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Mac-Volumes unter DOS, Windows 95/NT und OS/2

Test & Kaufberatung | Kurztest

Im kommerziellen Lager gibt es mehrere Lösungen, um Macintosh-Disketten und -CD-ROMs auf einem PC zu benutzen. Wer den Umgang mit der Kommandozeile nicht scheut, kann aber Geld sparen und zu den kostenlosen HFS Utilities greifen.

Die HFS Utilities für DOS, Windows 95/NT und OS/2 basieren auf dem Programmpaket hfsutils für Unix von Robert Leslie [[#lit1 1]], die von Marcus Better auf den PC portiert wurden. Im Gegensatz zu kommerziellen Angeboten bieten sie nicht den Komfort einer transparenten Integration in das Betriebssystem. Wenn man aber nur gelegentlich Zugriff auf das Hierarchical File System (HFS) des Macintosh benötigt, reichen sie allemal. Im Unterschied zum Unix-Original, für das ein grafisches Front-End existiert, läßt sich die portierte Version nur per Kommandozeile benutzen.

Die Programmsammlung besteht aus einer Anzahl Unix-ähnlicher Befehle, denen der Buchstabe h vorgestellt ist. Mit hmount a: wird ein HFS-Volume bei den HFS Utilities angemeldet, das Pendant hunmount a: meldet es wieder ab. hls gibt den Inhalt eines Verzeichnisses aus. Der Befehl unterstützt etliche Optionen, etwa zum Sortieren oder Ausgeben unsichtbarer Informationen. hdir entspricht hls -l und zeigt auch den Mac-spezifischen Type und Creator, die Größe und das Änderungsdatum eines Verzeichniseintrags an.

Besonders gut gelungen ist der hcopy-Befehl. Er bietet Optionen, um während des Kopiervorgangs Dateien automatisch zu konvertieren. Mit der Option '-m' werden sowohl der Daten- als auch der Ressourcenzweig einer Mac-Datei in das verbreitete MacBinary-Format geschrieben. 'hcopy -b' überführt beide Zweige in eine BinHex-kodierte Datei, sehr hilfreich, wenn eine Datei per EMail verschickt werden soll. Ohne diese Optionen kopiert hcopy nur den Datenzweig einer MacDatei. Bei Texten und Bildern spielt dies keine Rolle, Macintosh-Programme werden dadurch aber unbrauchbar.

Bei der Angabe der Pfade muß man sorgfältig zu Werke gehen - ein HFS-Pfad muß mindestens ein ':' enthalten. Dateinamen paßt hcopy automatisch an: verbotene Zeichen werden entfernt und falls bekannt, die entsprechende DOS-Erweiterung angehängt. Die langen Dateinamen des Mac (bis zu 31 Zeichen) bleiben erhalten. Die HFS Utilities kennen auch Befehle zum Umbenennen, Löschen und Anlegen von Verzeichnissen sowie zum Formatieren. Wildcards ('*' und '?') in Pfaden sind erlaubt.

Die Installation ist einfach: man kopiert die Software auf Festplatte und setzt ein paar Umgebungsvariablen. Unter DOS und Windows 95 erledigt man dies in der Autoexec.bat, unter OS/2 in der Config.sys, unter Windows NT bemüht man dafür die Systemsteuerung. Unter Windows 95 laufen die HFS Utilities nur in einer DOS-Box und benötigen dafür den DOS-Extender RSXNT zum Betrieb im Protected Mode. Deshalb funktioniert nur der Zugriff auf sogenannte Block Devices wie Diskettenlaufwerke. Da DOS CD-ROMs nicht als Block Devices ansieht, ist ein Zugriff auf HFS-Silberscheiben nicht möglich. Der Extender ist kostenlos auf der WWW-Seite des Autors erhältlich. Unter Windows NT und OS/2 besteht dieses Problem nicht. Hier kann die Software auf alle Laufwerke mit Laufwerksbuchstaben zugreifen, also auch CD-ROMs.

Einseitige Disketten, die der Macintosh im Group-Code-Recording-Verfahren beschreibt, können PC-Diskettenlaufwerke nicht lesen, so daß die HFS Utilities auch nicht damit umgehen können. Mit dieser Einschränkung kann man aber leben, sind doch einseitige Disketten mittlerweile eine Seltenheit geworden. Wer sich nicht an der Bedienung per Kommandozeile stört, erhält mit den HFS Utilities ein brauchbares Werkzeug. (adb)

[1] Thomas Hirschmann, Noch eins, HFS-Dateisystem und -Utilities für Linux, c't 8/97, S. 91


Sowohl die Windows 95/NT- (hfsuw31a.zip) als auch die OS/2-Version (hfsuo31a.zip) der HFS Utilities (Freeware) gibt es auf der Webpage des Autoren http://www.student.nada.kth.se/~f96-bet/hfsutils/ und in der c't-Mailbox.

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