Flex-Wiki selbst auf dem .Net-Framework basiert, ist die einfache Erweiterbarkeit eine seiner großen Stärken.

Außer den Sicherheitseinstellungen, die schon beim IIS und Windows Server 2003 vorhanden sind, bietet FlexWiki die Möglichkeit, eigene Zugriffsregeln (AuthorizationRules) zu definieren. Diese sind in der Konfigurationsdatei flexwiki.config hinterlegt. Durch den geschickten Einsatz von Regeln kann ein Administrator ohne viel Aufwand das gesamte Wiki konfigurieren.

Grundvoraussetzung für die Sicherheit ist neben der wasserdichten Konfiguration des Betriebssystems und des Webservers die sichere Identifizierung der Anwender. Hierfür bietet FlexWiki wie andere ASP.Net-Sites die Anmeldung über eine Windows-Kennung oder ein eigenes Anmeldeformular mit einem ASP.Net Membership Provider dahinter an. Der am häufigsten verwendete Provider SQLMembershipProvider sichert die Zugangsinformation in einer SQL-Server-Datenbank.

Das Dateisystem ist die einfachste Art, den Inhalt zu speichern. Im Verzeichnis Namespaces der Website erstellt der Administrator für jedes logische Wiki ein Unterverzeichnis, in dem FlexWiki Einträge und deren Änderungen selbstständig verwaltet. Dies erweist sich für kleinere Installationen als praktisch. Für den schnelleren Start gibt es einige Beispiel-Namespaces. Bei großen Installationen bietet sich allerdings ein Datenbankserver zur Verwaltung der Einträge an. Im Fall von FlexWiki ist dies Microsofts SQL Server. Das Programm SqlStoreManagerGui, das der Anwender auf der zentralen Auslieferungsseite in der Datei FlexWikiCore-2.1.0.x-tools-Release.zip findet, erstellt eine neue Datenbank, mit der das Wiki genauso zusammenarbeitet wie mit dem Dateisystem.

Neulinge in diesem Bereich werden sich etwas schwertun, da keinerlei Einsteigerbücher oder ausführliche Tutorials zur Verfügung stehen. Die vorhandene Dokumentation richtet sich eher an den Profi. Es gib weder eine deutsche Version der Dokumentation noch der Oberfläche von FlexWiki. Ein Plus ist auf jeden Fall die aktive Entwicklergemeinde, die derzeit pro Monat zehn oder mehr neue Versionen veröffentlicht.

Wie der Name nahelegt, wird JSPWiki mit Java Server Pages entwickelt. Der Finne Janne Jalkanen startete das Projekt im Jahr 2001. Derzeit liegt die Version 2.8.1 vom 21.11.2008 vor. Daneben sind tagesaktuelle nächtliche Builds von der JSPWiki-Website verfügbar. Durch die Verwendung von JSP bietet das Wiki eine saubere Trennung von Darstellung, Logik und Datenbasis. Während die Installation einfach ist – Herunterladen der war-Datei und Kopieren in das Anwendungsverzeichnis des Anwendungsservers –, sind Aufbau und fachgerechte Wartung der Arbeitsumgebung, typischerweise bestehend aus Java 5 und Tomcat, zumindest nicht ganz trivial.

JSPWiki steht unter der GNU Lesser General Public License (LGPL). Wie man JSPWiki einsetzt und erweitert, lässt sich ausführlich, wenn auch vorrangig in englischer Sprache, auf den Dokumentationsseiten nachlesen. Leider bezieht sich die aktuelle Dokumentation noch auf Version 2.4. Im Test konnten allerdings keine wesentlichen Unterschiede zur aktuellen Release festgestellt werden. So lässt sich den Entwicklern die Beinahe-Aktualität der – hier nicht als lästige Zusatzarbeit empfundenen – Dokumentation leicht verzeihen. Die Entwicklergruppe setzt sich ausschließlich aus Freiwilligen zusammen.

