zurück zum Artikel

Fritzbox 7520: Unechte Einschränkungen

Test & Kaufberatung | Test

Laut Datenblatt der Fritzbox 7520 erhält man nur zwei Gigabit-Ports und nur USB 2.0. Mit ein paar Anpassungen verpasst man der 7520 das 7530-Upgrade.

Der Internetanbieter 1&1 verzichtet anders als die meisten DSL-Provider auf eine eigene Routermarke und lässt stattdessen Fritzboxen leicht abspecken und mit Logo versehen. Das aktuelle Einsteigermodell des Anbieters ist die Super-Vectoring-fähige Fritzbox 7520. Sie wird seit Anfang 2019 als Standardrouter in den 250-MBit/s-Tarifen herausgegeben und ist nur bei 1&1 zu haben, wo sie 2,99 Euro pro Monat kostet. Nach Vertragsende darf man sie behalten, weshalb man die Box auch gebraucht für 40 bis 70 Euro erhält. Das nächstgrößere Modell 7530 kostet 4,99 pro Monat (120 Euro im freien Handel) und wird von 1&1 mit zahlreichen Vorteilen beworben – dazu später mehr.

Gegenüber der 7530 zeigt das Datenblatt der 7520 überschaubare Nachteile: Sie hat nur zwei Gigabit-Ethernet-Ports statt wie die 7530 vier. Die anderen beiden Ports liefern nur Fast Ethernet, also 100 MBit/s. Der USB-Port erreicht nur USB-2.0-Geschwindigkeit (480 MBit/s statt 5 GBit/s). Der Rest ist jedoch gleich: WLAN nach Wi-Fi 5 (IEEE 802.11ac) mit bis zu 866 MBit/s im 5-GHz-Band und 400 MBit/s bei 2,4 GHz. Ins Internet gehts mit VDSL inklusive (Super-)Vectoring bis zu 300 MBit/s schnell. Analoge Telefonie läuft per RJ11 oder TAE, eine DECT-Basis ist auch an Bord.

Die c’t BleibZuHaus-Abo-Aktion

4 Hefte lesen, 2 Hefte bezahlen [1]

Der WLAN-Durchsatz beider Router deckt sich in unserer störungsfreien Testumgebung nahezu aufs letzte Megabit pro Sekunde. Lediglich auf größere Entfernung schnitt mal die eine, mal die andere Fritzbox im 5-GHz-Band um 10 bis 20 MBit/s schlechter ab, wobei diese Unterschiede stark von der Geräteorientierung abhingen und auch das Gehäusedesign einen Einfluss hat.

Auch in puncto DSL-Modem konnten wir keine Unterschiede feststellen: An unserem Telekom-Supervectoring-Testanschluss in der Redaktion erreichten beide Modelle über circa 160 Meter Leitungslänge die gleichen Übertragungsraten, die sich auch mit denen der sonst angeschlossenen Fritzbox 7590 deckten.

Derart ähnliche Ergebnisse erhält man nur, wenn die Hard- und Software weitestgehend gleich ist. Der Blick auf die Platinen offenbarte genau das: Herzstück beider Geräte ist das Router-System-on-Chip IPQ4019 von Qualcomm mit 128 MByte NAND-Flash und 256 MByte DDR3-RAM. Auf beiden Boards sitzen die gleichen RAM- und Flash-Modultypen sowie Intels xDSL-Modem VRX518. Auch bei den restlichen Komponenten muss man genau hinsehen, um Unterschiede zu erkennen: Hier und da sind SMD-Bauteile von einem anderen Typ, anders gesetzt oder nur auf einer der beiden Platinen vorhanden.

Auf beiden Boards sitzt der von Qualcomm QCA8075, ein 5-Port-Gigabit-­Ethernet-Transceiver. Doch weshalb hat die Fritzbox 7520 dann nur zwei Gigabit-Ethernet-Ports? In ihrer Bandbreite limitierte Ethernet-Signalübertrager wären eine mögliche Antwort. AVM setzt jedoch sowohl für die Gigabit- als auch für die 100-MBit/s-Ports die gleichen Transformatoren ein.

Das Platinenlayout ist auch im sichtbaren Bereich vor der USB-Buchse bei beiden Modellen gleich. Doch ein langsamerer Anschluss wäre durchaus plausibel, denn der verwendete IPQ4019 besitzt Pins für einen USB-2.0- und einen USB-3.0-Anschluss. Wo der Port am SoC angeschlossen ist, lässt sich aufgrund der mehrlagigen Platine schwer von außen sagen. Aber auch hier fiel uns wieder etwas auf: Die USB-Buchse besitzt die zusätzlichen Pins für USB 3.0.

Die Witterung aufgenommen versuchten wir die Firmware der 7530 auf der 7520 zu installieren: Wie erwartet wehrte sich die Box mit Händen und Füßen und beschwerte sich sowohl im Webinterface als auch in AVMs Recovery-Tool, dass die eingespielte Firmware gar nicht für sie gedacht sei. Mitgeschnittene Kommunikation und die Recherche des c’t-Autors Vincent Wiemann offenbarten jedoch eine Lücke in AVMs Bootloader: Das Recovery-Tool erhält per FTP mehrere Parameter, anhand derer es die Fritzbox identifiziert. Alle sind Teil der Bootloader-Variablen – die auch per FTP geändert werden können.

