Fritzbox als Smart-Home-Zentrale

Fritzbox als Smart-Home-Zentrale

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Fritzboxen sprechen mit FritzOS 7 Smart-Home-Geräte anderer Hersteller an. Was über DECT ULE schon geht und woran es aktuell noch hapert.

Die Erweiterung Ultra Low Energy (ULE) macht DECT fit für Smart-Home-Anwendungen – ganz ohne Cloud. Da trifft es sich gut, dass viele verbreitete Fritzbox-Routern traditionell DECT für schnurlose Telefonie bereits mitbringen und damit in vielen Haushalten als Basistation schon vorhanden sind. Mit dem Update auf FritzOS 7 hat AVM nicht nur die Smart-Home-Fähigkeiten seiner Router weiter ausgebaut, sondern unterstützt auch endlich Geräte andere Hersteller. Damit mausert sich die Fritzbox zu einer ernstzunehmenden Smart-Home-Zentrale.

AVMs Portfolio an Smart-Home-Komponenten mit ULE ist freilich noch klein. Die Zwischenstecker Fritz-DECT 200 und die Outdoor-Variante 210 schalten Verbraucher bis 16 Ampere. Mit dem Thermostat Fritz-DECT 301 lassen sich Heizkörper automatisiert steuern. Den Powerline-Adapter 546E kann man wie die Fritz-DECT-Zwischenstecker schalten.

ULE hat gegenüber anderen Nahfunktechniken wie Zigbee, Z-Wave oder Bluetooth, die sich im lizenzfreien 2,4-GHz-Band tummeln, den Vorteil, dass es das DECT-Funkband im 1900-MHz-Bereich exklusiv nutzen kann. So geht es Störungen im überfrachteten 2,4-GHz-Band aus dem Weg. Außerdem erreicht es mit bis zu 50 Metern in Gebäuden und maximal 300 Metern im Freien größere Reichweiten.

Genügt das nicht, kann man die Abdeckung einfach mittels Repeatern vergrößern. Es sind auch komplexe Topologien mit vernetzten Basisstationen möglich. Im einfachsten Fall entspricht ein ULE-Netzwerk der Stern-Topologie; ein bis mehrere Terminals sind an eine Basisstation angekoppelt, beispielsweise Fernsteuerungen, Türsprechstellen, Rauch- und Bewegungsmelder, Smart-Meter oder fernschaltbare Steckdosen. Es spricht also einiges dafür, DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) nicht nur für Schnurlostelefonie zu nutzen.

Die AVM-Zwischenstecker lassen sich über die Weboberfläche der Fritzbox oder per MyFritz-App zeitgesteuert, zufällig, tag- und nachtabhängig (Sonnenauf- und -untergang), periodisch oder über einen hinterlegten Google-Kalender schalten.

Die per DECT angebundene Fritz-Steckdose meldet auch Verbrauchswerte ans System zurück und kann aus der Ferne geschaltet werden.

Außerdem können DECT 200 und DECT 210 dank eingebautem Mikrofon akustische Ereignisse als Auslöser für Aktionen interpretieren. Inzwischen lässt sich sogar die Geräuschfrequenz frei wählen, und zwar in einem Bereich von 125 Hz bis 4 kHz – es gibt also viele Möglichkeiten, Verbraucher an- und auszupfeifen.

Die Heizungsthermostate steuert man ebenfalls zeitabhängig über einen Wochenplaner. Bis zu acht Schaltpunkte am Tag sind möglich, aber nur zwei Temperaturen: eine Komfort- und eine Spartemperatur. Gemessen wird am Thermostat, eine einstellbare Offset-Temperatur gleicht Unterschiede in Richtung Raummitte aus.

Zusätzlich kann man Zeiten in der Fritzbox eintragen, in denen die Heizung in einen Sparmodus fällt – praktisch für Urlaubsabwesenheiten. Die smarten Thermostate erkennen einen plötzlichen Temperatursturz und heizen an, um Frostschäden zu verhindern, und regeln die Heizung selbstständig ab, wenn gelüftet wird.