Obwohl manche Einträge in den Todo-Listen schon etwas alt sind, schreitet die Weiterentwicklung voran. Durch den Einsatz von Java sowie die klaren Richtlinien erfolgt die Entwicklung von JSPWiki homogen und zielorientiert. Das ist auch dem Einsatz von Apache-Werkzeugen für Bug-Tracking und Change-Management zu verdanken. Hervorzuheben sind außerdem die exzellenten Support-Seiten für Anwender und Entwickler.

JSPWiki bietet einen einfachen, aber leistungsstarken Erweiterungsmechanismus. Alle Plug-ins müssen von der Klasse WikiPlugin in com.ecyrd.jspwiki.plugin abgeleitet sein. Zur Anwendung fügt man sie hinzu, indem man sie in den Klassenpfad einträgt. Die Referenzierung erfolgt als versteckter Link in den HTML-Seiten des Wiki. So lassen sich schnell interaktive Elemente und Anzeigeelemente implementieren. JSPWiki liefert eine Reihe von Core- Plug-ins mit. Daneben stellen viele Entwickler praktische Erweiterungen zur Verfügung. Formulare müssen ebenfalls als Plug-ins implementiert werden. Sie können alle von JSPWiki angebotenen Datenquellen (Provider) benutzen. Die Standarddatenbank ist ein RCS-basiertes Dateisystem (Revision Control System). Daneben können Anwender über den JDBCProvider beliebige relationale Datenbanksysteme ansprechen. Weitere Provider existieren für Webdav, CVS, Subversion et cetera.

Benutzerverwaltung und Authentifizierung basieren auf einem Privilegien- System mit Gruppenverwaltung und Zugriffslisten. Jeder Benutzer kann Teil beliebig vieler Gruppen sein. Privilegien für Objekte (einzelne Seiten, Wiki- Bereiche et cetera) lassen sich Einzelnen und Gruppen zuordnen. Die Umsetzung erfolgt mit XML-Dokumenten, die wiederum in Dateien oder einer Datenbank abgelegt sein können.

Die Benutzereinstellungen des JSPWiki

Der Aufbau der Seiten ist einfach und klar. Als Sprache für Einträge wird Wiki Markup verwendet, das mit wenigen Elementen alle wichtigen Formatierungen und Interaktionen ermöglicht. JSPWiki erlaubt die Definition von Templates und Skins. Unter einem Template wird dabei die Grundstruktur einer Site verstanden (abgelegt in HTML- und JSP-Objekten). Skins sind individuelle Anpassungen von Templates (meist als CSS-Dokumente realisiert). Mit jeder JSPWiki-Seite können Dateien verknüpft werden. Zudem integriert JSPWiki einen Locking-Mechanismus für gleichzeitig bearbeitete Seiten, eine leistungsstarke Suchfunktion sowie als Standard-Feature Internationalisierung.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass JSPWiki zwar einfach zu installieren und zu verwenden ist, das Zur-Verfügung-Stellen der Infrastruktur aber einen fähigen Systemadministrator erfordert. Dieser Aufwand lohnt sich besonders bei mittleren und großen Systemen, wo JSPWiki aufgrund seiner sauberen Implementierung Vorteile in Sachen Übersichtlichkeit und Skalierbarkeit bietet. Zudem lässt es sich gut mit gängigen Entwicklungswerkzeugen integrieren, sodass die Anwendung insbesondere im Softwareentwicklungsumfeld interessant erscheint.

Man kann MediaWiki wohl getrost als eine der bekanntesten Wiki-Engines bezeichnen, schließlich ist sie die Basis von Wikipedia. Die in PHP geschriebene Software liegt derzeit in Version 1.14.0 (vom 22.02.2009) vor und steht unter der GNU General Public License (GPL) zur Verfügung.

Voraussetzungen zur Nutzung von MediaWiki sind im einfachsten Fall ein Webserver wie Apache oder PHP und eine Datenbank (MySQL oder PostgreSQL). Sind diese Bedingungen erfüllt, verläuft die Installation denkbar einfach. Man braucht eine angelegte Datenbank für das Wiki sowie einen eingerichteten Benutzer mit passenden Zugriffsrechten. Anschließend genügt es, das Archiv der aktuellen Distribution von mediawiki.org herunterzuladen und in das gewünschte Verzeichnis im Webserver zu entpacken.

