Für eine schnellere Welt

Neue Technologien beschleunigen das Internet

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Der Ruf des Internet ist ruiniert: Überall wird vom Stau auf der Datenautobahn berichtet und über das World Wide Wait gewitzelt - zu unrecht eigentlich, wie unsere Tests belegen. Doch es ist ein Gesetz der EDV, daß die Geschwindigkeit bei einer Datenübertragung nie hoch genug sein kann. Neue Techniken - drahtlos oder mit Kabel - sollen dem Internet daher auf die Sprünge helfen.

In der vergangenen Ausgabe haben wir über die Leistung der Online-Dienste berichtet, zu deren Hauptgeschäft der Übergang ins Internet zählt. Nunmehr ist es logisch, daß wir uns auch die `echten´ Internet-Provider vorknöpfen. Neben Preis und Service steht dabei natürlich die Geschwindigkeit der Zugänge im Vordergrund. Wir haben, ähnlich wie in [1], über Wochen hinweg die Transferraten zu bestimmten Servern im Internet gemessen. Die große Datenbasis erlaubt eine zuverlässige Beurteilung der aktuell gebotenen Leistung. Ab Seite 128 können Sie lesen, was sich seit unseren Messungen im vergangenen Herbst in der deutschen Internet-Landschaft getan hat und was man von den Providern erwarten darf.

Doch was ist zu tun, wenn die Geschwindigkeit - egal, ob niedrig oder hoch - nicht reicht? Ein naheliegender Ausweg ist das Datenhamstern gemäß dem Prinzip `Eichhörnchen´. Mit der entsprechenden Software läßt sich das automatisieren: Clevere Browser-Zusätze folgen bereits während des Lesens der Eröffnungsseite eines Web-Servers den enthaltenen Links und laden die Folgeseiten auf Verdacht. Klickt der Anwender auf einen Link, erscheint die neue Seite fast augenblicklich - sie wird aus dem lokalen Cache geladen. Andere Programme saugen im Hintergrund ganze Web-Sites übers Netz - samt Grafik, Sounds und anderen Daten. Der Anwender kann derweil etwas anderes tun, um später dann ohne lästige Wartepausen auf der lokalen Platte zu surfen. Solche Web-Beschleuniger, die ab Seite 248 besprochen werden, haben aber auch eine Schattenseite: Auf Verdacht übertragene Daten zehren die teuren Bandbreiten auf, und man löscht sie anschließend großteils ungelesen.

Hier liegt auch der Knackpunkt: Nicht der Geiz der Provider und auch nicht die schnell wachsenden Teilnehmerzahlen bremsen das Internet aus, sondern das teilweise rücksichtslose Verhalten der Teilnehmer, das durch pauschal bezahlte Zugänge noch geschührt wird. Ein Großteil der Provider investiert fleißig in die Infrastruktur, das belegt unser Test. Doch immer neue Internet-Dienste überschwemmen das Netz mit einer rasant wachsenden Multimedia-Datenflut.

Nur die Veteranen erinnern sich an die vor einigen Jahren aufgestellte Regel, wie viele Zeilen die Signatur einer EMail umfassen darf, um nicht als unnötiger Datenmüll den Unmut der Netzgemeinde herauszufordern. Heute reisen ungepackte Word-Dokumente munter als Attachments durchs Netz, ohne daß sich jemand daran stört. Online-Diskussionen per Tastatur (Internet Relay Chat, IRC) gelten schon fast als out, heute spricht man per Soundkarte mit Avataren in 3D-Welten (OnLive Traveller) oder peppt die Unterhaltung zumindest als Comic auf (MSN). Telefonieren über das Internet schont das Gebührenkonto, wird aber erst als Video-Konferenz so richtig aufregend.

Die Vernetzung per Kabelmodem und TV-Kabel ist noch wenig verbreitet. Im Unterschied zum klassischen Modem weisen Kabelmodems auf der einen Seite einen Koax-Anschluß für das TV-Kabelnetz auf und auf der anderen eine Ethernet-Buchse zur Verbindung mit dem Computer. Ihrer Verbreitung stehen in Deutschland zwei Probleme entgegen. Einerseits sind die hierzulande verlegten Kabelnetze oft nur als Verteilnetze konzipiert worden - man kann mit Kabelmodems wunderbar Daten downloaden, aber in Gegenrichtung geht meist gar nichts, so daß man für den Rückkanal vom Nutzer zum Internet-Provider doch noch ein klassisches Modem oder einen ISDN-Anschluß verwendet.

