Handys, Netze, Funkstationen

Mobile World Congress 2008 in Barcelona

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Vom 11. bis 14. Februar trifft sich alles, was im Bereich mobiler Kommunikation Rang und Namen hat, in der Hauptstadt Kataloniens zum Mobile World Congress, wie sich der 3GSM World Congress seit diesem Jahr nennt. Das Konzept, die Konferenz mit einer Leistungsschau der Mobilfunkindustrie zu verbinden, ist geblieben.

Die Ausstellung des Mobile World Congress, der zum dritten Mal seit dem Umzug von Cannes nach Barcelona auf der Fira de Barcelona zwischen Placa d’Espanya und dem Nationalpalast stattfindet, gilt als Mobilfunk-Leitmesse, auf der Trends für 2008 gesetzt, neue Handy-Modelle vorgestellt und mobile Anwendungen gezeigt werden. 2007 meldete der Veranstalter GSM Association (GSMA) mit 55 000 Besuchern und 1300 Ausstellern neue Rekorde.

Für dieses Jahr erwartet man sogar rund 1400 Aussteller und hofft, den Besucherrekord des vergangenen Jahres zumindest einstellen zu können. Auf dem Kongress sollen über 250 Sprecher auftreten, darunter die Chefs einiger der einflussreichsten Mobilfunk-Unternehmen: Die CEOs John Chambers von Cisco Systems, Olli-Pekka Kallasvuo (Nokia) und Arun Sarin (Vodafone) haben laut GSMA bereits zugesagt. Ein Online-Web-Special mit aktuellen Nachrichten zum MWC 2008 in Barcelona finden Sie unter www.heise.de/mobile-world-congress.

In Halle 8, der größten der Ausstellung, geben sich Hardware-Hersteller wie Netzausrüster und besonders Handy-Schmieden ein Stelldichein. Hauptthema sind hier schon lange nicht mehr die Sprachdienste – wenn man vom 2008 bevorstehenden Wechsel auf den Sprachcodec AMR-WB absieht, der Audiofrequenzen bis sieben Kilohertz überträgt und damit die Qualität bisheriger Fest- oder Mobilnetztelefonate weit in den Schatten stellen soll. Vielmehr dürften die Hersteller Geräte zeigen, die über schnelle Funkverbindungen mobiles Internet zum Surfen und Mailen bereitstellen, mit zahlreichen Multimedia-Funktionen wie Musikplayer und Mobile TV unterhalten, mit umfangreichen PIM-Funktionen den separaten Organizer ersetzen und mittels GPS-Empfänger beim Navigieren und Zurechtfinden in einer fremden Stadt helfen.

So hat Sony Ericsson schon im Januar mit dem W760i sein erstes Handy mit GPS zusammen mit weiteren Musik-Handys wie dem W350i vorgestellt. Motorola wird voraussichtlich mit dem Z10 ein Symbian-Smartphone mit besonderen Videofähigkeiten und das Musiktelefon Rokr E8 zeigen.

Da man GPS-Empfänger und Navigationssoftware immer öfter in Mobiltelefonen findet, gehört der Auftritt auf dem MWC auch für viele Anbieter von Navigationslösungen zur Pflicht. Bekannte Navi-Hersteller wie Garmin und Navigon sind auf dem Mobile World Congress präsent und wollen die Messe offenbar für Produktvorstellungen nutzen.

Wayfinder präsentiert seinen Navigator 7 für die Java Micro Edition und Symbian OS, der unter anderem eine Funktion zum Austausch interessanter Orte via SMS, MMS oder E-Mail mitbringt. Zum Programm gehört auch eine Point-of-Interest-Datenbank, die über 20 Millionen Einträge aus mehr als 1000 Städten umfasst. Wayfinder Earth bringt Google-Earth-Feeling gratis aufs Java-Handy und zeigt wie Nokia Maps im Gespann mit einem GPS-Empfänger die aktuelle Position auf einem 3D-Globus an. Zum Navigieren taugt die Applikation zwar nicht, hilft aber bei der Orientierung. Das Kartenmaterial lädt Wayfinder Earth aus dem Internet.

