Galaxy Note Edge: Smartphone zeigt Kante

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Samsung ist dafür bekannt, auf dem Smartphone-Markt alles auszuprobieren, was die Technik hergibt. Das neueste Experiment heißt Galaxy Note Edge und hat ein gebogenes Display; seit kurzem ist das 800 Euro teure Highend-Smartphone in Phablet-Größe auch in Deutschland erhältlich, c't hat es im Labor getestet.

Im Prinzip ist das Galaxy Note Edge eine Abwandlung des Samsung-Phablets Note 4: Die Hardware ist fast identisch, mit Ausnahme des gewölbten Display-Rands. Er ist das Markenzeichen des Edge und biegt sich an der rechten Bildschirmseite auf einem 160 Pixel schmalen Streifen um 90 Grad zur Rückseite hin. Der gebogene Display-Teil ist zwar nahtlos mit dem Hauptbildschirm verbunden, funktioniert aber als eigenständiges Element: Samsung zeigt dort Schnellstartleisten, App-Bedienknöpfe, eingehende Nachrichten und allerlei Gimmicks – er ist also ein zusätzlicher Teil der Samsung-Oberfläche.

Standardmäßig ist auf dem Bildschirmrand eine schmalere Schmuckleiste ohne Funktion zu sehen, die man begrenzt anpassen kann. Wischt man von rechts nach links darüber, öffnet sich eine Leiste mit häufig benutzten Apps, die leicht in den vorderen Displayteil hineinragt und den Inhalt um einige Pixel überdeckt. Auf dem Android-Homescreen ist diese Schnellstartleiste jederzeit eingeblendet.

Erneutes Wischen blättert durch weitere Leisten, die Samsung Panele nennt: Derzeit stehen unter anderem welche für Sportnachrichten, Tweets, Tracking-Daten aus Samsung S Health und den Wetterbericht zur Verfügung. Aus dem Netz kann man weitere herunterladen, bisher ist aber wenig nützliches und originelles dabei.

Über die jederzeit erreichbare Leiste greift man schnell auf Zusatzfunktionen und Infos zu, für die man auf anderen Smartphones die App wechseln müsste – das ist praktisch. Allerdings empfanden wir es in einigen Apps als störend, dass die Leiste einen schmalen Teil des Bildschirminhalts und damit bisweilen auch Text oder Bedienelemente überdeckt. Und in seltenen Fällen fuhr die Leiste auch ungewollt aus.

Samsung Galaxy Note Edge (9 Bilder)

Samsung Galaxy Note Edge

Samsung Galaxy Note Edge: Riesiges Smartphone mit AMOLED-Display

Sowohl auf dem Startbildschirm als auch in den Apps fungiert der Streifen außerdem als Info-Zentrale. Das Edge blendet dort neue SMS, anstehende Termine, E-Mail-Betreffzeilen und andere eingehende Nachrichten als Laufschrift ein, sodass man zum Lesen nicht gleich die App wechseln muss. Anrufe kann man direkt dort annehmen, ohne dass die aktive App geschlossen wird. Nachts zeigt das Edge auf der Kante eine Uhr an: So hat man durch das gebogene Display die Zeit auch dann im Blick, wenn man im Bett liegend zum Nachttisch schaut. Dazu kommen nette Zusatzwerkzeuge wie ein Maßband und eine Stoppuhr.

Als Info-Zentrale und Schnellstartleiste konkurriert die Seitenleiste allerdings mit der Benachrichtigungsleiste von Android am oberen Bildschirmrand; einiges doppelt sich und wir empfanden die sonst schon unübersichtliche Samsung-Oberfläche durch die zahlreichen Icons, News und Infos an zwei unterschiedlichen Stellen bisweilen unnötig überladen. Auch sonst harmoniert Samsungs Sonderlösung nicht immer mit Android: Im Querformat ist die Benachrichtigungsleiste unerreichbar, weil sie hinter dem Edge-Streifen liegt.

Entwickler können Apps für das Edge optimieren, sodass beispielsweise Bedienelemente in die Leiste ausgelagert werden. Das klappt bisher fast ausschließlich in den vorinstallierten Samsung-Apps: Im Video-Player beispielsweise liegen dort Play und Pause, damit ein Film im 16:9-Format auch bei eingeblendeten Buttons in voller Größe laufen kann. Das Auslagern der Bedienelemente kann aber auch nachteilig sein: Üblicherweise sind in Samsungs Foto-App alle Buttons gut erreichbar an linkem und rechtem Displayrand platziert -- beim Edge sind sie am oberen Rand eher unpraktisch.

Ganz klar: Der gebogene Rand und der nahtlose Übergang zum Front-Display ist ein echter Hingucker -- ein gelungenes Design. Auch lässt sich das riesengroße Telefon etwas besser als das Note 4 umgreifen, weil der rechte Rahmen zur Seite hin dünner wird. Es gibt aber auch Nachteile in puncto Handlichkeit: So musste der An-/Ausschalter auf den oberen Rahmenteil weichen, wo er für das riesige Phablet ungünstig liegt. Aufgrund des riesigen Displays und der damit einhergehenden Gehäusegröße gehört das Edge in jedem Fall zu den unhandlicheren Geräten, die schon nicht mehr in jede Hosentasche passen.

