Geschwätzige Samsung-TVs datensparsam betreiben

Geschwätzige Samsung-TVs datensparsam betreiben

Praxis & Tipps | Praxis

Bei unserem letzten Test von Smart-TVs stach Samsungs Gerät hervor, weil es vergleichsweise viele Daten ins Netz übertragen hat. Anders als damals beschrieben kann man die Datenflut eindämmen.

Für c’t 25/2018 haben wir Smart-TVs getestet und dabei geprüft, was die schlauen Fernseher in die Welt hinausposaunen: zum TV-Hersteller, zu den Sendern und zu den App-Anbietern [1]. Das Testgerät von Samsung erwies sich dabei als besonders geschwätzig; ein etwas älteres Gerät des gleichen Herstellers aus einem vorherigen Test (UE43MU6179U in [2]) plauderte ebenso munter drauflos. So fiel unser Fazit zu den Geräten entsprechend deutlich aus. Ein längerer Austausch mit Samsung brachte Klarheit: Die Bedienführung des Geräts bei der Erstinstallation hatte uns genarrt.

Im zweiten Schritt bei der Ersteinrichtung fragt ein Assistent nach der Zustimmung zu den Geschäftsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Man kann einzelnen Punkten zustimmen oder global seine Zustimmung erteilen. Anschließend fährt man mit dem Druck auf OK fort. Wir hatten uns gewundert, dass der Assistent in den nächsten Einrichtungsschritt weiterspringt, egal ob wir zustimmten oder nicht. Unterschiede hinsichtlich des Netzwerkverkehrs fanden wir nicht (siehe [1]).

Trau, schau, Smart-TV (6 Bilder)

Denkste: Wer keine Häkchen setzt und OK drückt, stimmt trotzdem zu. Nur das unscheinbare Überspringen oben rechts heißt "Lass mich in Ruhe".

Samsung wies darauf hin, dass in diesem Installationsschritt statt einer Zustimmung auch das Überspringen möglich sei. In der Tat ist das der Fall: In der oberen Bildschirmecke steht bei allen Geräten „Überspringen“. Wenn man auf der Fernbedienung den Knopf „Rechts“ betätigt, dann erscheint ein Dialog, der erklärt, dass man den Smart Hub erst nach der Zustimmung nutzen kann – an dieser Stelle kann man die Zustimmung dann überspringen.

Wir haben für diese Bedienweise anhand des Samsung-TV-Geräts aus [2] die Pakete gezählt und dann liegt es hinsichtlich der Paketmengen in ähnlichen Regionen wie andere Smart-TVs aus dem Testfeld. Der Preis, den man dafür bezahlt, ist der gleiche hier wie dort: Da die Apps deaktiviert sind, kann man unter anderem kein Netflix schauen, erreicht das Prime-Angebot nicht und hat auch keinen Web-Browser zur Verfügung.

Was in dieser Schmalspurbetriebsart mit den Samsung-TV-Geräten überhaupt funktioniert: Fernsehen, Dateien von einem DNLA-Gerät abspielen und beim Fernsehen die HbbTV-Angebote abrufen. Außerdem arbeitet die Update-Funktion des Geräts trotz fehlender Zustimmung – für Smart-Allergiker mag das fast schon zu viel sein. Fraglos reduziert es den Netzwerkverkehr erheblich und hält dem Nutzer auch die lästige Samsung-Werbung vom Hals, die die Geräte sonst im Smart Hub einblenden.

Unterm Strich ist die Bedienführung an der Stelle, an der Samsung die Zustimmung des Käufers einholen möchte, wenig gelungen. Samsung hat uns Bilder geschickt, die im Kleingedruckten einen Hinweis auf die Option zum Überspringen enthalten. Unser Altgerät aus [2] zeigt keinen solchen Hinweis trotz aktueller Firmware. Das rund ein Jahr jüngere Testgerät aus [1] konnten wir bis Redaktionsschluss nicht mehr prüfen.

Aus unserer Sicht ist das nicht die einzige Stelle, an der Samsung Käufer im Dunklen lässt: Im Einrichtungsmenü findet sich eine Funktion zum Zurücksetzen des Smart Hub. Wenn man die aufruft, verhält sich das TV-Gerät wieder so, als hätte man während der Einrichtung die Zustimmung verweigert. Die Apps verschwinden. Eine passende Bezeichnung wäre wohl „Zustimmung widerrufen“.

Wer ein bereits eingerichtetes Samsung-Gerät in den Schmalspurbetrieb versetzen will, braucht es nicht vollständig neu zu konfigurieren, sondern kommt mit dem Zurücksetzen des Smart Hub aus und muss dann mit den beschriebenen Funktionseinschränkungen leben. (ps)

  • [1] Peter Siering, Clever oder tumb?, Was Smart-TVs ins Internet übermitteln und wie leicht sie sich hacken lassen, c’t 25/2018, S. 74
  • [2] Ulrike Kuhlmann, Rudi Opitz, TV-Tuning, HDR-fähige 4K-Displays von 43 bis 55 Zoll als Fernseher, Monitor und Gaming-Display im Test, c’t 25/2017, S. 136

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