GEiZ online

@ctmagazin | Editorial

GEiZ online

Haben Sie schon mal auf www.GEZ.de gesurft? Ist 'ne ganz tolle Website. Zwei Klicks und nebenbei ein paar Zahlen eingegeben - schon sind Sie ordentlicher Rundfunkgebührenzahler mit automatischem Bankeinzug und allem Komfort. Toller Service. Noch einmal auf einen kaum zu verfehlenden Button und auch das alte Kassettenradio in der Schrebergartenlaube sowie die Wummeranlage im Golf II von Sohn Kevin sind angemeldet und werden ordentlich abkassiert.

Und als ich jetzt herausfand, dass unser nerviger Nachbar schwarzsieht, habe ich ihn einfach ohne viel Federlesen, klick, klick, selbst angemeldet. Das dumme Gesicht hätte ich gern gesehen, als dann die Rechnung von der GEZ kam. Die wird man ja so schnell nicht mehr los, wenn man da einmal, klick, klick, angemeldet ist - von wem auch immer. Die GEZ ist da sehr anhänglich.

Von wegen loswerden: Neulich rief mich Erwin an, mein Freund mit dem notorischen Sparzwang. Ihm war die Brille kaputtgegangen und nun würde er mindestens drei Tage die werbefreie (?) Wetterkarte nicht erkennen können. Ich konnte ihm den Blödsinn mit der Abmeldung bei der GEZ nicht ausreden, die Ersparnis für drei Tage beträgt immerhin 53 Cent. Also gab ich Erwin den Tipp mit der Website GEZ.de. Es müsste doch ebenso einfach sein wie das Anmelden. Klick, klick, dachte ich.

Gegen vier Uhr des nächsten Morgens weckte mich ein völlig entnervter Erwin am Telefon. Er habe nun die halbe Nacht auf diesen Seiten herumgeklickt und dabei so ganz nebenher sämtliche Gerätschaften seiner weitläufigen Verwandtschaft angemeldet, einschließlich Tante Gerdas Hörgerät, auf das gelegentlich Langwellensender einstreuen. Aber ein Online-Formular zum Abmelden habe er nicht gefunden. Lediglich ein PDF konnte er im hintersten Winkel der Website auftreiben. Das kann man sich ausdrucken und an die GEZ schicken. Da er, Erwin, aber weder Drucker noch Briefmarken habe, werde er jetzt, vier Uhr früh, zu mir kommen und das erledigen. Denn Gefahr war im Verzug: Die GEZ kassiert immer für den ganzen Monat, und es war just der 30.

Seit jenem verpfuschten Samstagmorgen wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine Online-Abmeldung bei GEZ.de. Aber meine dahin gerichteten Bitten wurden vom zuständigen Justiziar der Behörde bislang kühl abgewiesen. Hingegen geht die unbefugte Anmeldung des Nachbarn für die GEZ völlig in Ordnung. Damit hat die Behörde gar kein Problem. Aber eine schnelle und damit fristgerechte Abmeldung mit zwei Klicks ...

Die GEZ möchte es mit dem Service augenscheinlich nicht übertreiben - bedenkenswert, denn übertriebener Service kann ja leicht als Bevormundung missverstanden werden. So gestaltet die GEZ das Abmelderitual als kleine Herausforderung für den mündigen Bürger: Nachdem er mit etwas Mühe, klick, klick, die Anschrift auf GEZ.de gefunden hat, sendet er einen Brief per Schneckenpost als Einschreiben und mit Rückschein. Was ja auch den Vorzug hat, dass der Teil der Bevölkerung, der noch nicht online geht, nicht benachteiligt wird.

Tim Gerber

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