Auf das dabei serverseitig erzeugte Verzeichnis kann man mit dem Browser zugreifen. Die angezeigte Seite verweist auf ein mitgeliefertes Installationsskript, das – ebenfalls per Browser – die Erstkonfiguration von Mediawiki vornimmt. Im dabei angezeigten Formular lassen sich Informationen zur Datenbank, der Name des Wiki, die bevorzugte Sprache sowie Details des initialen Administrator-Account angeben. Hat man bei der Eingabe keinen Fehler gemacht, ist das eigene Wiki mit einem weiteren Klick fertig eingerichtet und gebrauchsbereit.

MediaWiki ist wie erwähnt die technische Basis für alle Projekte der Wikimedia-Stiftung. Da diese, allen voran Wikipedia, aktiv und lebendig sind, erübrigt sich die Frage, ob die Software gepflegt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Open-Source-Projekten gibt es hier sogar fest angestellte Mitarbeiter. Die Webseite führt derzeit 23 Angestellte auf, wobei ein relativ kleiner Teil auf die Technik entfällt, zu der neben der Entwicklung der Software die System-und Netzadministration gehören.Darüber hinaus gibt es eine nicht genannte Zahl ehrenamtlich Tätiger.

Für das laufende Jahr verzeichnet die Webseite der Stiftung zwei Spenden in Höhe von 500ˇ000 beziehungsweise drei Millionen US-Dollar, wovon Letztere über drei Jahre verteilt gezahlt werden. Der aktuelle Spendenaufruf hat das Ziel, sechs Millionen US-Dollar zu erzielen; knapp zwei sind gesammelt. Wenngleich das Geld vor allem für die Aufrechterhaltung des Wikipedia-Betriebs verwendet werden dürfte, deuten diese Zahlen aber darauf hin, dass die Pflege und Weiterentwicklung der Software für die nähere Zukunft gesichert ist.

Editieren von MediaWiki-Artikeln: eigene Markup-Sprache statt HTML

Zur Formatierung der Seiten dient ein eigenes Wiki-Markup, dessen Funktionsumfang an HTML erinnert. Wie zu erwarten, existieren die klassischen Möglichkeiten, um Querverweise auf andere Seiten anzulegen, Textstellen hervorzuheben, Bilder einzubinden oder Tabellen anzulegen. Auch eine Reihe von HTML-Tags sind innerhalb der Wiki-Seiten erlaubt. Wenn man das Risiko eingehen möchte, beliebiges HTML innerhalb des Wiki zuzulassen, kann man das durch einen Parameter in der Konfigurationsdatei einstellen.

Zusätzlich bietet MediaWiki Unterstützung durch Templates, das Anlegen von Unterseiten, Redirects, Kategorien und Namespaces. Das Aussehen einer Installation steuern CSS-Skins. Darüber hinaus können Nutzer abweichend vom Site-weiten Aussehen eigene Skins benutzen. Was Benutzer- und Rechtemanagement angeht, gibt sich Mediawiki bescheiden. An essenziellen Account- Typen gibt es Benutzer (User), Administratoren (Sysops) und die sogenannten Bürokraten (Bureaucrats), die Nutzern neue Rechte geben können. Normalerweise darf jedermann neue Seiten anlegen und vorhandene ändern. Wird eine Seite durch einen Administrator-Account gesperrt, bleibt sie trotzdem für alle sichtbar, kann aber nur noch von Administratoren editiert werden. Die Sichtbarkeit von Seiten lässt sich nicht auf einen bestimmten Nutzerkreis einschränken.

