Heimwerkstatt fürs Notebook

Notebooks selbst auseinander nehmen und aufrüsten

Wissen | Know-how

Eine größere Festplatte oder ein weiterer RAM-Riegel gehören zum Standard-Tuning für jeden Rechner. Wir geben Tipps fürs Auseinandernehmen und verraten, wo man die fürs Upgrade wichtigen Service-Manuals findet.

Die Festplatte des Dell Latitude D630 steckt in einem eigenen Schacht mit gut sichtbarer Blende. Im LG Electronics P300 liegt sie undokumentiert unter der rechten Handballenauflage und ihr Austausch gelingt nur, wenn man das Gehäuse komplett zerlegt. Mit diesen beiden Extremen muss man beim Notebook-Tuning rechnen.

Wann ein Upgrade für Notebooks sinnvoll ist und welche Komponenten überhaupt austauschbar sind, erläutert ein weiterer Beitrag. Dieser Beitrag gibt Tipps und Tricks, wie man sein Notebook behutsam öffnet, um die alte gegen die neue Hardware zu tauschen.

Ob man diesbezüglich mit seinem Gerät Glück oder Pech hat, lässt sich vor dem Kauf kaum herausfinden, denn eines ist sicher: Kaum eine Notebook-Serie gleicht der anderen, wenn es darum geht, RAM, Festplatte oder MiniCard zu tauschen oder einzusetzen.

Schon beim Fahrrad gelingt Schrauben aufs Geratewohl nur geschickten und geübten Zeitgenossen. Bei hochintegrierter Elektronik wie dem Notebook sollte man das nach dieser Manier gar nicht erst versuchen. Oft halten kleine Plastikhäkchen, die man nicht von außen sieht, die Gehäuseteile zusammen. Manchmal kommt es auch darauf an, beim Auseinandernehmen die richtige Reihenfolge einzuhalten.

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Heimwerkstatt fürs Notebook

Die Werkzeug-Grundausstattung für schwierige Fälle: Feine Schraubendreher, Pinzette – und ein Klebestift. Etwas Kleber am Schraubendreher befördert auch tief sitzende Schrauben nach draußen und hinterlässt keine Rückstände.

Wer noch nie mit Elektronik hantiert hat, schnappt sich das kaputte Kofferradio in der Ecke zum Üben, bevor er sich ans teure Notebook wagt – oder wendet sich gleich an den Händler, Hersteller oder Reparaturbetrieb. Auch für die technisch Versierten gilt: Bevor man zum Schraubendreher greift, kommt der Akku raus und der Netzstecker wird gezogen. Erden schadet nicht und ist bei Sitzgelegenheiten, die sich leicht elektrisch aufladen, unerlässlich. Ein Erdungsarmband mit dünnem, kaum störendem Spiralkabel kostet nicht viel.

Den Weg zum einfachen Austausch einer Komponente ebnet ein Handbuch, das Schritt für Schritt zeigt, welche Schraube in welcher Reihenfolge zu lösen ist und wo Festplatte, MiniCard-Einschübe, RAM, SIM-Card und Antennen liegen. Explosionszeichnungen verdeutlichen das Geschriebene. Upgrade-freundlich sind außerdem Notebooks mit aufgedruckten, manchmal winzig kleinen Symbolen neben den Schraubenlöchern. Damit erkennt man auf einen Blick, welche Schrauben die Festplatte oder das optische Laufwerk lösen und unter welcher Klappe die Hauptspeicherbänke liegen.

Soll nur mehr RAM oder eine größere Festplatte ins Gehäuse, dann reicht oft die normale Bedienungsanleitung aus. Fehlt sie, holt man sie sich von der Website des Herstellers. Hilft die Bedienungsanleitung nicht weiter, dann muss ein Service-Manual her. Solche Anleitungen gibts für mehr Notebooks als man gemeinhin erwartet. Acer, Dell, HP und Lenovo legen diese technischen Dokumente für viele Modelle auf ihre Webserver. Apple zeigt für iBook und PowerBook, wie man an die Komponenten unter der Tastatur kommt und dass unter den aufgeklebten Gummifüßchen Schrauben liegen. Asus verspricht immerhin, auf Anfrage solche Anleitungen rauszugeben.