Eine große Hürde stellt auch der Widerwillen der Telekom dar, dieses Medium für Datendienste zu nutzen. Der Bonner Monopolist sieht es lieber, wenn das Telefonnetz für solche Zwecke genutzt wird, statt sich hauseigene Konkurrenz heranzuziehen. Glücklicherweise gibt es private Kabelnetzbetreiber, die mit interaktiven Diensten die Attraktivität ihres Angebots steigern wollen. Aber auch seitens der Medienpolitik gibt es Unterstützung für Datendienste im Koax-Kabelnetz. Brüsseler EU-Strategen sähen es gern, wenn die Telekom ihr Kabelnetz für neue Anwendungen öffnen würde. Der rosa Riese streubt sich aber noch.

Dabei bieten Kabelmodems dem Anwender zwei große Vorteile. Sie werden nicht an einem Wählnetz angeschlossen, man zahlt also keine Verbindungsgebühren, und sie sind raketenschnell. Sie erreichen in Download-Richtung Geschwindigkeiten bis zu 36 MBit pro Sekunde. Nur wenige Computer können da heute mithalten. Daher findet man in der Praxis eher Geschwindigkeiten von 200 kBit/s bis 4 MBit/s vor. Obwohl aber schon seit mehreren Jahren in Entwicklung, gibt es immer noch keinen Standard für Kabelmodems. Dennoch sind in Deutschland schon jetzt mehrere Kabelinseln an das Internet angeschlossen.

Erste Keimzellen waren Studentenwohnheime, die das bereits verlegte Koax-Kabel für die Vernetzung einzelner Zimmer und Etagen verwendet haben, zum Beispiel in Mannheim und Stuttgart. Die Stuttgarter Wohnheime arbeiten bei der Internet-Ankopplung mit der Münchener Firma Pentakom zusammen. Zum Monatspreis von 28 Mark bekommt man ein Zenith-Kabelmodem und hat dafür rund um die Uhr einen Internet-Zugang - ohne Volumenbegrenzung, ohne Zeitbegrenzung.

Eckmann Transnet IS Internet Services

Die KMS verknüpfte die bestehende Infrastruktur des Breitbandkabels über eine von IBM entwickelte Technologie. Derzeit könnte die KMS in München rund 390 000 Haushalte mit ihrem bis zu 550 kBit/s schnellen Netz versorgen. Der einmalige Anschlußpreis liegt bei 400 Mark, daneben sind monatlich 85 Mark zu zahlen. Der Kunde erhält im Gegenzug Kabelmodem, Anschlußkabel, Zugangssoftware und unbeschränkten Zugang zum Internet sowie zum Stadtinformationsdienst CyberCity. CyberCity wird auf einem 7-MHz-Kanal als ständig zirkulierender Datenstrom mit einer Geschwindigkeit von 5,5 MBit/s übertragen. Dafür war die Sendegenehmigung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und die Freigabe eines Kanals durch die Telekom nötig - es geht also doch.

Aber auch o.tel.o, die Düsseldorfer Telefongesellschaft, hat in diesem Bereich Aktien (www.o-tel-o.de). Mit dem Tochterunternehmen Tele Columbus versorgt die Firma rund 1,6 Millionen Kabelkunden, denen sie die bestehenden Breitbandnetze für zusätzliche Dienste schmackhaft machen will.

An den Start geht das Projekt in diesem Jahr. Dann sollen Pilotanschlüsse in Köln und Düsseldorf freigeschaltet werden, später folgen weitere Städte im Rhein-Ruhr-Gebiet. Mit den dabei gewonnenen Erfahrungen plant o.tel.o, ihre Multimedia-Angebote bundesweit auszudehnen.

