Gefälschte USB-Sticks und SD-Karten: Darauf sollten Sie achten

Gefälschte USB-Sticks und SD-Karten: Worauf Sie achten sollten

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Online-Angebote zu gefälschten USB-Sticks und SD-Karten gibt es zuhauf. Wir erklären, wie Sie Fake-Ware erkennen und welche Rechte Sie nach dem Kauf haben.

Wer heute im Internet nach günstigem Flashspeicher sucht, wird schnell fündig: Hohe Speicherkapazitäten zu ungewöhnlichen Tiefstpreisen von Markenherstellern. Dass es sich dabei um Fälschungen handelt, liegt zwar nahe – die Verlockung, solche günstigen USB-Sticks oder SD-Karten dennoch zu erstehen, ist aber groß. Wir geben Tipps, woran Sie gefälschte Produkte erkennen und wie Sie einen einmal gekauften Speicher überprüfen können.

Bevor Sie das günstige Speichermedium erstmals nutzen, sollten Sie seine Kapazität an einem PC prüfen. Hierfür können Sie das Testprogramm H2testw für Windows und das Programm F3 für Linux und MacOS heranziehen. Mit beiden Tools lässt sich herausfinden, ob die tatsächlich vorhandene Speichergröße mit der vom Hersteller angegebenen Kapazität übereinstimmt. Der komplette Überprüfungsprozess kann je nach Größe des Speichermediums viele Stunden dauern – das scheint lang, ist aber gut investierte Zeit, wenn man späteren Datenverlust vermeiden möchte.

Gefälschte USB-Sticks (4 Bilder)

Laut Verpackung und Aufdruck handelt es sich um ein USB Flash Drive v250w von HP mit 2 TByte Speicherkapazität – leider eine Fälschung.
(Bild: c't)

Manche gefälschten USB-Sticks und SD-Karten enthalten tatsächlich weniger als fünf Prozent der jeweils angegebenen Kapazität. Auch wenn beim Testlauf Fehler oder nicht lesbare Sektoren auftauchen, schicken Sie das Speichermedium am Besten direkt wieder zurück oder tauschen es um.

Bei manchen Produkten fehlen Angaben zur Lese- und Schreib-Geschwindigkeit. Das allein ist noch kein Hinweis auf eine Fälschung, denn auch einige große Hersteller verzichten auf diese Angaben. Doch bei vielen hochwertigen Flash-Speichermedien – und solche sollten Sie bevorzugen – finden sich konkrete Geschwindigkeitsangaben. Um ein paar Anhaltspunkte zu nennen: Schon USB 2.0 schafft über 30 MByte/s, gute USB-3.0-Speicher sollten über 60 MByte/s erreichen. Beim Schreiben sind viele Flash-Speichermedien deutlich langsamer als beim Lesen, das ist normal. Jedenfalls können Sie die Geschwindigkeit recht einfach mit Windows-Tools wie Crystal Disk Mark testen. Deutlich zu lahme Ergebnisse sollten Sie beim Hersteller beanstanden.

Leider können selbst die ausgefeilten Testprogramme nicht alle Fälschungen enttarnen. Das betrifft etwa USB-Sticks und SD-Karten, die unter falscher Marke verkauft werden: Sie laufen in der Anfangszeit zwar ohne Probleme, es besteht aber die Gefahr, dass die Plagiate recht schnell kaputtgehen.

Um das Risko des versehentlichen Kaufs einer Fälschung zu minimieren, sollten Sie Speichermedien bei einem vertrauenswürdigen Händler kaufen. Doch auch dort gekaufte Produkte sollten Sie sicherheitshalber mit dem Tesprogramm H2testw auf Echtheit überprüfen lassen.

Eine falsch angegebene Speicherkapazität auf Fake-USB-Sticks, SD-Karten und MicroSD-Karten kann fatale Folgen haben: Wird mehr geschrieben, als der Flash-Speicher fassen kann, gehen Daten – Urlaubsfotos, Handy-Videos, Backup-Files – unrettbar verloren. Gefälschte Speichermedien verursachen also nicht nur finanziellen Schaden, sondern auch sehr ärgerlichen Datenverlust.

Beim Datenverlust durch einen Fake-Speichermedium führt leider kein Weg zurück: Die Daten lassen sich nicht wiederherstellen. Gegen solche Fälle hilft nur – so besserwisserisch das klingen mag – Vorbeugen durch mehrfache Datensicherung. Daher unser Tipp: Duplizieren sie wichtige Daten auf mindestens einem weiteren Speichermedium beziehungsweise lagern Sie mehrere Sicherheitskopien an unterschiedlichen Orten.