Bastel-Anleitungen für Notebooks
Name & URL Bemerkung
Acer Notebook-Modell auswählen, unter "Technical Documentation Manual" das Dokument in der gewünschten Sprache laden
Apple Anleitungen für Tastatur-Ausbau, Schrauben unter Gummifüßchen (nur iBook, Powerbook), RAM, HD
Dell Dell-Anleitungen: Modell auswählen, auf Handbuch klicken
HP "See support and troubleshooting information" anklicken, Modell eingeben, dann "Maintenance and Service Guides" runterladen
Lenovo / IBM für Thinkpads: unter "User's guides and manuals" gibt's den Eintrag "Hardware Maintenance Manual"
7Manuals kostenpflichtiger Download vieler Manuals und Bauanleitungen für einige Dollar, auch solche, die andere kostenlos anbieten
CMS Products Anleitungen zum Festplattentausch (Dell, HP, IBM, Micron, Toshiba)
Do-It-Yourself Laptop & Notebook Link-Sammlung zu Service-Manual für zahlreiche Modelle
Dominion Repair Service 10 US-$ pro Manual für Geräte von, Acer, Dell, HP, Lenovo, Sony, Toshiba; mit dabei auch solche, die es woanders kostenlos gibt
eServiceInfo.com kostenlose Service-Manuals vieler Modelle, mit Suchfunktion
Laptop-Clinic.com kostenlose Service Manuals für Laptops von Acer, Dell, HP, IBM, Sony, Toshiba
LaptopUpgrade Upgrade- und Ersatzteile für HP, Dell, IBM, Toshiba, Sony, Apple, Gateway, Panasonic, Acer
NotebookServiceManuals.com kostenpflichtiger Download vieler Manuals und Bauanleitungen für einige Dollar, auch solche, die andere kostenlos anbieten
YouTube Videos zu Laptop-Upgrade

Für die anderen Notebooks, zum Beispiel die von Toshiba oder Fujitsu Siemens, helfen Seiten wie "Do-It-Yourself Laptop & Notebook" oder "eServiceInfo.com" weiter. Sie bieten umfangreiche Sammlungen von Service-Manuals oder verweisen darauf. Natürlich wittern einige ein Geschäft, indem sie versuchen, mit den Manuals Geld zu verdienen. Zuerst sollte man jedoch die zahlreichen kostenlosen Angebote durchforsten, bevor man bis zu zehn US-Dollar pro Anleitung bei den Bezahlangeboten ausgibt, zumal die kostenpflichtigen Angeobte auch die frei zugänglichen Manuals enthalten.

Von allgemeinen Online-Tutorials oder dicken Büchern darüber, wie man sein Notebook auseinandernimmt, raten wir ab. Den Anspruch, für jedes Notebook Hilfestellung zu geben, können sie angesichts der Gerätevielfalt nicht erfüllen. Und wegen der raschen Modellzyklen muss ein Buch bereits beim Erscheinen zwangsläufig schon veraltet sein.

Die Schräubchen im Gehäuse sind klein und deren Köpfe mit falschem Gerät leicht zu beschädigen. Zur Grundausrüstung fürs Notebook-Update gehören deshalb verschieden große Flachband- und Kreuzschlitzschraubendreher. Torx-Schrauben mit ihrem sternförmigen Loch sind eher selten.

Wenn nicht nur die mit zwei oder drei Schrauben befestigte Klappe weg muss, sondern die große Bodenabdeckplatte mit bis zu einem Dutzend Schrauben verschiedener Länge und Dicke, dann sollte man den Ordnungsfanatiker raushängen lassen: Am besten räumt man eine Schreibtischecke leer und ordnet die Schrauben fein säuberlich so an, wie sie im Notebook steckten. Das hilft beim Zusammenbauen und verhindert das Zerstören eines Gewindes durch das Wiedereinsetzen einer falschen Schraube.

Um eine große Abdeckplatte zu entfernen, genügt es nicht, die Schrauben zu lösen. Erst müssen die Schrauben aus den Vertiefungen raus, denn sonst kann beim Anheben der Platte wegen der bei den Konstrukteuren so beliebten Plastikhäkchen eine Ecke hochspringen und katapultartig die Schrauben im Zimmer verteilen. Dreht man einfach das Notebook um, damit die Schrauben herausfallen, geht aber das Wissen darüber verloren, in welches Loch welche Schraube gehört.