Daneben unterhält auch die Telekom Pilotprojekte für schnellen, drahtgebundenen Internet-Zugang. Dabei wird aber natürlich die Tauglichkeit des herkömmlichen Telefonnetzes geprüft. Neuartige, sogenannte DSL-Modems können auf kurzen Strecken ebenfalls hohe Geschwindigkeiten im Megabit-Bereich entfalten (Digital Subscriber Line). Voraussetzung ist aber, daß auf der Gegenseite - also in der Telekom-Vermittlung - ein ebensolcher Datenjet vorhanden ist, was hohe Investitionen in DSL-Modemschränke erfordert. Näheres zur Kabelmodem- und zur DSL-Technik wird in einer der nächsten Ausgaben vorgestellt.

Man unterscheidet zwei Satellitenkonzepte, von denen das erste bereits mehrmals realisiert worden ist. Dabei erfolgt die Internet-Anmeldung und die Datenanforderung klassisch per Draht (Modem oder ISDN). Aber man bekommt die HTML-Seiten oder Dateien, die man angefordert hat, per Satellit ins Haus geliefert.

Der Nachteil: Man muß neben den Volumengebühren für den Download auch die Kosten für den Anschluß beim Provider tragen. Doch wo die Geschwindigkeit das wichtigere Kriterium ist, rentiert sich die Technik. Je nach Geschwindigkeit des sendenden Systems - und das kann, wie man weiß, auch sehr langsam sein - läßt sich der Inhalt einer kompletten CD derzeit in elf Minuten per Satellit empfangen. Per ISDN dauert das 23 Stunden.

Die erste Variante des satellitengestützten Internet wurde bereits zur CeBIT 1996 von Hughes Olivetti Telecom unter dem Namen DirecPC vorgestellt. Danach kündigte PanAmSat mit Spotbytes einen ähnlichen Dienst für Nordamerika an, beschränkte sich jedoch auf ein Angebot für internationale Internet-Provider. Besonders verlockend: Spotbytes bietet einen direkten Anschluß an einen amerikanischen Backbone-Provider. Somit könnte die Bandbreitenzunahme auf Seiten der Provider zumindest theoretisch mit der steigenden Download-Geschwindigkeit auf Seiten des Internet-Surfers mithalten.

Jüngst betrat Astra-Net die europäische Bühne. An diesem Dienst ist die Telekom beteiligt, aber auch an Eutelsat, der von Hughes Olivetti Telecom betrieben wird. Mittlerweile kann man solche Dienste nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und England nutzen (Com.Net in Zusammenarbeit mit Telecom Italia, bzw. Satellite Digital Systems, High Wycombe).

Es gibt auch Verfahren, die heute schon beide Wege drahtlos realisieren, doch die Preise für solche Sendeanlagen liegen noch über 20 000 Mark. Größere Firmen, die zum Beispiel zahlreiche über einen Kontinent verstreute Fillialen unterhalten, profitieren davon. Sie können mittels dieser teuren Technik ihre Liegenschaften per Satellit vernetzen und dabei besondere Bedürfnisse wie etwa schnellen Datenabgleich berücksichtigen (Punkt-zu-Multipunkt-Übertragung: Derselbe Datenbestand wird von einer zentralen Stelle ins Orbit gefunkt und von dort aus an alle Fillialen verteilt).

DirecPC wird für Zentraleuropa über Eutelsat-II-F3 ausgestrahlt (Position 16 Grad Ost, Transponder 34a). Der Satellit wird von einem Hub in der Nähe von Darmstadt gefüttert. Darüber hinaus gibt es DirecPC auf anderen Eutelsat-Satelliten auch in Osteuropa, im nahen Osten, in Nordafrika sowie in den USA.

Man kann diesen Service mit jedem Provider nutzen (vorausgesetzt er verwendet keinen Firewall). Dies ist möglich, weil der lokale Rechner mit jeder Datenanforderung die DirecPC-IP-Adresse der Basisstation in Darmstadt als Empfänger angibt. Diverse zusätzliche Mechanismen sorgen schließlich dafür, daß nur der richtige Surfer die Daten zu lesen kriegt.

