Geschenk mit Pferdefuß

Rights Management im Online-Fanclub

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Käufer der aktuellen CD von Daft Punk finden in der Hülle eine Mitgliedskarte für den Online-Fanclub der Band. Das Booklet verspricht digitale Überraschungen für jedermann, verschweigt aber, dass der Daft Club sein kostenloses Angebot per Digital Rights Management kontrolliert.

Aufmacher

Der Ohrwurm ‘One More Time’ der französischen Elektronik-Musiker Daft Punk dröhnt seit Wochen aus allen Radio-Kanälen. Das dazugehörige Album ‘Discovery’ ging bisher weltweit 1,6 Millionen mal über den Ladentisch. In jeder CD-Hülle klebt eine schwarze Karte für den ‘Daft Club’, der jedem Käufer den Online-Zugang zu ‘digitalen Überraschungen’ ermöglichen soll.

Zum Redaktionsschluss bot der Club sieben exklusive Titel zum Download, insgesamt 40 MByte Musik. Alle zwei Wochen kommt ein neuer Track dazu. Der hehre Sinn des einzigartigen Goodies: Der Daft Club soll Leute dazu animieren, die CD zu kaufen, statt sie über Napster herunterzuladen oder eine CD-Kopie zu machen.

Damit auch wirklich nur Alben-Käufer auf den virtuellen Fanclub zugreifen, haben sich die Betreiber einige Sicherungsmaßnahmen ausgedacht. Zunächst besitzt jede Karte einen individuellen, nur einmal nutzbaren Zugangscode. Weiterhin setzt der Daft Club nicht auf unkontrollierbare MP3-Dateien, sondern auf auf ‘Digibox’-Container, die ein Digital Rights Management (DRM) der Firma InterTrust vor unbefugten Hörern schützt.

Die Dateien mit der Endung ‘.saf’ sind wenige KByte größer als eine MP3-kodierte Version desselben Stücks bei einer Bitrate von 128 KBit/s. Die Größendifferenz erklärt sich vermutlich unter anderem damit, dass jede SAF-Datei eine 320 x 240 Pixel große Bitmap enthält und eine Dateibeschreibung.

Zur Anmeldung beim Daft Club gibt der Käufer des Albums seinen 16-stelligen Member Personal Access Code auf der Website www.daftclub.com ein. Der Server überträgt daraufhin eine sieben MByte große Datei auf den heimischen Rechner, die den ‘InterTrust Rights Point’ installiert und das DRM einrichtet. Beim ersten Aufruf aktiviert sich die Software über eine Verbindung zum InterTrust-Server. Dazu nutzt der Activation Wizard die Ports 80 und 443 (Standard für HTTP bzw. HTTPS). Pech hat, wer hinter einer Firewall sitzt, die diese Ports abblockt: Grundsätzlich kann man zwar unter ‘Network Settings’ einen Proxy-Server konfigurieren, jedoch erst nach der Aktivierung.

Nach erfolgter Verbindung öffnet die Software eine neue Seite auf dem Daftclub-Server, über die man die Mitgliedsnummer erneut eingeben muss. Jetzt gibt der Server erstmals Software frei, die auch dem Anwender nützt: Der knapp zwei MByte große Daft Player erschließt die Angebote des Fan Clubs. Die Webseite mit den Überraschungen kann man auch mit einem Browser abrufen [[#links 1]], etwa um die SAF-Dateien mit einem Download-Manager zu laden.

Einmal auf der Festplatte, befindet sich der Song nach dem Willen seiner Schöpfer an seiner Endstation: Die SAF-Dateien lassen sich nur auf einem System mit aktiviertem InterRights Point wiedergeben. Die Online-Musikklubs von UMG und BMG arbeiten übrigens auch mit dem InterRights Point.

Im Test funktionierte das System recht reibungslos, auch wenn man sich auch nie ganz des Eindrucks erwehren konnte, man werde beobachtet. So zählt der InterRights Point stets mit, wenn man eine SAF-Datei wiedergibt, und meldet dies in regelmäßigen Abständen an ein nicht näher identifiziertes ‘Amber Clearing House’. Die Versicherung der Privacy Policy des Daft Clubs [[#links 2]], die vom DRM übertragenen Daten würden vertraulich behandelt, beruhigen da nur bedingt.

Es fällt nicht leicht, die DRM-Geister wieder loszuwerden. Unter Windows 2000 gab es keine Probleme, doch bei Windows 98 bekamen wir den InterRights Point erst durch manuelles Löschen der Dateien im DOS-Modus aus dem System. Das Deinstallationsprogramm verweigerte die Mitarbeit mit der Begründung, die Software könne nur vom Administrator entfernt werden - nur kennt das ‘kleine’ Windows gar keinen solchen.

Einen Weg aus dem Rechte-Spuk bietet die Shareware ‘Total Recorder’ [[#links 3]]. Das Programm klinkt sich als Soundkartentreiber in das Windows-System ein (Windows 95/98/ME/NT/2000) und schreibt die entschlüsselten digitalen Daten in eine Wave-Datei. Das von sämtlichen Nutzungsbeschränkungen befreite Ergebnis kann man dann als MP3-Datei oder Audio-Track auf eine CD-R brennen.

Spätestens jetzt bewegt sich der bis dahin unbescholtene Musikliebhaber auf juristischem Grundeis: Die Lizenzvereinbarungen sehen die Wiedergabe der Musikstücke nur innerhalb des Daft Players und auf einem Rechner vor. Natürlich kann man über die Gültigkeit einer solchen Lizenz streiten. Aber wurde die CD nicht genau deshalb gekauft, um Künstler und Plattenfirma das Geld zukommen zu lassen, das ihnen für ihre Arbeit zusteht? Die Überwindung der künstlichen und unnötigen Barrieren, zu denen die Nutzungsbeschränkungen des DaftClub den Anwender geradezu einladen, führt direkt zurück ins legale Zwielicht.

Als Demonstration der Möglichkeiten von Digital Right Management hinterlässt der Daft Club einen eher bitteren Nachgeschmack. Dieser verstärkt sich mit der Erkenntnis, dass die von Microsoft in Windows XP integrierte DRM-Implementierung der hier beschriebenen Methodik stark ähneln soll - so stark sogar, dass InterTrust den Windows-Produzenten kürzlich wegen Patentverletzung verklagt hat.

Übrigens prangt auf der Mitgliedskarte des Daft Clubs ein Ablaufdatum: Nach dem Willen der Betreiber soll der Daft Club Ende 2002 auslaufen. Ob die Fans ihre heruntergeladenen Stücke danach noch abspielen können, verrät die Site nicht. ( ghi)

[1] Download-Site

[2] Privacy Policy

[3] Total Recorder

[4] Daftclub-FAQ

[5] Mac-Anwender

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