Für die Familie

Der Windows Home Server im Vergleich mit einem NAS

Test & Kaufberatung | Test

Was der Windows Home Server kann, das können Network Attached Storage (NAS) oder Linux auch -- doch sind diese nicht so pflegeleicht. Fehlt noch der passende Server, der sich bei sorgfältiger Auswahl der Komponenten leicht selbst zusammenbauen lässt.

Der Windows Home Server ist Microsofts neues Serverbetriebssystem für den privaten Haushalt. Dort soll er zentraler Speicherort für Dateien aller Art sein sowie beim Backup (und der Wiederherstellung) kompletter PCs und einzelner Dateien helfen. Sein Speicherplatz lässt sich auf Mausklick erweitern, ohne Gefummel mit Laufwerksbuchstaben oder Diskmanager. Obendrein kann man damit Dateien ähnlich wie bei der Plattenspiegelung per RAID doppelt speichern und gewinnt dadurch zusätzliche Datensicherheit.

Nach der Beta-Phase [1] liegt die Software nun in den Regalen, ist einzeln für rund 100 Euro zu haben oder als 120 Tage lauffähige Testversion bestellbar (siehe Soft-Link). Einzig die lange angekündigten vorkonfigurierten Hardwarelösungen fehlen noch, weshalb wir zum Testen selbst einen Musterserver zusammengebaut haben (siehe S. 100 in c't 24/07).

Mit dem Windows Home Server treten leider auch die ewigen Beckmesser auf die Bühne, die aus Prinzip kein gutes Haar an Microsoft-Produkten lassen: Mit Linux gingen zentrales Speichern, Datensicherheit und Backup doch auch und kompakte, stromsparende NAS-Geräte könnten es mit dem Windows Home Server aufnehmen.

Zur Prüfung dieser Behauptung haben wir das aktuell funktionsreichste NAS herangezogen, das „DataTank Gateway WLAN“ von Freecom, das laut Hersteller nicht nur auf die Speicherung großer Datenmengen ausgelegt ist, sondern zusätzlich als Router zwischen WLAN, LAN und Internet vermittelt, E-Mails von verschiedenen Servern einsammelt und dessen eingebauter Webserver inklusive PHP und Datenbank sogar dynamische Webseiten ins Internet sendet. Eine Backup-Software soll auch gleich dabei sein. Das Gerät wirkt aus der Ferne wie ein Kinderschuhkarton. Sein Metallgehäuse fasst in der kleinen Ausführung nicht nur die zwei Festplatten (2 x 500 MByte), sondern auch einen 4-Port-Switch, eine WLAN-Basisstation und ein WAN-Interface. Die große Ausführung ist mit zwei 1-TByte-Platten ausgestattet.

Der Vergleich des Windows Home Server mit Linux hinkt indes so stark, dass wir ihn auf einer eher abstrakten Ebene geführt haben (siehe Kasten auf Seite 97 in c't 24/07), denn mit Linux ist theoretisch alles möglich - irgendwie, alles eine Frage des Aufwands.

Minimalen Aufwand zieht die Entscheidung für den Windows Home Server nach sich. Er richtet sich an Familien mit mehreren PCs, wo besonders leichte Bedienbarkeit die höchste Priorität genießt und Konfiguration nur ein einziges Mal eine Rolle spielt: bei der Installation. Und selbst dort beschränkt sie sich auf ein Minimum [1].

Die Installation des Windows Home Server läuft vollkommen automatisch ab. Einzig ein Passwort für den Administrator muss man eintippen sowie Nutzer anlegen, idealerweise mit denselben Zugangsdaten wie auf dem PC, mit dem sie gewöhnlich arbeiten.

Die Simplizität setzt sich in der übersichtlichen grafischen Administrationsoberfläche namens Windows Home Server Console (kurz: WHS-Konsole) fort. Auf dem Server ist sie schon vorinstalliert, den Weg auf die Familien-PCs findet sie durch die obligatorische Installation des Windows Home Server Connector, der Client und Server einander bekannt macht. Ein neues Icon im System-Tray informiert über den Zustand des Netzwerks. So hat man beispielsweise jederzeit im Blick, ob in der Nacht alle Backups korrekt gelaufen sind oder die im Server eingebauten Festplatten fehlerfrei funktionieren.

Um den Internet-Zugang und die IP-Adressenvergabe kümmert sich der Windows Home Server bewusst nicht: Microsoft argumentiert, dass in Privathaushalten ohnehin ein DSL-Router mit integriertem DHCP-Server vorhanden ist.