Navteq und Tele Atlas, die beiden einzigen Hersteller routingfähiger Straßenkarten, stehen auf den Einkaufslisten von Navi-Anbietern. Während im Dezember 2007 die Navteq-Aktionäre der Übernahme durch Nokia bereits zugestimmt hatten, liegt für Tele Atlas bislang nur ein Angebot von TomTom vor; zudem muss die Kartellbehörde noch zustimmen. Nokias Einkauf lässt jedenfalls auf verbesserte Navigationslösungen und neue GPS-Handys hoffen.

LG, Nokia und Samsung halten Informationen zu neuen Modellen bis zum MWC noch zurück. Mobiles Fernsehen könnte dabei eine große Rolle spielen, zumal sich nach dem DMB-Debakel nun DVB-H als Standard fürs Handy-TV herauskristallisiert, den nicht nur Netzbetreiber-Konsortien und die EU, sondern auch die Gerätehersteller bevorzugen. Schon 2007 präsentierten Nokia und Sagem nur noch Fernseh-Handys mit DVB-H, und selbst koreanische Unternehmen wie LG und Samsung – in Korea läuft mobiles Fernsehen nach dem Konkurrenz-Standard DMB mit viel Erfolg – zeigten vergangenes Jahr in Barcelona nur DVB-H-Modelle. Weitere Handys mit TV-Empfang wird es sicherlich auch dieses Jahr zu sehen geben. Nun fehlt nur noch ein passendes Programmangebot – in Deutschland soll es zur Fußball-EM 2008 losgehen.

Für Internetzugang mit DSL-üblichen Geschwindigkeiten sorgt bei immer mehr Handys und Smartphones der UMTS-Dienst HSDPA, über den die damit ausgestatteten mobilen Surfstationen bis zu 3,6 MBit/s brutto empfangen. Zurzeit ist bei T-Mobile und Vodafone der Ausbau auf 7,2 MBit/s im Gange, außerdem sollen die aufgerüsteten Netze via HSUPA maximal 1,4 MBit/s vom Mobilgerät entgegennehmen. Samsung hat mit dem Fotohandy SGH-G800 das erste UMTS-Gerät, das HSDPA bis 7,2 MBit/s nutzt, schon auf dem Markt (s. Seite 69 in c't 4/08); HSUPA kennt es dagegen nicht. Die ersten Handys mit beiden HSPA-Varianten könnten bereits auf dem MWC, spätestens aber auf der CeBIT im März vorgestellt werden.

Viele Mobiltelefone taugen zwar schon zum mobilen Surfen, doch bleiben deren Fähigkeiten trotz HTML- und oft auch JavaScript-fähiger Browser ungenutzt, da diese sich nur umständlich bedienen lassen. Wer erst minutenlang scrollen muss, um an die interessante Stelle der Webseite zu kommen oder infolge ungenauer Touchscreens oder zu kleiner Darstellung mehrfach den falschen Link anwählt, lässt es lieber und surft künftig wieder über den stationären PC. Wie ein Handy aussehen muss, mit dem man bequem surfen kann, hat Apple mit dem iPhone eindrucksvoll gezeigt. Laut T-Mobile surfen iPhone-Kunden 30-mal mehr als durchschnittliche Vertragskunden. Apple selbst ist in Barcelona nicht vertreten, doch dürften sich viele Mitbewerber eigene Gedanken über neue Handy-Bedienkonzepte gemacht haben. So werden erste Geräte mit Googles Plattform Android erwartet – etwa bei HTC –, und auch Nokia hat ein Umdenken in Richtung Touchscreen angedeutet.

Die ersten Reaktionen der Branche auf den neuen Hype um das mobile Internet werden nicht lange ausbleiben und zu neuen Bedienoberflächen, Inhalten und Browsern führen. Wake3 zum Beispiel will seinen gleichnamigen Browser für Windows Mobile vorführen – allerdings nur ausgewählten Besuchern, da Wake3 keinen eigenen Stand auf der Messe hat. Das Programm basiert auf WebKit, also auf der Browser-Engine, die auch im iPhone ihren Dienst verrichtet. Opera wird eine neue Version seines mobilen Flaggschiffs Opera Mobile zeigen.

