Genossinnen und Genossen!

@ctmagazin | Editorial


Genossinnen und Genossen!

Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst zum Schutz der eigenen wissenschaftlichen Leistung. Die Mächte der Hochschullandschaft haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet. Das Kollektiv der Lerner sieht sich einer ungeheuerlichen Entwicklung in der büroisen globalisierten Hochschullandschaft gegenüber.

Dutzende von Hochschulen aller Bundesländer zwingen ihre Studenten seit diesem Semester, alle Seminararbeiten beim amerikanischen Plagiatsuchdienst TurnItIn einzureichen (siehe Report auf S. 78 in c't 1/2007). Schamlos speichert dieser jedes Wort und mehrt so seinen Datenbestand. Auf unseren Rücken und ohne Gegenleistung schafft er sich damit Kapital, indem er die Betrugsversuche weniger zum Vorwand nimmt, während die ehrliche Mehrheit seiner Willkür schutzlos ausgeliefert ist. Diese kapitalistische Verwertung der studentischen Arbeitskraft muss ein Ende haben.

Geht es nach dem Willen des Betreibers, werden bald Teilnehmer aller Seminare und Schüler aller Klassen ihre Arbeiten online einreichen müssen. Scheinbar gibt es kein Entrinnen vor dem Klassenfeind, denn wer sich dieser Praxis verweigert, dem verweigert die Hochschule den Leistungsnachweis.

Dabei plagiieren selbst einige unserer Lehrer und geben die Forschungsergebnisse ihrer Schüler als ihre eigenen aus. Aber anstatt vor der eigenen Tür zu kehren, stellen sie uns Studierende unter Generalverdacht und machen mit dem Klassenfeind gemeinsame Sache. Sie erlauben dem amerikanischen Datenbankimperialisten, unsere Arbeiten dauerhaft zu speichern, ohne dessen Intentionen in Frage zu stellen. Sind wir noch frei in der Themenwahl, wenn wir unsere Ergebnisse ausliefern müssen? Niemand weiß, was dort mit unseren Daten geschieht. Niemand garantiert uns, dass sie geschützt werden.

Doch wir können diese Entwicklung umkehren, denn das Urheberrecht ist auf unserer Seite. Niemand darf ohne Zustimmung das geistige Eigentum eines freien Lernenden vervielfältigen oder speichern. Im Mutterland von TurnItIn formiert sich bereits der Widerstand. Studierende organisieren sich gegen das Vorgehen der autoritären Hochschulleitung, und sie haben Erfolg. Lasst uns ihrem Beispiel folgen! Hiermit rufe ich zum Marsch auf die Institutionen auf. Es ist an der Zeit, dass sich das Gespenst manifestiert. Indem wir gemeinsam ein Ziel verfolgen, nämlich das Ziel, selbst zu entscheiden, wer unsere Arbeiten liest, speichert oder weitergibt, können wir das Recht an unserer geistigen Leistung zurückerobern.

Die Seminararbeiten produzierende Klasse wird sich nicht dem Diktat des globalen Plagiatsuchdienstes TurnItIn unterordnen. Wir werden unsere Arbeiten unseren Lehrern aushändigen, und nur unseren Lehrern. We won’t turn it in! Studierende aller Länder, vereinigt euch!

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