Anders das Freecom-NAS: Dessen webbasierte Oberfläche besitzt einen Einrichtungsassistenten, das Zeit und Datum sowie die DSL-Zugangsdaten abfragt. Die Betriebsart (PPPoE oder PPTP) muss man allerdings später im Menü nachtragen. Außerdem kann man hier Dienste wie FTP, HTTP oder SMB für den Zugang aus dem Internet öffnen und Benutzer sowie Ordner auf den Laufwerken anlegen. Im Assistenten fehlt die Einrichtung des Funknetzes, das per Vorgabe abgeschaltet ist.

Die eingebaute Firewall kann man wenig verändern, allein Port-Weiterleitungen ins lokale Netz sind machbar. Außer für die Freecom-spezifischen Funktionen bringt das Gerät die PhpMyAdmin-Bedienoberfläche für den Datenbankserver MySQL mit, der wiederum eine separate Benutzer- und Rechteverwaltung erfordert. Eine Kennung und ein Passwort für alle Dienste: Fehlanzeige. Wie beim WHS sollten die Zugangsdaten für die Freigaben dieselben sein wie auf den Client-PCs.

Bei der Konfiguration überprüft das NAS-Gerät die eingegebenen Parameter bedauerlicherweise nur selten auf Plausibilität. Kollidiert beispielsweise der Netzwerk-Port des eingebauten Proxy mit einer der HTTP-Freigaben, kommt der Router durcheinander.

Der Windows Home Server hat im Auslieferungszustand Freigaben für Videos, Musik, Fotos, Software und andere Dateien. Der darüber zur Verfügung stehende Speicherplatz lässt sich dank der Drive-Extender-Technik so leicht erweitern, dass es einfacher kaum denkbar ist [2]. Man fügt eine neue Festplatte hinzu und fertig. Das funktioniert nicht nur mit fest eingebauten Platten, sondern auch mit extern via USB oder FireWire angebundenen. Für jede Freigabe kann man einstellen, ob der Server die darin abgelegten Dateien zwecks Datensicherheit (Redundanz) auf zwei unterschiedliche Platten speichern soll. Fällt eine Platte aus, sind derart duplizierte Dateien nicht verloren.

Der Austausch einer Platte etwa gegen eine mit mehr Speicherplatz ist kaum schwieriger als das Hinzufügen einer zusätzlichen: Platte per Mausklick abmelden, warten, bis das Betriebssystem darauf gespeicherte Daten auf andere Platten umgeschichtet hat, physisch austauschen, neue Platte per Mausklick anmelden, fertig. Die Anzahl der gleichzeitig verwendbaren Platten ist theoretisch unbegrenzt. Anders als bei einem waschechten RAID bleibt keine Kapazität ungenutzt, wenn die verwendeten Platten unterschiedlich groß sind. Die selektive Redundanz schont die Ressource Plattenplatz, weil im Unterschied zu RAID nicht sämtliche Dateien gespiegelt werden, sondern nur die, für die Redundanz wünschenswert erscheint, etwa Kaufmusik, Fotos oder wichtige Dokumente, aber nicht ebenso flüchtige wie elefantöse TV-Aufzeichnungen.

Außer mit Speicherplatz kann man den Server mit Add-ins auch um neue Funktionen erweitern (siehe S. 104 in c't 24/07).

Das Freecom-NAS betreibt seine beiden Festplatten wahlweise als RAID-0- oder RAID-1-Verbund. Zur Erweiterung der Speicherkapazität kann man externe USB-Platten anschließen, aber diese können nicht dem aus Gründen der Datensicherheit wünschenswerten RAID-1-Verbund beitreten. RAID 1 bedeutet Spiegelung aller Dateien auf die zweite Platte, womit sich im Unterschied zum Drive Extender von Microsoft von dem einen Terabyte Gesamtkapazität nur die Hälfte effektiv nutzen lässt. Die internen Platten sind nicht austauschbar, weil das heißverklebte, schraubenlose Gehäuse jeden Zugriff auf die Innereien vereitelt. (ola)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 24/2007.

Soft-Link

[1] Oliver Lau, Familiär, Erste Erfahrungen mit dem Windows Home Server, c't 17/07, S. 168

[2] Microsoft, Technical Brief for Windows Home Server Drive Extender, Version 1.0, Oktober 2007

"Windows Home Server"
Artikel zum Thema "Windows Home Server" finden Sie in der c't 24/2007:
Windows Home Server versus NAS S. 94
Heimserver im Selbstbau S. 100
Windows Home Server mit Add-ins erweitern S. 106

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