Friede, Freude und freie Eierkuchen-Rezepte, Teil 2

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Frei zugängliche Journals gibt es allerdings schon länger als die Open-Access-Initiative. Eine Liste mit 4300 solchen Wissenschaftsjournalen, sortiert nach Zugriffsart, pflegt die Uni Regensburg. Als frei zugänglich gilt dabei allerdings jede Zeitschrift, die für jedermann via Internet erreichbar und im Volltext lesbar ist – was noch nicht bedeutet, dass damit die Aufsätze und Publikationen frei kopiert und weiterverteilt werden dürfen. Das Verzeichnis ist besonders für Geisteswissenschaftler interessant, die sich derzeit noch ziemlich schwer mit der OAI tun. Die Liste umfasst allein für Politikwissenschaft über 1000 Zeitschriften.

Viele klassische Abbildungen sind inzwischen gemeinfrei: Hand aus Gray's Anatomy Plates

Grundsätzlich lohnt sich für englischsprachige Publikationen auch das HighWire-Archiv der Uni Stanford, das verschiedene Listen anzeigt wie zum Beispiel die größten internationalen Archive mit Volltext-Artikeln oder Zeitschriften, deren Artikel nach zwölf Monaten komplett im Volltext erhältlich sind. Auch das bedeutet nicht automatisch eine freie Lizenz im Sinne der CC. Da aber korrektes Zitieren und die Nennung der Quelle sowieso wissenschaftlicher Standard ist, hilft schon weiter, einen Aufsatz einfach online lesen zu können. An der Uni Oxford in England wird ebenfalls ein Verzeichnis mit frei zugänglichen und OA-Journalen gepflegt, die auch kleinere Publikationen unter OAI enthält.

Auch die Max-Planck-Gesellschaft betreibt einen eigenen OA-Server. Der eDoc-Server versammelt nicht bloß Naturwissenschaftler, sondern auch juristische, kunsthistorische und ethnologische Forschungseinrichtungen unter seinem Dach und ist ein Beispiel für die Open-Access-Möglichkeit der Selbstarchivierung, bei der Forschungseinrichtungen ihre Publikationen technisch selbst verwalten und das nicht an einen Verlag auslagern.

Ein anschauliches Beispiel, wie die Präsentation von Wissenschaft und Forschung sowohl für Fachleute als auch interessierte Laien aussehen kann, zeigt das Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung, das nicht nur eine schöne Website hat, wo man Bild- und Videomaterial für den privaten und erzieherischen Gebrauch unter Nennung der Quelle frei zur Verfügung stellt, sondern auch einen Open-Access-Server für Publikationen betreibt. Dabei greift das AWI auf freie XML-Formate des Dublin Core (standardisierte XML-Schemata für bestimmte Anwendungszwecke) zurück und bietet seine Forschungsergebnisse sowohl im Web als auch nach den Regeln der Open Archive Initiative an.

So rund kann man Forschung im Internet präsentieren: schön gemachte Website, Material für Laien und Schulen, professionelle Öffentlichkeitsarbeit, zweisprachig Deutsch und Englisch, offene Standards für Metadaten und Archivierung, Zugänglichkeit der Forschung durch Open Access – und wem das nicht reicht, der kann auch noch ein paar Webcams in der Arktis und Antarktis anschauen.

Natürlich geht es auch mit weniger Aufwand. An der Brown University zeigt ein Handbuch über Medienkunst, wie man Open Access auch interpretieren kann: Das Handbuch steckt in einem Wiki und ist unter der CC veröffentlicht. Jeder Leser wird ermuntert, Fehler zu korrigieren und Ergänzungen vorzunehmen. Eine Buchfassung in mehreren Sprachen wurde 2006 im Taschen-Verlag veröffentlicht – parallel dazu existiert trotzdem weiterhin das Wiki.

Wer nichts mehr liebt als social networking und eine Xing-artige Gemeinschaft fürs wissenschaftliche Arbeiten sucht, wird bei Lalisio fündig. Der Vorzug dieses Netzwerks ist das gegenseitige Sichtbarmachen von sogenannten "Grauen Materialien" – Thesenpapiere, Vortragsfolien, ein kurzer Ideenabriss und dergleichen mehr. Darauf können die Mitglieder untereinander jeweils zugreifen. Außerdem bietet Lalisio eine Online-Suche für verschiedene wissenschaftliche Publikationsverbunde wie Biomed Central und Project Muse an.

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