HiFi schlank

MP3 auf dem Macintosh

Test & Kaufberatung | Kurztest

Während die Musikindustrie noch zögert, hat die Computerzunft das MPEG-Layer-3-Format längst zum Standard für schlanke Audiodateien in guter Qualität erkoren. Die passende Software zum Kodieren und Abspielen der MP3-Dateien gibt es auch für MacOS.

Wo Audio-Tracks zig Megabytes verschlingen, begnügen sich ihre Pendants im MP3-Format mit einem Zehntel des Platzbedarfs - bei verringerter Qualität sogar mit weniger. Plötzlich passen hunderte Titel aus der persönlichen Lieblingssammlung auf die Festplatte, so daß man etwa den Ohrhörer am Notebook anschließen und den CD-Walkman zu Hause lassen kann. Statt auf der selbstgebrannten Audio-CD, die kaum mehr als 20 Musik-Tracks faßt, speichert man zehnmal so viele Stücke im MP3-Format auf Daten-CD-ROM ab. Der Trick: Die passenden MPEG-Encoder reduzieren ein Musikstück um jene Bereiche, die das menschliche Gehirn laut gehörpsychologischer Untersuchungen ohnehin nicht wahrnimmt. Die Ergebnisse klingen erstaunlich gut, meist hört man die Unterschiede zwischen Original und `Fälschung´ nicht [#lit1 [1]].

Zum schlagartigen Rückzug aller Freeware-Encoder-Programme führten die Lizenzforderungen der Algorithmenschöpfer von Fraunhofer und Thomson. Eines ist mittlerweile wieder im Web zu finden - der MPecker Encoder von Rafael W. Luebbert. Auch der Schwede Tord Jansson hat unter http://home.swipnet.se/~w-82625/ eine Freeware angekündigt, doch bleibt abzuwarten, wie sich die rechtliche Lage entwickelt. Auf Dauer wird wohl nur Shareware und kommerzielle Software legal weiterexistieren können. Vielleicht bekommen Mac-User ja auch demnächst ihren eigenen MP3-Encoder als QuickTime-Bestandteil? Gerüchten zufolge steht Multimediapionier Apple in Verhandlungen mit den Patentinhabern.

Zum Aufbau einer individuellen MP3-Sammlung taugt der MPecker allemal. Von 32 bis 256 kBit/s beherrscht er alle gängigen Datenraten, vier `Psychomodelle´ führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Normal, High oder Monopolize - je nach Einstellung nimmt das Programm den PowerPC mehr oder weniger in Anspruch und überläßt auch anderen noch Rechenleistung. Der Autor behauptet, auf einem schnellen Macintosh könne sein MPecker einen Titel sogar schneller als in Echtzeit kodieren, doch das konnten wir nicht nachvollziehen. Immerhin erlaubt eine Batchfunktion die reihenweise Abarbeitung einer ganzen Titelliste, so daß man den MPecker auch nachts rechnen lassen kann. Leider bleibt die direkte Verarbeitung von Audio-Tracks auf CD `on the fly´ einer späteren Programmversion vorbehalten; die aktuelle Fassung verarbeitet lediglich AIFF-Dateien. Ansonsten gibt es an der Arbeitsweise und den Ergebnissen aber wenig auszusetzen, jedenfalls solange man die Dateien nach Gehör statt mit penibler Meßelektronik bewertet.

Zum Abspielen der MP3-Dateien buhlen gleich mehrere Free- und Sharewareprogramme um die Gunst der Mac-Gemeinde; ich persönlich bevorzuge MacAmp. Per Drag&Drop nimmt es MP3-Dateien in individuelle Playlisten auf. Wer mag, kann so unterschiedliche Sammlungen etwa für Klassik und Pop oder nach Interpreten sortiert pflegen. Lautstärke und Balance lassen sich einstellen; die restlichen Funktionen sind mehr oder weniger schmückendes Beiwerk. Den Equalizer zum Anheben oder Absenken einzelner Frequenzbänder beispielsweise wird man nach dem ersten Herumspielen kaum ernsthaft benutzen, ebensowenig wie das `Levelmeter´ oder das LED-Plug-in; beide zeigen die Aussteuerung der Stereokanäle wahlweise im Fenster oder in den drei LEDs der Mac-Tastatur an. (se)

[1] Matthias Carstens: Musik kompakt, Audio-Kompression mit MPEG Layer-3, c't 21/98, S. 242


MPecker Encoder (Freeware) steht unter http://www.anime.net/~go/mpeckers.html, MacAmp (Freeware) unter http://www.macamp.com/ zum Download bereit.

Anzeige
Anzeige