Friede, Freude und freie Eierkuchen-Rezepte, Teil 2

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Besser sieht die Situation für Menschen aus, die "bloß" eine fremde Sprache erlernen wollen. Das Web ist voll von "freien" Sprachkursen, Podcasts, Vokabeltrainern und Einführungen in die Grammtik des modernen Navaho. Allerdings muß man schon genauer hinsehen: Viele Sites haben sich zwar das Schild "frei" angeheftet, meinen damit aber nur "darf man einfach benutzen". Wirklich "frei" im Sinne von GPL, FDL oder CC sind nur einige wenige Fremdsprachen-Ressourcen.

In Deutschland ist beispielsweise Leo.org eine wichtige Anlaufstelle für englische, französische und spanische Wörterbücher – die Nutzungsrechte sind allerdings ziemlich restriktiv: kein Download, keine Spider, keine Vokabellisten zum Herunterladen, nur Nachgucken im Webfrontend und in zwei, drei betriebssystemspezifischen Tools ist erlaubt. Auch Pons hat eine ganze Reihe seiner Wörterbücher via Web zugänglich gemacht – aber wirklich frei à la CC sind diese Inhalte auch nicht. In der wohl umfangreichsten Liste von Sprachressourcen findet man immer einige CC-lizenzierte Kleinigkeiten, zum Beispiel die exzellente Idee eines Vokabeltrainers für chinesische Hanzi-Zeichen – fürs Handy.

Und wer immer dachte, dass man Open Source nur für Linux und BSD erhält: Ein weiterer Vokabeltrainer fürs Handy läuft nur auf Windows-Mobile-basierten Geräten. Noch weiter treibt es eine Site zum Russisch lernen, deren Englisch-Russisches Wörterbuch es (GPL-lizenziert) nur für Windows XP mit .NET gibt. Da fragt man sich schon manchmal, wieso die Linuxwelt an die 200 httpd-Daemons als Open Source veröffentlich, währen die Mac- und Windowsentwickler alltägliche Jedermann-Gebrauchssoftware programmieren.

Was übrigens nicht einfach zu finden ist: Wirklich gute, umfangreiche Wortschatz-Listen, wie man sie in Buchform kennt – "Grund- und Aufbauwortschatz XY". Vokabellisten, deutsche Wörterbücher auf dem Niveau eines Oxford English Dictionary oder des Petit Roberts – Fehlanzeige. Diese Wortlisten wären aber eine essenzielle Basis für weitere freie Sprachprojekte.

Immerhin existiert das freedict-Projekt. Die Dateien gibt es in verschiedenen Formaten: für den dictd, als XML in TEI (die "offizielle" DTD, Vokabeln in XML auszuzeichnen) und bereits für StarDict konvertiert. Die Qualität der frei verfügbaren Wörterbücher schwankt allerdings sehr: Das deutsch-französische Freedict-Wörterbuch etwa kennt weder die Übersetzung für Computer noch den citoyen als Bürger – nicht gerade völlig unbekannte französische Spezialvokabeln. Angaben wie feminin oder maskulin gibt es nicht, ebensowenig wie Hinweise auf die Konjugationform eines Verbs oder die Pluralbildung eines Substantivs.

Sprachfreunde, die sich also berufen fühlen, etwas wirklich Sinnvolles beizutragen: freie Wortlisten in guter Qualität – für Vokabeltrainer, Sprachkurse und Wörterbücher und für jedermann frei verfügbar. (odi)

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