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GitHub integriert Web-IDE und Diskussionsforen

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Auf GitHubs virtueller Mini-Konferenz Satellite stellte das Unternehmen eine Online-IDE vor, die die Entwicklung im Browser vereinfacht. Mit Discussions gibt es ein Forum für allgemeine Fragen.

Die GitHub Satellite ist eigentlich als kleine Konferenz für Europa gedacht, fand aber diesmal aufgrund der Corona-Pandemie als Online-Veranstaltung statt. Live von zu Hause stellten GitHub-CEO Nat Friedman und seine Kollegen mehrere neue Features vor.

Den Anfang machte Codespaces, eine webbasierte IDE, die vollständig in GitHub integriert ist. Mit ihr können Entwickler Code direkt im Web bearbeiten und ausführen. In einem Vorabinterview erklärte Mario Rodriguez von GitHub, dass man mit Codespaces Entwicklern den Einstieg in neue Projekte erleichtern möchte. Die technische Grundlage der IDE ist Visual Studio Code (VS Code), das auf Webtechniken basiert und daher problemlos im Browser funktioniert. VS Code hat sich unter Entwicklern inzwischen einen sehr guten Stand erarbeitet und unterstützt zahlreiche Programmiersprachen und Plattformen, dazu kommen unzählige Erweiterungen, die Programmierern die Arbeit erleichtern. Laut GitHub lassen sich praktisch alle Funktionen und Erweiterungen, die man von der lokal installierten Fassung von Visual Studio Code kennt, auch in Codespaces nutzen.

Der andere Teil von Codespaces sind Software-Container ähnlich denen, wie sie bei der CI/CD-Lösung Actions zum Einsatz kommen. Diese enthalten zahlreiche Werkzeuge, Compiler und Bibliotheken, um Softwareprojekte zu entwickeln. Sollte etwas für das Projekt fehlen, können Projektmaintainer die fehlenden Komponenten durch eine Konfigurationsdatei definieren. Beim Start von Codespaces werden diese dann im Container installiert. Als Betriebssystem gibt es bisher nur Linux. Weitere Systeme sollen später dazukommen.

GitHub
Wer Visual Studio Code kennt, wird sich in GitHubs ­Codespaces zu Hause fühlen. (Bild: GitHub)

Das Konzept soll es erleichtern, dass Menschen zu Projekten beitragen können, ohne dass sie eine notwendige und manchmal aufwendig zu installierende Entwicklungsumgebung installieren müssen. Auch Probleme mit Umgebungen, die zueinander inkompatibel sind, sollen damit der Vergangenheit angehören. Die Verbindung von VS Code und den Containern geschieht über sogenannte Entwicklungscontainer. Die gibt es schon länger in Visual Studio Code. Sie erzeugen mittels Docker lokale Container, die alles für die Entwicklung enthalten. Laut GitHub soll man die Container-Definitionen für Codespaces auch lokal nutzen können.

Jeder, der Codespaces nutzen möchte, kann sich ab sofort für die Warteliste der öffentlichen Beta anmelden. Der Betrieb von Codespaces ist in der Beta kostenlos. Später soll es Minutenkontingente ähnlich derer von Actions geben. Sofern die Funktion Erfolg hat, wird sie auch in GitHubs Enterprise-Produkte integriert.

Gerade bei Open-Source-Projekten tauchen in den Issue-Trackern immer wieder Fragen und Probleme auf, die mit der eigentlichen Entwicklung nichts zu tun haben. Daher verweisen viele Projekte auf Diskussionsforen für Rückfragen oder nutzen die Tagging-Funktionen der Tracker zum Aussortieren. Mit Discussions integriert GitHub nun ein Diskussionsforum, das anstelle des Issue-Trackers als Heimat für die Fragen der Nutzer dienen soll. Discussions soll bald als Beta für öffentliche Repositorys verfügbar sein. Eine Vorschau kann man sich beim Projekt Next.js ansehen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren war Sicherheit ein wichtiger Punkt auf der Agenda von GitHub. Ab sofort gibt es eine Beta für die automatische Untersuchung von Pushes auf Sicherheitslücken. Die von GitHub 2019 zugekaufte Analysetechnik CodeQL nutzt laut des Vice President of Security Jamie Cool die gleichen Werkzeuge, die auch Security-Experten zur Suche und Analyse einsetzen.

Die automatische Erkennung von Token und Secrets heißt nun „Secret Scanning“ und ist nun auch für private Projekte verfügbar. Außerdem sollen Actions und Packages bald auch für Enterprise-Kunden zur Verfügung stehen.

Für Enterprise-Kunden, die besonders hohe datenschutzrechtliche Anforderungen haben, will GitHub bald sogenannte „Private Instances“ anbieten. Diese sollen mit vom Kunden bereitgestellten Schlüsseln verschlüsselt werden, den Export von Backups ermöglichen und vollständig isoliert sein. Trotzdem können GitHubs Mitarbeiter diese separierten Cloud-Instanzen managen. Wann das Angebot startet, ist noch unklar. (mls [1])

Dieser Artikel stammt aus c't 12/2020 [2].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4723619

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[1] mailto:mls@ct.de
[2] https://www.heise.de/select/ct/2020/12