Falls Sie sich sicher sind, dass Sie ein gefälschtes Gerät erhalten haben, sollten Sie dieses umgehend an den Händler zurückschicken. Bei Verkäufern in Deutschland und der EU ist dies insbesondere beim Online-Kauf innerhalb der ersten 14 Tage problemlos und ohne Angabe von Gründen möglich.

Die Rückgabe an Händler aus dem Nicht-EU-Ausland ist dagegen deutlich komplizierter, wenn sie überhaupt möglich ist.

Der erste wichtige Hinweis auf gefälschte Geräte ist der Verkaufspreis: Für einen USB-Stick aus dem Hause Kingston mit 2 TB Speicherplatz zahlt man derzeit beispielsweise über 1100 Euro. Wenn Online-Händler auf eBay oder Amazon USB-Sticks gleicher Speicherkapazität für unter 20 Euro anbieten, sollten Sie als Käufer sofort stutzig werden: Bei derartigen Flohmarkt-Preisen kann es sich nur um Fakes handeln. Die Geräte haben in der Praxis deutlich weniger Speicherplatz als angegeben – meist nur Bruchteile davon.

In SD-Karten steckt ein NAND-Flash-Speicher und meistens auch ein kleinerer Controller-Chip. Dessen Firmware lässt sich manipulieren, um höhere Kapazität vorzugaukeln.

Vergleichen Sie vor dem Kauf Speichermedien der gewünschten Kapazität in Preis-Suchmaschinen miteinander, um sich ein ungefähres Bild vom derzeitigen Marktpreis zu machen. So können Sie erkennen, wie realistisch ein Preis für das angebotene Gerät ist.

Sofern es sich um ein originales Produkt handelt, müssten sich auf den Hersteller-Webseiten außerdem Spezifikationen zum jeweiligen Gerät finden lassen.

Vor dem Kauf sollten Sie einen genauen Blick auf die aufgedruckten Schriftzeichen auf dem Gerät werfen: Bereits bei kleinen Rechtschreibfehlern können Sie davon ausgehen, dass das beworbene Produkt eine Fälschung ist.

Ein weiteres wichtiges Indiz für gefälschte Flash-Speichermedien sind unrealistische Kapazitätsangaben. Im Netz bewarb beispielsweise die Shopping-Plattform wish.com 2018 MicroSD-Karten mit 2 TB Kapazität. Nach kurzer Recherche fiel allerdings auf, dass zu dem Zeitpunkt nicht einmal MicroSD-Karten mit 1 TByte existierten. Auch hier hilft ein kurzer Produktvergleich im Netz, etwaige Mondangaben zu enttarnen.

Besonders bei den Online-Plattformen Amazon, eBay oder AliExpress sollte man auf den Standort des Verkäufers achten: Die meisten gefälschten USB-Sticks und SD-Karten stammen aus Fernost. Bei Händlern aus dem Nicht-EU-Ausland wird jedoch kein Kaufvertrag nach deutschem oder europäischem Recht geschlossen – der Kaufvertrag kommt in diesen Fällen direkt mit dem Händler zustande und unterliegt damit ganz anderen Gesetzen.

Darüber hinaus kann bereits die Einfuhr aus dem Nicht-EU-Ausland zu Problemen führen, wenn die Ware kein CE-Zeichen aufweist oder notwendige Dokumente fehlen: Bei Verdacht auf Produktfälschung beschlagnahmt der Zoll die Ware und vernichtet sie oder schickt sie zurück. Im Extremfall kommen sie dann nicht mehr an Ihre (bezahlte) Ware heran.

Um sich solche Versandprobleme zu ersparen, kaufen Sie wenn eben möglich bei vertrauenswürdigen Händlern, etwa im gewerblichen Einzelhandel in Deutschland. Dort genießen Sie den stärksten Verbraucherschutz und haben eine reelle Chance auf erfolgreiche Reklamation im Rahmen der Gewährleistung.

Zusammengefasst können die folgenden Fragen als Leitfaden dienen, um gefälschte USB-Sticks und SD-Speicherkarten zu umgehen.

  • Entspricht der Preis der marktüblichen Preislage?
  • Ist die Kapazitätsangabe realistisch?
  • Ist die Geschwindigkeit des Geräts angegeben? Wenn ja, ist diese hoch genug?
  • Finden sich Produktangaben auf der Herstellerseite?
  • Sitzt der Verkäufer in Deutschland oder in der EU?
  • Macht der Verkäufer einen seriösen Eindruck?

Falls Sie einen Großteil dieser Fragen mit "ja" beantworten können, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es sich bei dem gewünschten Gerät um ein echtes Produkt handelt. (ciw)

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