DirecPC-Tarife

Tarif Volumengrenze Preis Preis je weiteres
MByte
Basic 30 30 MByte 46 1,52
Surfer 125 125 MByte 170 1,37
Professional 300 300 MByte 393 1,31
Professional 1G 1 GByte 1220 1,22
Professional 5G 5 GByte 5330 1,06

Anfangs wurde das System lediglich für Internet-Provider geboten. Diese setzten die empfangenen Daten auf Draht um und verteilten sie so an ihre Kunden. Mittlerweile können ihn auch Endkunden nutzen. Der Carrier arbeitet jetzt mit 8 MBit/s bis 40 MBit/s und liefert beim Internet-Download jedem Endanwender bis zu 400 KBit/s. Damit ist DirecPC mehr als sechsmal so schnell wie eine ISDN-Leitung (64 kBit/s). Aber wie manche aus leidvoller Erfahrung wissen, auch ISDN kann für Internet zu schnell sein. Wenn die angeforderten Daten von einem überlasteten Server oder über viel genutzte Strecken geliefert werden, kann man die Möglichkeiten des schnellen Mediums nicht ausschöpfen.

DirecPC kann man auch für Arbeitsgruppen einrichten, denn es gibt spezifische Treiber für Netware und Windows NT (4.0 sowie 3.51). Eine Lizenz für zehn Anwender kostet für Novell Netware 3100 Mark. In Deutschland wird der Dienst zum Beispiel über Softline, Oberkirch, an die Kunden gebracht. Pikanterweise wurde aus der im Oktober letzten Jahres angepeilten Vertriebspartnerschaft mit der Telekom nichts. Statt Distributor des DirecPC-Systems zu werden, geht die Telekom seit der CeBIT dieses Jahres mit Astra-Net stillschweigend einen anderen Weg.

Das DirecPC-System besteht aus einer Satellitenschüssel mit mindestens 60 cm Durchmesser, einer 16bittigen DVB-konformen ISA-Steckkarte für den PC sowie Software für Windows 95 und kostet inklusive Registrierung und einer IP-Adresse rund 2500 Mark. Ohne VSAT-Schüssel kostet das System 2190 Mark. DVB, Digital Video Broadcasting, ist der europäische Standard für Daten-, Video- und Audioübertragung via Satellit, Kabel oder terrestrische Medien.

Apropos DVB-Karte: Derzeit ist uns nur die Lösung von DirecPC bekannt, aber Gerüchten zufolge soll Hitachi an einer DVB-Karte arbeiten, und auch für Astra-Net wird wohl `irgendwer´ eine bauen. Ob sich Nokias neuer DVB-Receiver - das Home Browser Multimedia Terminal - auch für Datendienste eignet, ist nicht bekannt.

Andere Firmen haben den Trend ebenfalls erkannt und wollen bald mit ähnlichen Diensten auf den Markt gehen. Astra-Net - wie DirecPC ein DVB-kompatibler Dienst - soll nach aktuellem Stand Ende des Jahres in Betrieb gehen und für geschäftliche Anwendungen mit Point-to-Multipoint Verteilung konzipiert werden.

Ob DirecPC, Astra-Net oder Discos Netsat, bislang sind nur Einweg-Satelliten-Systeme halbwegs erschwinglich. Eingaben des Anwenders müssen derzeit über die Telefonleitung zu einem klassischen Internet-Provider gesendet werden. Die Zwei-Wege-Technik gibt es zwar schon - man kann einen kleinen Transmitter neben die Schüssel stellen, wie es zum Beispiel mit der VSAT-Technologie bereits möglich ist -, aber wie schon gesagt, ist eine solche Sendeanlage noch zu kostspielig.

Sogenannte VSAT-Netzwerke sind wegen ihrer Fähigkeit, Daten, Sprache und Video in beliebiger Kombination transportieren zu können, bei vielen großen und kleinen Firmen beliebt. Von Astra-Net heißt es, daß man diese Technologie demnächst anbieten wolle. Die dafür nötige Infrastruktur soll jedoch `nicht vor Ende dieses Jahres´ fertig werden.

Doch ob DirecPC, Astra-Net oder VSAT-basierte `Satelliten´-Netzwerke, sie sind alle nur Vorboten der echten Zwei-Wege-Satelliten-Kommunikation. Praktisch zusammen mit dem vor wenigen Jahren eingesetzten Boom der Telekommunikation kamen etliche Firmen nacheinander auf die gleiche Idee. Sie wollen mit Satelliten-Scharen die Erdoberfläche mit Datendiensten eindecken.