Kaum zu unterscheiden: Die Platine der 7520 (oben) ähnelt derer der 7530 (unten) extrem. Nur die Beschriftung „7520X...“ und andere Zahlen in der Seriennummer verraten, dass es sich um eine Platine mit kleinen Änderungen handelt.
Kaum zu unterscheiden: Die Platine der 7520 (oben) ähnelt derer der 7530 (unten) extrem. Nur die Beschriftung „7520X...“ und andere Zahlen in der Seriennummer verraten, dass es sich um eine Platine mit kleinen Änderungen handelt.

Der Weg zur Firmware-Änderung ist so nur noch zehn leichte Schritte lang: Zunächst lädt man das Recovery-Tool für die 7530 auf einem Windows-Rechner mit LAN-Interface herunter ( ct.de/ydaw), ändert die IP-Adresse des LAN-Interface statisch auf 192.168.178.2 (255.255.255.0) und verbindet sich per Kabel mit der vom Strom getrennten Fritzbox 7520. Anschließend öffnet man zwei Kommandozeilenfenster: Im ersten läuft ein Ping auf die Adresse der Box (ping 192.168.178.1 -t), um das FTP-Zeitfenster beim Start nicht zu verpassen. Im zweiten wartet der vorbereitete FTP-Befehl zur Ausführung im richtigen Moment (ftp 192.168.178.1). Steckt man die Box ein, kommt nach wenigen Sekunden die erste Ping-Antwort und die FTP-Verbindung kann hergestellt werden. Klappt das mehrmals nicht, benötigt der Netzwerkadapter des genutzten PCs zu lange für die Verbindungserkennung und ein dazwischengeschalteter Switch muss helfen.

Benutzername und Passwort für den FTP-Zugang sind gleich: adam2. Steht die Verbindung, ändert man mit vier Befehlen die ausschlaggebenden Variablen.

quote SETENV ProductID Fritz_Box_HW236
quote SETENV HWRevision 236
quote SETENV HWSubRevision 1
quote SETENV firmware_version avm

Danach beendet man die FTP-Verbindung mit quit und startet das Recovery-Tool der Fritzbox 7530, das dann anstandslos die Firmware in den Speicher schreibt. Nach ein bis zwei Minuten bootet die 7520 als Mod-7520, also mit Fritzbox-7530-Firmware. Linux- und macOS-Nutzer benötigen etwas länger, da das Recovery-Tool nur unter Windows läuft, dann beispielsweise in einer virtuellen Maschine.

Die neue Firmware bestätigt alle Vermutungen: In den Netzwerkeinstellungen können wir alle vier Ports auf Gigabit-Ethernet hochschalten und in den USB-Einstellungen steht der „Power Mode USB 3.0“ zur Auswahl. Erneut durchgeführte Leistungsmessungen an allen Ethernet-Ports und Versuche mit einer USB-3.0-SSD beweisen: Die 7520 ist eine künstlich verschlechterte 7530.

Uns gelang die Modifikation jedoch nur mit dem 7530-Recovery-Tool der Version 7.14 und auch nur, wenn zuvor FritzOS 7.14 auf der 7520 lief. Vorherige Versuche, die 7520 mit einer alten Version der 7530-Firmware zu flashen, um den Web­updater zu testen, scheiterten allesamt. Eine 7530-Firmwaredatei für FritzOS 7.14 akzeptierte die Mod-7520 im Webinterface aber anstandslos – ein Anzeichen dafür, dass zumindest das händische Update funktioniert.

Fehler oder Funktionsausfälle, wie sie bei einer Firmwaremodifikation immer ein Risiko sind, konnten wir bis Redaktionsschluss nicht feststellen. Die Mod-7520 läuft bereits seit einer Woche ohne einen merklichen Unterschied zur 7530 am Supervectoring-Anschluss des Autors.

Fritzbox 7520: Unechte Einschränkungen

Doch damit nicht genug: 1&1 unterschlägt in der Router-Auswahl auf seiner Webseite gezielt Funktionen der 7520: Die 7530 wird mit „Premium-WLAN mit 1.266 MBit/s und als „Zukunftssicher – gerüstet für schnelles Supervectoring mit bis zu 300 MBit/s beworben. Bei der 7520 gibt es keinen Hinweis auf Super-Vectoring, beim WLAN lässt 1&1 die 400 MBit/s im 2,4-GHz-Band außen vor und spricht von „866 MBit/s im WLAN-AC Band (5 GHz)“. Wer als Kunde nicht das technische Wissen mitbringt oder genauer in die Datenblätter schaut, wird sich eher für das mutmaßlich bessere Modell entscheiden.

c’t fragte sowohl 1&1 als auch AVM, ob die Limitationen der 7520 bewusst abgesprochen waren und ob in der Vergangenheit „künstlich“ limitierte Geräte ausgegeben wurden. 1&1 sagte dazu, dass AVM die Fritzbox 7520 in Abstimmung mit 1&1 entwickelt hat. Das Modell hätte man eingeführt, um den Kunden einen günstigen Top-Router anbieten zu können. AVM blieb dabei, dass es sich bei den beiden Routern um zwei unterschiedliche Produkte mit verschiedenen Eigenschaften handle und wies darauf hin, dass das Aufspielen einer produktfremden Firmware zum Verlust der Garantie führe. Weitere Angaben zur Partnerschaft mit 1&1 konnte AVM nicht machen. (amo [2])


Dieser Artikel stammt aus c't 8/2020 [3].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4688709

Links in diesem Artikel:
[1] https://shop.heise.de/ct-27457-ct000038?LPID=27457_CT000038_16588_3_0&wt_mc=intern.red.ct.ct_2020_4fuer2.ct_de.teaser_art.teaser_art
[2] mailto:amo@ct.de
[3] https://www.heise.de/select/ct/2020/8