HiFi-Meßlabor

Audiot V1.1c für Windows 95

Test & Kaufberatung | Kurztest

Wer sich mit der Audiotechnik beschäftigt (und das sind fast alle ernsthaften Musikhörer), möchte oft dem eigenen Equipment, vom Verstärker bis zu den selbstgebauten Lautsprecherboxen, auf den Zahn fühlen. Das alles und noch viel mehr - mit dem Audiot wird dieser unfinanzierbare Traum auch für den Amateur Realität.

Der Audiot ist das kleine Meßlabor zum günstigen Amateur-Preis, welches seit langem auf dem Sharewaremarkt vermißt wurde. Er enthält ein Oszilloskop, einen Wobbelfrequenzgenerator, einen Sinusgenerator und einen Spektrumanalyser. Der 'Haken': Da sämtliche Funktionen rein digital ablaufen, ist die Qualität der Messung von der verwendeten Hardware abhängig. Der Audiot arbeitet dabei mit allen üblichen Multimedia-Geräten, die unter Windows zur Verfügung stehen, zusammen. Darunter fallen alle üblichen Soundkarten, aber auch spezielle Digital-In/Out-Karten. Fast schon unglaublich erscheint da die bereits vorhandene Unterstützung von bis zu 24 Bit Auflösung.

Wer schon immer mal mit einem Sinus-Generator seine HiFi-Anlage mit abgrundtiefen Bässen quälen wollte, startet als erstes den Generator. Hier läßt sich die erzeugte Frequenz und Ausgabelautstärke des hochreinen Sinus bequem per Maus einstellen. Zwar erreicht der Audiot nicht die Klasse eines HpW Works (insbesondere bei der Analyse); mit einem Klirrfaktor von unter 0,00004 % (kein Druckfehler!) hängt die tatsächlich erzielbare Qualität des Ausgangssignales aber wirklich nur von der Hardware ab. Der Generator bietet die üblichen Samplefrequenzen bis 48 kHz und eine Auflösung von 8, 16 und 24 Bit.

Nach einem Klick auf 'Wobbeln-Setup' gelangt man zu der sicher für die meisten Anwender interessantesten Funktion, der 2-kanaligen Messung des Frequenzganges. Im Setup ist dazu die Anzahl der Frequenz-Schritte, der zu durchlaufenden Frequenzbereich, die Schrittweitenberechnung (linear/logarithmisch), die gleichzeitig mitlaufende Phasenmessung und die Referenzierung einzustellen. Letzteres ist ein bekannter Trick, durch die Hardware verursachte Abweichungen zu kompensieren. Dazu wird ein Kanal ohne externen Prüfling quasi als Schleife gefahren, der andere dagegen zum Messen des Prüflings benutzt. Der Schleifenkanal dient als Referenz, alle hier auftretenden Pegelfehler werden bei der Messung des Prüflings berücksichtigt, so daß man ein praktisch fehlerfreies Meßergebnis erhält. Auch wenn die Onlinehilfe im Baßbereich keine vollständige Korrektur von Abweichungen prognostiziert, hinterließ eine Terratec Maestro einen schnurgeraden Frequenzgang. Im Meßdiagramm lassen sich mit der Maus Meßwerte direkt ausmessen, von der Frequenz über den Pegel (auch relativ) bis zur Flankensteilheit (sehr nützlich bei Frequenzweichen).

Das zu eichende Oszilloskop ist einem realen einfachen Zweistrahl-Oszilloskop nachempfunden. Es dient hauptsächlich zur Visualisierung der gerade gemessenen Wellenform, allzu hohe Ansprüche sollte man hier nicht haben. Wie sich in der Praxis zeigt, geht die hauptsächliche Einschränkung jedoch nicht vom Programm, sondern von der Hardware aus. Mit einer Abtastrate von 22 kHz bis 48 kHz läßt sich nun einmal nicht allzuviel auf dem Bildschirm darstellen.

Einiges mehr in Sachen Darstellung bietet dagegen die Spektrumsanalyse, mit der auch der Klirrfaktor erfaßbar wird. Bis zu 4096 Punkte, 24 Bit und verschiedene Bewertungsfenster ergeben wiederum übliche Soundkarten weit übertreffende Möglichkeiten.

Fazit: Der Audiot ist ein tolles Programm. Einfach zu bedienen, mit vielen interessanten Funktionen ausgestattet und bei guter Hardware sogar sehr genau. Druckfunktion und Zwischenablage machen ihn allgemein verwendbar. Die Anwendung macht viel Spaß, auch wenn in diesem frühen Stadium der eine oder andere Bug ab und zu einen Neustart des Programmes erfordert. (se)


Audiot 1.1c (audiot1.zip, Shareware: 50 DM) ist unter anderem bei http://home.t-online.de/home/sumuller oder in der c't-Mailbox per Download erhältlich.

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