Die Fritz-DECT-Erweiterungen schalten über die Fritzbox anhand verschiedener Vorgaben automatisch, etwa tag- und nachtabhängig.

Mit FritzOS 7 hat AVM "Vorlagen" eingeführt. Darin lassen sich Einstellungen für Thermostate und Zwischenstecker speichern, und später mit einem Klick im Webinterface oder über die App wieder einspielen. So soll lästiges Umkonfigurieren entfallen, wenn man etwa regelmäßig zwischen Früh- und Spätdienst wechseln muss oder ein Feiertag ansteht.

Mit FritzOS 7 öffnet AVM die Fritzbox stärker für Smart-Home-Komponenten von Drittanbietern. Schlüssel hierzu ist das Home Area Network Functional Protocol, kurz Han-Fun, das für Kompatibilität von DECT-ULE-Geräten auf Anwendungsebene sorgen soll. Interessante DECT-ULE-Komponenten bieten unter anderem die Telekom, Panasonic und Gigaset an. Mit deren Portfolio könnte man künftig sein Smart-Home-Setup um Glasbruchmelder, Wassermelder, Bewegungssensoren, Taster oder Fensterkontakte erweitern. Vorerst gilt das aber nur in der Theorie.

In der Praxis lassen sich bisher nur wenige Komponenten einbinden. Dazu zählen ein Fenstersensor, ein Taster und ein Bewegungsmelder aus der Qivicon-Produktfamilie der Telekom. Alle drei lassen sich mit der Fritzbox koppeln – auch schon mit FritzOS 6.98 – und anschließend mit den Fritz-Zwischensteckern verknüpfen.

Der Smart-Home-Taster der Telekom lässt sich problemlos an der Fritzbox betreiben und schaltet AVMs Zwischenstecker.

Der Taster ist programmierbar und dürfte daher für Besitzer eines Zwischensteckers interessant sein, weil sich damit Verbraucher ohne Smartphone einfach per Tastendruck schalten lassen. So kann man je nach vorheriger Programmierung zum Beispiel sanfte Beleuchtung einschalten, den Einbruchschutz aktivieren und Ähnliches mehr. Man kann den Taster wahlweise mit mitgelieferten Schrauben und Dübeln oder mit Klebebändern an der Wand befestigen. Die zwei AA-Batterien sollen rund ein Jahr halten. In der Kompatibilitätsliste führt die Telekom bisher nur ihre eigenen Basisstationen auf (Home Base der zweiten Generation und Speedport Smart), die Kopplung an die Basisstation erfolgt wie bei DECT üblich per Tastendruck.

Ähnlich lassen sich auch Bewegungsmelder und Fenstersensoren einbinden: Ein Signal löst einen Schaltvorgang an einem Aktor aus. Dabei kann man sich aussuchen, ob der Aktor umschaltet, für eine bestimmte Zeit den Modus wechselt oder einen Sensor zu bestimmten Zeiten einfach ignoriert. Die Heizungsthermostate lassen sich jedoch noch nicht mit Aktoren verknüpfen.

Schwierig wird es beim Thema Firmware-Updates für Geräte fremder Anbieter. Ideal und bei Han-Fun vorgesehen wäre das Aufspielen über die Fritzbox, so wie das bei den hauseigenen Smart-Home-Geräten von AVM geht.

Bisher lässt sich aber nur die Firmware eines Thermostats von Comet über die Fritzbox updaten. Bei den Telekom-Komponenten führt die Box provisorisch "Version 0.0" auf und Updates lassen sich nicht aufspielen. Daran hat nicht etwa AVM Schuld, sondern die DECT-ULE-Spezifikation, die es den Herstellern freistellt, wie sie die Firmware ihrer Geräte aktualisieren.