Klasse Display: Das AMOLED-Panel löst hoch auf und zeigt kräftige Farben.

Dank des in einem Slot versteckten Stifts taugt das Edge auch als Schreib- und Zeichenblock. Die Eingabe ist präzise genug, um auch längere Notizen zu verfassen; dafür reicht die brauchbare Notizen-App S Note von Samsung aus, der Stift ist aber auch mit Apps wie Evernote, Papyrus oder SketchBook kompatibel. Über die treffsichere Handschrifterkennung kann man sogar Suchbegriffe in den Browser eintippen oder Formulare ausfüllen.

Wie beim Note 4 zeigt das hochauflösende AMOLED-Panel kräftige Farben und einen schönen Kontrast, und es ist so scharf, dass man keine Pixelstufen mehr erkennt. Im Vergleich ist es aber ziemlich dunkel (maximal 295 cd/m²) – was einem dank des hohen Kontrasts in Räumen aber selten auffällt; nur bei Sonnenlicht erkennt man kaum noch etwas. Der automatische Helligkeitssensor blieb bei unserem Testgerät auch dann aktiv, wenn wir ihn eigentlich deaktiviert hatten. Durch die Biegung des Displays verfärben sich weißen Flächen am rechten Rand minimal, was aber die wenigsten stören dürfte.

Technisch ist das Edge mit der absoluten High-End-Hardware ausgestattet: Der Snapdragon 805 mit 2,7-GHz-Taktung hat eine der schnellsten CPUs auf dem Markt und bringt locker genügend Leistung für eine ruckelfreie Oberfläche, schnell startende Apps und flüssige Spielszenen, obwohl er bei starker Belastung schon nach wenigen Sekunden herunterdrosselt.

Auch sonst hat Samsung alles reingepackt, was man derzeit von einem modernen Smartphone erwartet: NFC, Bluetooth 4.1, 5-GHz-WLAN, Barometer und UV-Sensor gehören zur Grundausstattung ebenso wie Pulsmesser und Fingerabdrucksensor im Home-Button. Die letzteren beiden lassen sich allerdings nur umständlich bedienen und sind im Alltag nicht besonders gut zu gebrauchen.

Das Samsung Galaxy Edge hat die gleiche 16-Megapixel-Kamera wie das Note 4, und die gehört zum besten, was man derzeit in einem Handy bekommen kann. Fotos zeigen zwar mitunter einen leichten Rotstich, sind aber extrem scharf und gelingen dank optischem Bildstabilisator auch in dunkler Umgebung noch recht gut; auch die 4K-Videos sehen klasse aus.

Die Laufzeiten liegen sowohl im Alltag als auch in den Labortests (Video Schauen, WLAN Surfen, Spielen) leicht unter denen des Note 4 – und sind damit immer noch überdurchschnittlich lang.

Das Galaxy Note Edge hat etwas Exklusives: Wirklich brauchen tut man den gebogenen Rand und die darauf gezeigten Informationen nicht, aber er fällt einfach auf und wertet das Phablet optisch und haptisch auf. Wem das keine 800 Euro wert ist, greift lieber zum Note 4; dort bekommt man ebenfalls die beste Hardware auf dem Markt, zahlt aber nur 600 Euro.

Samsung Galaxy Note Edge
Betriebssystem / Bedienoberfläche Android 4.4.4 / TouchWiz
Prozessor / Kerne / Takt Qualcomm APQ8084 / 4 / 2,7 GHz
Grafik Qualcomm Adreno 420
RAM / Flash-Speicher (frei) / erweiterbar 3 GByte / 32 GByte (24,5 GByte) / MicroSDHC
WLAN / Dual-Band / alle 5-GHz-Bänder IEEE 802.11 a/b/g/n/ac / ja / ja
Bluetooth / NFC / GPS 4.1 / ja / ja
Mobile Datenverbindung (lt. Hersteller) LTE (300 MBit/s Down, 50 MBit/s Up), HSPA (42,2 MBit/s Down, 5,76 MBit/s Up)
Akku / austauschbar / drahtlos ladbar 3000 mAh (11,55 Wh) / ja / nein
Abmessungen (H x B x T) 15,1 cm x 8,2 cm x 1 cm
Gewicht 174 g
Besonderheiten gebogenes Display, Eingabestift, NFC, UV-Sensor, Barometer, Fingerabdrucksensor
Rückseitenkamera-Auflösung Fotos / Video 5312 x 2988 Pixel (15,9 MPixel) / 3840 x 2160 Pixel
Display-Messungen
Technik / Größe (Diagonale) OLED (AMOLED) / 11,9 cm x 8,7 cm (5,8 Zoll)
Auflösung / Seitenverhältnis 2560 x 1600 Pixel (546 dpi) / 16:9
Helligkeitsregelbereich / Ausleuchtung 1...295 cd/m² / 95 %
Kontrast / Farbraum >10.000:1 / AdobeRGB
Straßenpreis 800 Euro


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