Abhilfe schafft ein simpler Trick: Die Spitze des Schraubendrehers drückt man einen Millimeter in einen Klebestift. Dann leicht auf die bereits lose Schraube, etwas verkanten und schon bleibt die Schraube haften – Kleber entfernen nicht vergessen. Flüssigkleber sollte man wegen der Rückstände und der größeren Klebkraft vermeiden. Natürlich gibts für solche Fälle auch Profiwerkzeug mit Magnetaufnehmer. Wer solche Schraubendreher hat, kann sie durchaus verwenden, unserer Erfahrung nach werden elektronische Komponenten dadurch nicht beschädigt.

Manchmal liegen die Bänke für MiniCards oder auch ein Speicherslot unter der Tastatur. Um diese zu entfernen, reicht es häufig nicht aus, die Tastaturschrauben auf der Unterseite zu lösen. Im günstigsten Fall klemmt die Tastatur nur mit federnden Stiften unter einer Plastikleiste. Ein nicht allzu schmaler Schraubendreher drückt diese Stifte von der Tastatur weg, die andere Hand zieht die Tastaturplatte etwas nach oben, um zu verhindern, dass ein Stift wieder zurückspringt.

Im ungünstigsten Fall muss erst die Plastikleiste zwischen Tastatur und Display-Deckel weg. Meist ist sie verschraubt, doch bei manchen Notebooks klemmt sie fest im Gehäuse. Bei vielen Latitude-Modellen zeigt eine Einbuchtung rechts, wo der Schraubendreher (mit dicker Klinge!) ansetzt, um diese Leiste anzuheben. Man muss die Plastikleiste stark verdrehen und nach oben und unten bewegen, bevor sie sich plötzlich wie von selbst löst. Viel Fingerspitzengefühl ist notwendig, um nichts abzubrechen und es ist manchmal schwierig zu beurteilen ob noch eine Schraube drinsteckt, oder tatsächlich nur die Leiste fest sitzt. Gerade deshalb sind Service-Manuals so wichtig, weil sie zeigen, welche und wie viele Schrauben gelöst werden müssen.

Der empfindliche Folienstecker der Tastatur kann erst dann aus der Halterung gezogen werden, wenn die kleinen Zapfen rechts und links gelöst werden. Nach getaner Arbeit liegt die MiniCard-Bank ungehindert vor einem. Aufs frisch eingesetzte WLAN-Modul müssen dann nur noch die Antennenstecker drauf, die meist neben der MiniCard-Bank kleben oder liegen. Diese winzigen Antennenanschlüsse sollte man so behandeln, als wären sie Einwegstecker. Sie sind so empfindlich, dass sie nur wenige Steckvorgänge aushalten, bevor der Kontakt leidet. Das Millimeter große Steckerchen muss ohne zu verkanten auf die Buchse gesetzt werden, und mit viel Fingerspitzengefühl drückt man den Stecker rein. Der Finger ist dafür zu dick und zu weich, wir nehmen dafür gerne die Plastikkappe eines Stifts.

Muss ein Antennensteckerchen entfernt werden, dann löst man es am besten mit den Fingernägeln. Eine Zange oder eine Pinzette könnte mehr Schaden anrichten als helfen. Nicht gebrauchte Antennenstecker müssen auf dem Mainbord fixiert werden. Dafür reicht Isolierband, das auch den Kontakt des Steckerchens mit anderen leitenden Teilen verhindern muss.

Man braucht keinen Fachmann, um sein Notebook zu modernisieren, sondern vor allem eine gute Anleitung, die es zum Glück für zahlreiche Notebooks gibt. Beherzigt man noch die Tipps dieses Artikels, dann steht dem Upgrade nichts im Wege, es sei denn, man hat die sprichwörtlichen beiden linken Hände. Wer noch nie einen Schraubendreher in der Hand gehalten hat, sollte mit dem Aufschrauben nicht bei seinem Notebook anfangen.

Doch manchmal kapitulieren selbst die Notebook-Spezialisten von heise mobil vor versteckten Schrauben und fest sitzenden Kunststoffhaken. In solchen Fällen muss tatsächlich ein Fachbetrieb ran. Aber bei den meisten Modellen gelingt der Zugang zu den Upgrade-fähigen Komponenten wie Festplatte, Speicher und MiniCard problemlos. (jr)