Aktuell holen Basisstationen der jeweiligen Hersteller die Updates mittels proprietärer Verfahren ab und geben sie an die zugehörigen Geräte weiter. Wer sich also etwa einen Qivicon-Taster anschafft, aber keine dazu passende Basisstation, ist vom Update-Pfad abgeschnitten.

Wie eine durchdachte Update-Spezifikation aussehen könnte, sieht man bei aktuellen DECT-Telefonen. Sie nennen der Basisstation (also etwa der Fritzbox) über das CAT-iq-Protokoll 2.0 eine URL, über die sich die Firmware-Datei herunterladen lässt.

Ein weiteres Problem liegt auf der Anwendungsebene: Die ULE- und Han-Fun-Spezifikationen lassen den Herstellern viele Freiheiten bei der Implementierung ihrer Anwendungen. In vielen Fällen verstehen sich eine Basisstation und ein ULE-Gerät noch so weit, dass eine Verbindung zustande kommt. Aber die Nutzdatenformate und Funktionen des Geräts sind proprietär und damit für die Smart-Home-Basis unverständlich. AVM hat sich daher bis auf Weiteres die ULE-Zertifizierung gespart. Stattdessen testet die Firma ULE- und Han-Fun-kompatibles Zubehör selbst und veröffentlicht eine eigene Liste von Geräten, die mit der Fritzbox zusammenspielen.

Trotz der noch dünnen Hardware-Decke und ungelöster Probleme taugt die Fritzbox durchaus als Ausgangspunkt für kleinere Smart-Home-Installationen.

Weitere Geräte können im Laufe der Zeit hinzukommen, denn AVM hat die Spezifikation für die Kommunikation mit der Fritzbox offengelegt (AVM Home Automation Application Programmers Interface, AHA-API). Anhand dieser AHA-API (PDF) können Hersteller ihre Geräte an die Fritzbox anpassen. Zu den Kandidaten zählen etwa Bosch, der französische Telekommunikationskonzern Orange, Parks Associates oder auch die DSP Group, die allesamt DECT-ULE für die Smart-Home-Vernetzung nutzen wollen.

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Wie man AVMs Smart-Home-Komponenten auch außerhalb der Bedienoberfläche der Fritzbox unter Anwendung des API nutzt – entweder um Daten auszulesen, oder um Aktoren zu schalten – haben wir bereits in einem c't-Beitrag veröffentlicht. Außerdem gibt es Plug-ins, über die sich Komponenten von AVM in Smart-Home-Plattformen wie FHEM oder OpenHab einbinden lassen.

Auch Amazons Sprachdienst Alexa lässt sich mit einer Fritzbox nutzen. Das "FB Smart Home" genannte Projekt, das Alexa und Fritzbox zusammenbringt, hat Raphael Pala entwickelt. Für die Sprachsteuerung muss die Fritzbox von außen für Alexa erreichbar sein, da sich diese aus der Cloud heraus meldet und nicht aus dem lokalen Netz. Dafür legt man in der Fritzbox einen separaten Benutzer an und beschränkt dessen Zugriffsrechte auf den Smart-Home-Teil des Routers. Zusätzlich muss dieser über den Myfritz-Dienst für den externen Zugriff vorbereitet sein.

Die Konfiguration erledigt man auf Palas Website. Nach Installation des Skills "FB Smart Home" und einer Suche nach Smart-Home-Geräten in der Alexa-App tauchen die Fritz-Aktoren in der Geräteliste auf und hören aufs Wort.

Was die Fritzbox-Integration von Smart-Home-Produkten fremder Hersteller angeht ist noch Luft nach oben, nicht nur im Bezug auf Updates. Es mangelt an der Umsetzung gemeinsamer Standards, damit ULE wirklich universell wird. Wie komfortabel es gehen kann, führt AVM bei den eigenen Komponenten vor. Richtig viel Auswahl an Sensoren und Schaltern hat man zwar noch nicht. Aber für Installationen im Heimbereich eignet sich die Fritzbox als Basis auch jetzt schon gut. (dz)

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