MediaWiki ist verständlicherweise auf die Verwaltung von Online-Lexika wie Wikipedia ausgerichtet. Die anderen acht Projekte sind zumeist recht ähnlich. So unterscheidet sich ein Onlinewörterbuch (Wiktionary) in seinem Aufbau nicht wesentlich von einem Lexikon. Wer in Wikibooks hineinsieht, findet dieselbe Struktur. Ein „Buch“ ist dabei nichts anderes als eine Sammlung von Stichworten, die offensichtlich manuell per Link im Inhaltsverzeichnis in eine sequenzielle Abfolge gebracht wurden.

Möchte man Fakten sammeln und verwalten, ist man mit dem Mediawiki gut bedient. Alle, die darüber hinaus weitere Anforderungen haben, sollten sich zunächst die Liste der Erweiterungen ansehen. Derzeit sind hier mehr als 1100 Erweiterungen eingetragen. Deren Spektrum reicht von vielen Kleinigkeiten, die keiner expliziten Nennung bedürfen, bis zu umfangreichen Erweiterungen, etwa dem auf der nächsten Seite vorgestellten Semantic MediaWiki (SMW). Wer eigene Erweiterungen für Media-Wiki entwickeln möchte, findet Informationen in der umfangreichen Dokumentation.

Diese semantische Erweiterung von MediaWiki erlaubt es, Aussagen über Seiten und über Relationen zwischen Seiten zu machen. So kann beispielsweise ein Artikel über den Physiker Heinrich Rudolf Hertz nicht nur mit einem Link auf Hamburg versehen werden, der Link lässt sich außerdem mit der Relation „geboren in“ anreichern. Eine konsequente Verwendung dieser „semantischen“ Funktionen erlaubt es, Fragen der Art „Welche Personen wurden in Hamburg geboren?“ zu beantworten.

Ein derart erweitertes MediaWiki kann als Grundlage für Wissensmanagement dienen. Weitere Features von SMW sind der Export der angelegten Metadaten als RDF sowie der Import von OWLs (Web Ontology Language) in das Wiki, um bestehende Vokabulare nutzen zu können.

Ein funktionstüchtiges MediaWiki vorausgesetzt, ist die Installation der Erweiterung mit wenigen Handgriffen vollzogen. Man entpackt lediglich das Archiv der aktuellen Distribution in das Extensions-Verzeichnis der Media- Wiki-Installation und aktiviert die Erweiterung über einen Eintrag in der Konfigurationsdatei LocalSettings.php. Beim nächsten Login muss noch ein Initialisierungsskript gestartet werden, um die Datenbank zu erweitern, danach sind die semantischen Zusatzfunktionen einsatzbereit.

Flexibel, mächtig, einfach zu benutzen. Mit diesen Schlagworten empfiehlt sich TWiki auf seiner Homepage für den Einsatz im Unternehmensumfeld. Informiert man sich näher, bekommt man jedoch schnell einen widersprüchlichen Eindruck. Vor allem hinsichtlich intuitiver Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit erfährt TWiki in Foren und Blogs häufiger Kritik. Ein nicht ganz unberechtigter, aber umso bedauernswerterer Umstand; denn unter der Haube bietet das in Perl geschriebene und unter der General Public Licence (GPL) erhältliche TWiki einen Funktions- und Leistungsumfang, mit dem nur wenige Wiki-Engines mithalten können.

TWiki legt Seiten in Form von Textdateien auf dem Server ab. Ein Umstand, der bei mehreren Tausend Seiten zwar zu leichten Performance-Einbußen führen kann, dem Administrator aber die Verwaltung und Bearbeitung der Textdateien deutlich vereinfacht. Ein weiterer gewichtiger Vorteil ist die Möglichkeit, den Inhalt ganzer TWiki-Seiten unabhängig von der jeweiligen Systemkonfiguration durch einfaches Kopieren der Textdateien zu duplizieren.

Mit einer Art Ordner-Dokument-Konzept lassen sich beliebig viele Seiten in sogenannten Webs zusammenfassen. Die wiederum sind in Optik und Funktionen konfigurierbar und erlauben gewissermaßen die Nutzung mehrerer Wikis unter einem Dach. In der Praxis wird dies oft genutzt, um thematisch ähnliche Seiten zu gruppieren (Entwicklung, Development und Support) oder um Abteilungs- oder Projektstrukturen in Unternehmen nachzubilden.

