Heise und Igel

@ctmagazin | Editorial

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Heise und Igel

Brigitte, Schöner Wohnen oder c't - von jetzt an schreiben sie reformerisch. Frei nach der Devise: Eine Umstellung ist besser als zwei Rechtschreibungen.

Technisch veranlagte Menschen nehmen so was gemeinhin ja nicht so wichtig. "Alles algorithmisiert", sagen sie, wenn es um Rechtschreibung geht: "Konverter und Korrekturprogramm drüberlaufen lassen, fertig". Deshalb auch keine kann Fehler geben in die c't.

Sprache lebt, die der Computerbranche wuchert mit dem Technikfortschritt um die Wette - da hält kein Korrektur-Automat mit. Über Computertechnik zu schreiben bedeutet daher immer auch Sprach-Entscheidungen zu fällen und die Sprache jenseits aller offiziellen Kommissionen zu reformieren.

Uns bleibt keine Zeit abzuwarten, bis im Duden steht, ob wir "EMail", "eMail", "e-Mail", "e-mail" oder "E-Mail" schreiben sollen. "Hightech","high-tech", "High Tech" oder "Hi-Tec" - warum ist das nicht beliebig, solange es keine Missverständnisse gibt? Weil dann doch durcheinander gerät, ob der Computer die Geisel oder die Geißel der Sprache ist.

"Wwe." für Witwe steht als ältlicher Adressbestandteil im Duden, www dagegen fehlt. Hier müssen wir selbst Sprachspielregeln finden. Heißt es "der" oder "das", und wie überhaupt wird E-Commerce geschrieben? Unser Strickmuster: Wie E-Mail plus "der" von Kommerz.

Aber: Es heißt "der" Uniform Resource Locator und folglich "der" URL, "wie Doktor", sagt die Redaktion. "Die URL ist Sprachgebrauch", beschließt indes das Korrektorat. Bei der Frage "desinstallieren" versus "deinstallieren" hingegen setzt sich die mit "Deodorant" argumentierende Redaktion gegen das "desillusionierte" Korrektorat durch - Anekdoten aus dem Sprachlabor c't.

"Der Duden verzeichnet Wörter, nicht weil sie richtig sind, sondern weil sie sich allgemein durchgesetzt haben", erklärt einer unserer Korrektoren. "PC ist der persönliche Computer. Im Duden steht aber Personalcomputer, als wäre der fürs Küchenpersonal." Und was heißt überhaupt "durchgesetzt"? Bei "email" meldet die Suchmaschine Altavista von den deutschen Webseiten 3 Millionen Treffer, während sie bei "E-Mail" nur auf gut 800 000 kommt.

"Weltweit die aktuellsten Neu-Innovationen in Europa" oder "Mega-Metafunktionalitäten" - die Sprache von solchen Wort-Ungetümen zu befreien macht einfach Spaß. Kniffliger wirds schon mit "Technology": Wann heißt es "Technologie", wann schlicht "Technik"?

Jeder von uns wünscht sich nichts weiter, als Anwendungen mit Ziehen und Fallenlassen einzuführen und per Zweifach-Mausknacks zu öffnen. Doch auch beim neuesten Bedienerpäckchen meldet der Sachverbindungs- und Einbettungsdiener dann und wann: "Fehler." Trotz bester Vorsätze wird da der Leithammel schnell zum Leidhammel. Hast du was gebackuped, gebackupt, upgebackt, aufgebacken, dann heißt es: "Wer hat das gelayoutet, outgelayd, geemailt?"

Viele Wörter, die unser täglich Arbeitsmaterial sind, kennt der Duden nicht, da wünschten wir uns mehr. Andererseits: Was nicht im Duden steht, können wir nur richtig schreiben - so lange, bis der Duden kommt und sagt, dassdaß es falsch ist.

c't und Duden ... Heise und Igel.

Maria Benning