Die verschiedenen Systeme kann man je nach Anwendung in zwei Gruppen unterteilen. Zur ersten Gruppe gehören die Internet- oder Datendienstsysteme. Das amerikanische Unternehmen Hughes hat das geostationäre interaktive Satellitensystem Spaceway angekündigt. Wenn in Betrieb, soll Spaceway eines Tages `Bandwidth on Demand´ für gängige Dienste `zu geringen Kosten´ bieten, angefangen bei Sprache bis hin zu Videoübertragung. Für die Spaceway-Kommunikation sollen kleine Schüsseln mit 66 cm Durchmesser und 0,5 Watt Sendeleistung ausreichen.

Am zweiten System sind zwei Schwerreiche beteiligt - Craig McCaw und Bill Gates. Deren Vision vom Internet im Orbit soll auf den Namen Teledisc hören und aus sage und schreibe 288 Satelliten bestehen. Selbst diese Zahl ist aber noch niedrig, verglichen mit den ursprünglich geplanten 800 Teledisc-Satelliten. Über die gebotene Bandbreite herrscht im übrigen wie auch bei Spaceway noch Unklarheit, ganz zu schweigen von Verbindungskosten und Gerätepreisen. Es ist ja noch nicht einmal ein Satellit fertiggebaut, geschweige denn in die Umlaufbahn geschossen worden.

Die Hersteller des dritten Systems haben bis auf die Meldung `ich auch!´ kaum Details zu vermelden: Motorola wird zusammen mit AT&T sowie Lockheed Martin (einem Satellitenbauer) das System Cellestri installieren, das Gerüchten zufolge Spaceway ähneln soll. Es wird ebenfalls für die `Highspeed-Übertragung von Daten und Bewegtbildern´ konzipiert. Mit einem geschätzten Preis von 13 Milliarden Dollar wird es Teledisc um 50 Prozent übertreffen (`nur´ 9 Milliarden Dollar). Pikanterie am Rande: Motorola entschloß sich zu diesem Schritt kaum zwei Wochen, nachdem die Firma den Auftrag, die 288-Teledisc-Satelliten zu fertigen, an den Flugzeughersteller Boing verlor.

Ein weit vorangeschrittenes Projekt ist Iridium. Das von Motorola ins Leben gerufene und von weltweit mehr als einem Dutzend Firmen mitgetragene System, soll ab Anfang 1998 mit 66 erdnahen Satelliten operieren (Leo, Low Earth Orbit). Unter anderem ist auch die Düsseldorfer o.tel.o beteiligt - übrigens über die Tochtergesellschaft Vebacom Anteilseigner am Mobilfunknetz E-Plus. Seit Juni befinden sich bereits zwölf Iridium-Satelliten in der Umlaufbahn.

Die Iridium-Handies werden das L-band nutzen (1616 bis 1626,5 MHz) und neben Sprache auch Daten und Faxe mit maximal 2400 Bit/s übertragen können. Darüber hinaus sollen es Dual-Mode Handys sein und auch terrestrische drahtlose Netze nutzen können. Ob dabei auch GSM-Netze wie D1, D2 und E-Plus unterstützt werden, ist noch nicht bekannt.

Von Loral/Qualcomm stammt das auf 48 Satelliten basierende Globalstar. An diesem Konsortium ist unter anderem auch die Daimler Benz Aerospace beteiligt.

Diese in mittlerer Entfernung zur Erde kreisenden Systeme haben zwar den Nachteil des längeren Signalweges, aber sie brauchen zur Flächendeckung weniger Einheiten. Die Satelliten der Leo-Systeme sollen dagegen kürzere Lebensdauer haben - Reibungsverluste wegen des doch nicht ganz luftleeren Raums in erdnahen Umlaufbahnen. Beispielsweise sind die 780 Kilometer entfernt operierenden Iridium-Kreisel für fünf bis acht Jahre konzipiert.

Daneben entwickeln diverse Firmen etliche weitere, kontinental beschränkte Systeme, die wohl alle geo-stationär positioniert sein werden. Da sie nur den ostasiatischen und afrikanischen Raum bedienen sollen, wird hier nicht weiter darauf eingegangen.