TWiki ist mit einem für Wiki-Systeme weitreichenden Rechtesystem ausgestattet. So können Lese- und Bearbeitungsrechte für Seiten und Webs sowohl für Gruppen als auch für Individuen eingeschränkt oder aufgehoben werden. Selbst wenn dies dem originären Wiki-Gedanken der freien und kollektiven Bearbeitung von Inhalten widerspricht, ist es häufig ein für Unternehmen und Online-Communities wichtiges Feature. Ein weiteres wichtiges Sicherheitsmerkmal ist das Revisionskontrollsystem RCS, das das mühelose Wiederherstellen alter Seitenversionen ermöglicht.

Mit dem leicht anpassbaren Template-Systems kann man in TWiki die HTML-Struktur einzelner Seitentypen erweitern und per CSS den eigenen Designvorlieben beziehungsweise der Corporate Identity anpassen. Darüber hinaus gibt es einen zweiten Typ Templates, der sich auf die eigentlichen Inhaltseiten bezieht und ähnlich funktioniert wie die aus Office-Programmen bekannten Dokumentvorlagen.

Seit Version 4.2 enthält TWiki einen integrierten WYSIWYG-Rich-Text-Editor auf Basis von TinyMCE, was vor allem Office-Programme gewöhnte Nutzer die Arbeit mit TWiki erleichtert, da sie nun nicht mehr die TWiki-eigene Markup-Sprache erlernen müssen.

Zusätzlich zur eigenen Markup-Sprache (TML) bietet TWiki ein umfangreiches Arsenal an Variablen und Parametern, die für die Dynamisierung von Seiteninhalten sorgen können. Beispielsweise erzeugt die Einbindung der %COMMENT%-Variablen in eine Seite Eingabefelder samt Submit-Button. Andere nützliche Variablen generieren aus den Überschriften einer Seite automatisch ein Inhaltsverzeichnis, ermöglichen die dynamische Einbindung anderer Seiten oder erzeugen dynamische und frei formatierbare Suchanfragen.

In Wikis liegen Informationen in der Regel als Freitext vor. Dies erleichtert den schnellen Informationsaustausch,eignet sich aber nur bedingt zur Ablage und Ausgabe strukturierter Daten (Adressdaten, Projektfortschritte, To-dos). TWiki, gern als Structured Wiki bezeichnet, umgeht diesen Stolperstein mit TWiki Forms genannten Formularen. Die lassen sich zum einen durch Editieren der Seite befüllen, zum anderen aber auch durch HTML-Input-Formulare. Wird das Formular abgeschickt, füllt TWiki diese Daten in die TWiki Forms, von wo aus sie sich mit den oben beschriebenen formatierbaren Suchanfragen bequem auslesen lassen. Geschickt kombiniert können aus TWiki Forms und formatierten Suchanfragen ungeahnt mächtige und zeitsparende Anwendungen entstehen.

Eine der Stärken von TWiki neben der strukturierten Datenablage ist die Erweiterbarkeit durch Plug-ins und sogenannte Applications, eine Kombination aus Variablen, Formularen und formatierbaren Suchanfragen. Das Plug-in Repository umfasst mehr als 300 Erweiterungen, mit deren Hilfe man seine Installation an nahezu alle Bedürfnisse anpassen kann. Viele Erweiterungen lassen sich zudem flexibel miteinander kombinieren. Beispielhaft hierfür ist die Holiday-List-Applikation (siehe Abbildung). Hierfür sind drei Plug-ins miteinander kombiniert, damit eine neue Anwendung entsteht: EditTablePlugin zur Bearbeitung von Tabellen, Filter-Plugin zum Extrahieren von Daten und schließlich EasyTimelinePlugin, eine auf Ploticus aufsetzende freie Software zum Erstellen von Grafiken. Weitere Plug-ins ermöglichen die Anbindung an einen LDAP-Server oder den Import von Datenaus externen Anwendungen.

