Gelungene Edition

Tex-Edit Plus 2.1 für MacOS

Test & Kaufberatung | Kurztest

Wer heutzutage immer noch SimpleText oder gar TeachText benutzt, leidet entweder unter einer unabänderlichen Affinität zu Apple oder weiß schlicht nicht, welche leistungsfähigen Alternativen es gibt. Eine davon heißt Tex-Edit: das Programm ist mehr, als der Name verspricht - kein schlichter Editor, sondern eine kleine, gelungene Textverarbeitung.

Neben dem Pflichtprogramm wie verschiedene Schriftarten, -größen und -attribute (einschließlich Farben), ist es die Kür, in der Tex-Edit Plus zu überzeugen weiß. Durch den Einsatz der weit verbreiteten WASTE-Textroutinen wird die Größe des bearbeitbaren Textes nur durch den vorhandenen Speicher begrenzt. Auch die Anzahl der geöffneten Fenster hängt allein von dieser Grenze ab.

Es werden echte Tabulatoren unterstützt, und nicht wie bei Shareware-Programmen häufig üblich, Leerzeichen dazu benutzt, um Tabulatorabstände zu simulieren. Die Geschwindigkeit der Wortzählfunktion (die Gesamtlänge des Textes wird permanent angezeigt) sollte besonders Microsoft-Produkte vor Neid erblassen lassen. Dokumente werden im Textformat von SimpleText gespeichert (auch automatisch nach einer voreingestellten Zeitspanne); es besteht aber die Möglichkeit, einer Datei die Signatur (Creator) eines anderen Programmes zuzuweisen. Dann genügt ein Doppelklick im Finder, um die Datei automatisch von diesem Programm öffnen zu lassen. Trotzdem gehen häufig Textformate verloren, da viele Programme das einfache SimpleText-Format nicht unterstützen. Dies läßt sich durch den Texttransfer per Zwischenablage oder Drag & Drop umgehen.

PICT-Dateien kann Tex-Edit Plus ebenso öffnen. Bilder lassen sich aber gleichfalls am bequemsten per Drag & Drop in das Programm importieren. Als Bonbon erhält man mit Tex-Edit Plus noch eine sinnvolle Einbindung der Sprachfunktionalität des Betriebssystems. Sprache oder Töne nimmt Tex-Edit Plus auf und integriert sie in ein Dokument. Die Aufnahme wird durch ein Symbol im Text repräsentiert; ein Doppelklick spielt diese ab: gesprochene Anmerkungen sind einfacher nicht zu realisieren. Auf Wunsch kann Tex-Edit Plus auch den Text vorlesen und gleichzeitig die gerade vorgelesene Textpassage selektieren. Komplette Navigation per Tastatur und die Eingabe von Sonderzeichen per ständig verfügbarem Einblendmenü unterstützen sowohl Vielschreiber als auch langsame Tipper. Die Aktive Hilfe tut ihr übriges.

Beim Suchen/Ändern von Textstellen können auch Textart, -größe und -attribute berücksichtigt und ausgetauscht werden. Wildcards sind möglich, GREP-Ausdrücke leider nicht. Unschätzbare Hilfe erfährt man von Tex-Edit Plus bei der Konvertierung von Texten in und aus der PC-/Unix-Welt. Ein Menübefehl genügt, um ein LineFeed und/oder Carriage Return zu entfernen oder hinzuzufügen. Per Dialog lassen sich diese Umwandlungen mit anderen Konvertierungen kombinieren. Leerzeichenfolgen umzuwandeln, Kontrollzeichen zu entfernen, Texte in 7-Bit-Format zu überführen und Anführungszeichen sowie die verschiedenen Bindestriche anzupassen, sind dann ebenfalls schnell erledigt.

Neu hinzugekommen ist in Version 2 die ausgefeilte AppleScript-Unterstützung. Als eines der wenigen Programme ist Tex-Edit Plus sowohl scriptable als auch recordable. Das AppleScript-Vokabular entspricht dem von Apples beispielhaftem Scriptable Text Editor. Damit eignet sich Tex-Edit Plus auch für andere Programme als Dienstleister zur Textmanipulation. Besonders schön ist ein mitgeliefertes Script, welches alle Tags in einem HTML-Quelltext einfärbt.

Größter und zugleich einziger Kritikpunkt ist die Unfähigkeit, mehrere Textorientierungen in einem Dokument mischen zu können: Ein Text wird immer komplett links-, rechtsbündig oder zentriert dargestellt. (se)


Tex-Edit Plus 2.1 (TexEditPlus_2.1.hqx, Shareware, 10 US-$) findet sich unter http://members.aol.com/tombb/index.html sowie in der c't-Mailbox.

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