Google Wifi im Test: Bedienung klasse, Durchsatz ok Update

Google-Funk

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Google Wifi soll flottes WLAN in die ganze Wohnung bringen, damit Smartphone, Tablet und Notebook auch noch im hintersten Winkel den Internetanschluss ausschöpfen können. Das Versprechen löst es ein, aber man muss ein paar Kompromisse hinnehmen.

Zwar genügt dem ein oder anderen c't-Kollegen nach eigenen Worten ein zentraler WLAN-Router, um an allen Stellen der Wohnung schnell zu surfen. Doch in den meisten Wohnungen und Häusern findet man Ecken, in denen der Webstream ruckelt oder Webseiten lange laden – und spätestens im Hobby-Keller ist komplett Schluss. Solche heimischen Funklöcher will unter anderem Google mit seinem WLAN-Verteilersystem Google Wifi stopfen, das ab dem 26. Juni in Deutschland erhältlich ist und vor einigen Tagen bereits im c't-Labor eintraf.

WLAN-Verteilersysteme bestehen aus zwei oder mehr gleichen Basisstationen (hier auch Nodes genannt), die ein gemeinsames WLAN aufspannen und Daten untereinander weiterleiten (Backbone). Bisher hat man diese Aufgabe mit WLAN-Repeatern erledigt, doch bei den WLAN-Verteilsystemen sind die Nodes besser integriert und errichten den Backbone idealerweise über ein dafür reserviertes Funkmodul, was dem Durchsatz zugute kommt. Netgear Orbi (Modell RBK50) und Linksys Velop mussten sich bereits im c't-Labor behaupten. Nun tritt mit Google ein Internet-Gigant an, den Markt hierzulande aufzumischen – der Preis von 250 Euro für ein Paket mit zwei Verteilern liegt deutlich unter dem der Konkurrenz.

Die Einrichtung von Google Wifi funktioniert nur mit der gleichnamigen App und einem Google-Konto. Das Setup ist vorbildlich und eingängig gelöst, nach einer halben Stunde läuft das System. Die wichtigsten Schritte zeigen wir in der Bilderstrecke.

Den ersten Node schließt man an einen WLAN-Router an oder ersetzt diesen gleich damit. Beim aktuellen Firmware-Stand (9460.40.5, Juni 2017) will Google Wifi stets den Internetzugang selbst aufbauen, der erste angeschlossene Node wird so zum Router. Haben Sie vom Provider einen Zwangsrouter gestellt bekommen oder möchten Ihre Fritzbox nicht aufgeben, dann müssen Sie sich mit Double-NAT (doppelter Adressübersetzung) abfinden. Das kann manchen Anwendungen wie VoIP oder Online-Spielen Probleme bereiten.

Der Bridge- oder Access-Point-Mode, der ohne Double-NAT auskommt und die vorhandene Netzwerk-Topologie nicht über den Haufen wirft, lässt sich nur einschalten, wenn man einen einzelnen Node betreibt. Das ist bei einem WLAN-Verteilsystem natürlich witzlos. Ein AP-Mode mit mehreren Nodes soll später folgen; Netgear und Linksys haben das bei ihren WLAN-Verteilersystemen Orbi und Velop schon implementiert.

Der Router-Node reicht seine Internetverbindung drahtlos an die anderen Google-Wifi-Nodes weiter. Diese arbeiten als Repeater. Man koppelt sie beim Einrichten des Systems am besten in der Nähe des Router-Nodes und stellt sie erst später an ihren endgültigen Plätzen auf. Diese sollten Sie so wählen, dass sich die Funkzellen beider Geräte etwas überlappen und so insgesamt eine größere Fläche abdecken. WLAN-Clients melden sich wie gewohnt an, sie wählen dann automatisch den am besten erreichbaren Node.

Google-Wifi-Nodes haben zwei Ethernet-Ports. Beim ersten Node wird der linke zum Internetanschluss, an den rechten kann man einen LAN-Client oder einen Switch für mehrere Hosts anschließen.
Google-Wifi-Nodes haben zwei Ethernet-Ports. Beim ersten Node wird der linke zum Internetanschluss, an den rechten kann man einen LAN-Client oder einen Switch für mehrere Hosts anschließen.

Wandelt man zum Beispiel mit einem Tablet durch die Wohnung, wechselt es von selbst, sobald ein anderer Node besser erreichbar wird. Dieses Roaming funktionierte im Test mit Audiostreams (ca. 120 kBit/s) und VoIP-Telefonaten (ca. 60 kBit/s) überwiegend ohne Aussetzer. Multicast-IPTV, wie es etwa die Deutsche Telekom unter dem Markennamen Entertain anbietet, leitete Google Wifi jedoch nicht weiter. Bei VoIP waren im Testbetrieb keine Unterbrechungen auszumachen. Der Audiostream pausierte beim Funkzellenwechsel gelegentlich kurz, aber kaum hörbar. Er riss nur einmal komplett ab.

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