Mit drei TWiki-Plug-ins zu einer neuen Anwendung kombiniert: die Holiday-List-Applikation

Auf twiki.org finden die Entwicklung und der Support rund um TWiki statt. Über freie TWiki-Berater und auf TWiki spezialisierte Firmen ist professioneller Support erhältlich.

Seit Längerem gibt es Unstimmigkeiten bezüglich der Projektsteuerung und Ausrichtung von TWiki zwischen Peter Thoeny, dem Gründer des Projekts, und der Entwicklergemeinde. Deren Bestrebungen, das Projekt demokratischer zu gestalten, wurden durch die Übernahme der Community-Seite durch Thoeny gestoppt. Als Reaktion hat die Entwicklergemeinde daraufhin beschlossen, sich abzuspalten und das Projekt unter dem Arbeitstitel NextWiki neu aufzusetzen, um so die Weiterentwicklung der Software frei von kommerziellem Einfluss sicherzustellen. Den Fork haben die Entwickler inzwischen in FosWiki umbenannt.

Für eine Entscheidung, welche Wiki-Engine man fürs eigene Vorhaben in Betracht ziehen sollte, kommen verschiedene Kriterien infrage. Geht es um einen leichten Einstieg, könnte DokuWiki das Werkzeug der Wahl sein. Immerhin bietet die Engine bei Bedarf die Option, eines der vielen Plug-ins zu integrieren, was bei etwas PHP-Knowhow keinen Stolperstein darstellen dürfte.

TWiki positioniert sich gern als Enterprise-Wiki Engine. Durch über 300 vorhandene Plug-ins und sogenannte Applications leicht erweiterbar, bietet es sich als eine der größeren Engines an. Die Neuorientierung der Entwicklergemeinde (FosWiki) suggeriert allerdings, dass man vor einer endgültigen Entscheidung die Zukunft von TWiki und FosWiki abwarten sollte.

Java- oder .Net-Know-how in den eigenen Reihen sprechen für JSP- oder FlexWiki, schon weil Erweiterungen Kenntnisse in einer der beiden Sprachen erfordern. Wem diese Erfahrung fehlt, der sollte zu einem der anderen greifen.

Bleibt MediaWiki, dessen Hauptnachteil die Ausrichtung auf Enzyklopädie/ Wörterbuch ist. Investitionssicherheit scheint gegeben zu sein, denn schon für Wikipedia muss die Foundation das System pflegen und weiterentwickeln. Und was Skalierbarkeit angeht, ist die Enzyklopädie eine kaum zu übertreffende Referenz. Nicht zu vergessen: Außer der vorgestellten Erweiterung zu einem semantischen Wiki liegen über tausend Erweiterungen vor.

Über solche grundlegenden Fragen stellen sich schnell weitere: nach der Kodierung (UTF-8), der Anzahl unterstützter Sprachen und vielleicht kommerziellem Support. (hb)

Denny Carl ist seit 2001 selbstständiger Webdesigner und -entwickler in Berlin.

Dr. Horst Eidenberger ist außerordentlicher Professor an der TU Wien und zertifizierter Gutachter am Handelsgericht Wien.

Maik Ludewig M.A. ist Produktmanager Online bei der CTS Eventim AG in Bremen.

Stefan Mintert und Bastian Spanneberg sind Informatiker und entwickeln Semantic-Web-2.0-Software bei Linkwerk.com.

Carlo Schulz ist User Experience und Application Consultant bei der Unternehmensberatung IBM Global Business Services.

Gerhard Völkl ist bei einem öffentlichen Transportunternehmen für Software zuständig. Außerdem arbeitet er als Fachautor zu Data Mining und Data Warehouse.

Die Beiträge sind den Autoren folgendermaßen zuzuordnen:

  • Denny Carl – DokuWiki
  • H. Eidenberger – JSPWiki
  • S. Mintert und B. Spanneberg – (Semantic) MediaWiki
  • C. Schulz – TWiki
  • G. Völkl – FlexWiki