Frühlingserwachen

Amiga-Produktion vor dem Neustart

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Nach langer Katharsis fand der Commodore-Niedergang ein Ende. Die Escom AG erwarb alle Rechte der Commodore-Gruppe auf einer Auktion in New York und will neben Amigas auch anderes mehr bauen.

Ein halbes Dutzend Firmen war zwar interessiert, doch außer den Heppenheimern und der texanischen Dell hatte kein Interessent die erforderliche Sicherheit von einer Million US-Dollar hinterlegt. Dells Gebot von 15 Millionen Dollar wurde abgelehnt, da es nicht, wie gefordert, ohne Vorbedingungen abgegeben wurde.

Den Zuschlag erhielt für 10 Millionen Dollar die Escom AG, die die Commodore-Produktlinien weiterzuführen plant und durch die Übernahme "der Schlüsseltechnologie" zum führenden Anbieter "von Multimedia-Technologie für den privaten Endverbraucher" zu werden hofft. Die Transaktion, so der Käufer, umfaßt alle Rechte am geistigen Eigentum, der Technologie, den Warenzeichen und den Patenten von Commodore und Amiga. Escom will Commodore-PCs vertreiben und den C64 für die Märkte in Osteuropa herstellen. Auch will man wieder Amigas produzieren (4000, 1200 und 600). Parallel dazu arbeitet Escom an PC-Karten, die Amigas multimediale Funktionen auf herkömmlichen PCs abbilden. Mit Amiga-basierenden Settop-Boxen will das Unternehmen auch beim interaktiven Fernsehen mitmischen.

Escom-Präsident Manfred Schmitt soll auch über Apple-kompatible Rechner unter dem Commodore-Namen nachdenken. Demnach könne er sich einen Commodore PowerPC vorstellen, der in Europa gebaut würde.

Von der Vertriebsstruktur her scheint Escom gegenüber dem geschlagenen Mitbewerb – unter anderem die letztlich kneifenden Manager der britischen Commodore-Niederlassung – die bessere Wahl zu sein. Neben der Siemens Nixdorf AG, die zehn Prozent an Escom hält, steht die Quelle AG im Hintergrund, die mit 25 Prozent an Escom beteiligt ist. Escom hält wiederum 10 Prozent an IPC Peripherals – eine Tochtergesellschaft der IPC Ltd. aus Singapur. Ferner sollen zu den Dutzenden britischen Escom-Läden weitere 231 durch den Kauf von Thorn EMI hinzukommen.

Mit der chinesischen Firma Tianjin Family-Used Multimedia hat Escom ein Lizenzabkommen zur Vermarktung und Produktion von Amiga-basierenden Computern geschlossen. Tianjin stieg mit einer Million verkauften Geräten 1994 zum führenden Hersteller von 16-Bit-Spielekonsolen auf – der Marktanteil beläuft sich in China angeblich auf 80 Prozent. Damit nicht genug: Escom verhandelt mit weiteren Distributoren in Fernost und den USA über zusätzliche Lizenzvereinbarungen.

Auf der diesjährigen Broadcast-Messe "NAB", Las Vegas, präsentierte die Wittener Firma MacroSystem ihren ‘Amiga’-Seitensproß Draco erstmals der Öffentlichkeit. Draco ist laut Hersteller kompatibel zum AmigaOS, kommt jedoch ohne Commodore-Bauteile aus und basiert auf dem 68060 – dem schnellsten Motorola-Prozessor der 680x0-Reihe. Trotz noch fehlender Optimierung, dem Vernehmen nach lief eine Reihe Amiga-Anwendungen schon problemlos. Darunter die Amiga-Workbench, Art Department Professional, PageStream und diverse Utilities (z. B. SnoopDOS und Diskperf).

Hierzulande will MacroSystem den Draco Ende Mai vorstellen, ein Treffen mit Escom sei bereits verabredet.

(dz)