Einen völlig anderen, wenn auch gleichfalls drahtlosen Weg, beschreitet die amerikanische Firma Sky Station. Nach den recht weit gediehenen Plänen sollen die Internet-Versorgung 250 in 30 km Höhe schwebende, heliumgefüllte Plattformen bieten - ab dem Jahr 2000 [3].

Anwenderterminals sollen um die 100 Dollar kosten. Notebooks wird man mit speziellen PCMCIA-Karten für den Stratosphären-Empfang nachrüsten können. Die Verbindungen sollen beim 64-kBit-Dienst dem Vernehmen nach etwa 10 Cents je Minute kosten. Für die technische Entwicklung zeichnet die Firma ATTI verantwortlich (nicht zu verwechseln mit AT&T). Sie soll neben Spektrumplanung, Plattformdesign und -simulation auch Antriebsentwicklung, Design der drahtlosen Kommunikation und anderes mehr erledigen. Erst kürzlich hat die amerikanische Federal Communications Commis-sion (FCC) das für die Kommunikation angestrebte 47-GHz-Band für den Gebrauch freigegeben.

Besonders interessant wird die Kabellösung erst dann, wenn sich die privaten Kabelnetzbetreiber im Kielwasser der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes durchsetzen. Dort, wo schon verfügbar, sind Kabelmodems schon jetzt die günstigste Alternative, aber noch ist das Angebot zu weit über die Landkarte gesprenkelt.

Insofern haben Satellitendienste wie DirecPC klare Vorteile, trotz der höheren Kosten. Um so mehr darf man von den anderen, noch im Embryo-Stadium befindlichen Lösungen wie Cellestri oder SkyStation erwarten. (dz)

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Multycast wurde für geschlossene Benutzergruppen für Punkt-zu-Multipunkt-Anwendungen entwickelt. Das System zeichnet sich durch geringe Hardware- (unter 1000 Mark) und Übertragungskosten aus. Es bietet Fehlerkorrektur und die Möglichkeiten der Empfängergruppierung (Einzeladressierung der Empfangshardware). Die Daten liefert man zunächst an die luxemburgische Zentrale über klassische Medien (ISDN, Internet, SCPC Satellitenverbindung). Sie werden dann über das Multycast-Verfahren an eine beliebige Zahl von Empfängern verteilt.

Discos Netsat stellt dagegen einen speziellen Infodienst dar. Er bietet Inhalte aus Bereichen Nachrichten, Wetter, Reisen, Arbeitsmarkt, Sport, Bildung, Finanzen, Börse und anderes mehr. Ein Basisabonnement kostet monatlich 19,80 Mark. Der Nutzer kann dabei mittels der Software Skycom Viewer die für ihn interessanten Themenbereiche wählen. Das Programm beherrscht Volltextrecherche und erleichtert die Suche und Archivierung. Je nach Thema werden Updates zu unterschiedlichen Zyklen gesendet. Der Skycom Viewer verfügt auch über ein Newsletter, der Inhalte der Nachrichtenagentur ADN/DDP enthält. Kostenpflichtige Abonnements können vom Nutzer ausgewählt und über das Basisangebot hinaus bezogen werden.

Discos Netsat steht auch anderen Content Providern offen. Insbesondere Zeitungen und Zeitschriften eignen sich für diese Anwendung. Das System kann jeden der maximal fünf Millionen Nutzer einzeln adressieren und bis zu 20 000 Nutzergruppen verwalten. Für die Zustellung der Daten braucht das System keine kompletten Abonnentendaten, sondern lediglich Code-Ziffern.

Ebenfalls abseits der Internet-Trampelpfade hat die dänische Tenfore ihre Pfründe. Mittels der Tenfore Data-Broadcast-Plattform bietet man Highspeed-Übertragungen von Dateien und Datenbank-Updates via Satellit auf Windows-PCs. Die Plattform wird hauptsächlich für Finanztransaktionen oder Verbreitung von Preisinformationen europaweit von Banken genutzt. (dz)

[1] Peter Siering, Dirk Brenken, Zeit ist Geld, c't 11/96, S. 152
[2] Dusan Zivadinovic, Kabel-Web, c't 7/97, S. 23
[3] Dusan Zivadinovic, Internet aus der Luft, c't 1/97, S. 47
[4] Dusan Zivadinovic, Wegerechte, c't 10/96, S. 110

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