Das W3C stellt seine Mobile Web Initiative vor, die Website-Betreiber dazu anhalten soll, Websites Handy-freundlicher zu gestalten. Viele Unternehmen muss man dazu nicht mehr überreden: Mehr als 800 000 .mobi-Domains speziell für mobile Inhalte wurden laut dem Unternehmen dotMobi bislang angemeldet. Es stellt auf der Messe eine webbasierte Gerätedatenbank mit umfangreichen Informationen zu zahlreichen mobilen Endgeräten vor, die Entwicklern bei der Gestaltung von Anwendungen helfen soll.

Spezielle Proxy-Lösungen wie die für den Opera-Mini-Browser oder T-Mobiles Sidekick passen Webseiten bei der Übertragung automatisch an das mobile Gerät an. Andere Anbieter, etwa SurfKitchen, entwickeln spezielle, auf den jeweiligen Handy-Typ angepasste Clients als Browser-Alternative.

Neben den klassischen Webdiensten werden aber auch mobile Werbung, Bezahlverfahren, Push-Dienste, E-Mail, Web 2.0 und User Generated Content eine Rolle spielen, bei Letzterem insbesondere Video. Clip InTouch zum Beispiel stellt ein Messaging-System vor, mit dem Benutzer Nachrichten senden können, die Videos, Bilder, Texte und Sprache kombinieren.

Lauten die Schlagworte bei Handy-Herstellern und Netzbetreibern noch UMTS und HSPA, redet man bei Ausrüstern wie Ericsson und Nokia Siemens schon über die nächste Generation der Mobilfunknetze: Das Zauberwort lautet – zurzeit noch – Long Term Evolution (LTE). Diese Netztechnik baut zwar auf den bestehenden GSM- und UMTS-Systemen auf, eignet sich aber auch für höhere Frequenzen, nutzt flexible Bandbreiten von unter 5 MHz bis zu 20 MHz, ein Radio-Interface in OFDMA-Technik (Orthogonal Frequency Division Multiple Access) und leistungsfähige Modulationsarten bis 64QAM. LTE, von vielen Protagonisten schon als das kommende Funknetz der vierten Generation (4G) gehandelt, soll Datenraten von mindestens 100 bis über 200 MBit/s in Empfangsrichtung und 50 MBit/s in Senderichtung erlauben und wurde erst im Januar von der GSMA als mögliche Technik für den kommenden Mobilfunk-Standard (3GPP Release 8) bestätigt.

Ein weiteres Thema dürfte IMS sein, das IP-basierte Multimedia-Subsystem, das Mobilfunknetze befähigt, gleichzeitig Sprach- und Datendienste zwischen zwei Teilnehmern zu vermitteln. UMTS-Geräte sind dazu von Haus aus in der Lage, GSM-Handys müssen jedoch so genannte Klasse-C-Geräte sein, was bislang nur auf einige Smartphones zutrifft. Mit solchen Handys und einem IMS-Funknetz lassen sich dann beispielsweise Bilder oder Kartenmaterial während eines Telefonats übertragen, um den Gesprächspartner zum ausgewählten Treffpunkt zu leiten oder parallel zu telefonischen Urlaubsgrüßen die ersten Schnappschüsse vom Strand zu übermitteln. (rop)

Ericsson: Halle 8, Stand A166
A171 Garmin: Halle 7, Stand C37
HTC: Halle 1, Stand A46
LG Electronics: Halle 8, Stand B192, B197
Microsoft: Halle 1, Stand D19
Motorola: Halle 8, Stand A152, A159
Navteq: Halle 1, Stand G45
Navigon: Halle 2, Stand B09
Nokia: Halle 8, Stand B169, B177
Nokia Siemens Networks: Halle 8, Stand B157
Sagem: Halle 8, Stand B94
Samsung: Halle 8, Stand A106, A132
Sony Ericsson: Halle 8, Stand C118, C109
Tele Atlas: Halle 2, Stand B69
Toshiba: Halle 8, Stand A111
Wayfinder Systems: Halle 1, Stand J33

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