Highlights von Linux 5.4: exFAT, I/O-Controller und Treiber für neue AMD-GPUs Update

Linux Kernel 5.4

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Support für Microsofts exFAT-Dateisystem, verbesserte Regelung der Datenträgernutzung und Treiber für neue Radeon-Grafikchips sind die Highlights von Linux 5.4.

Linus Torvalds hat die erste Vorabversion von Linux 5.4 freigegeben. Damit sind die wesentlichen Neuerungen des für den 18. oder 25. November erwarteten Kernels absehbar:

  • Mit dem neuen Control-Group-I/O-Controller Blk-Iocost können Admins besser regeln, wie stark Prozesse die Datenträger eines Systems fordern können. Damit lässt sich etwa verhindern, dass ein Container die Storage-Hardware so stark belastet, dass andere kaum mehr zum Zug kommen und extrem langsam laufen. Blk-Iocost soll Schwächen älterer Cgroup-I/O-Controller vermeiden, die ähnliches ermöglichen; dadurch soll sich etwa das Leistungspotenzial von Festplatten und SSDs besser ausschöpfen lassen.
Bei Linux 5.3 stieß Support für die AMD Radeon RX 5700 zum Kernel, mit 5.4 folgt Unterstützung für einige andere Karten der 5000er-Serie. (Bild: Carsten Spille/c't)
  • Der neue Kernel unterstützt fünf Grafikchips von AMD, die alle in nächster Zeit auf den Markt kommen sollen. Darunter sind die Navi12- und Navi14-GPUs, die offenbar bei weiteren Modellen der im Sommer eingeführten Radeon-RX-5000-Serie zum Einsatz kommen soll. Einer der zwei dürfte auf den RX-5500-Modellen sitzen, die AMD noch im Oktober einführen will. Ferner spricht Linux jetzt auch die Arcturus-GPU an, die wohl auf der älteren Vega-Architektur beruht und vermutlich auf Beschleunigerkarten für GPGPU (General Purpose Computation on Graphics Processing Units) sitzen soll. Darüber hinaus unterstützt der Kernel auch schon die Grafikeinheit der mit Zen2-Kern ausgestatteten Renoir-Prozessoren, die AMD Berichten zufolge Anfang 2020 einführen will und für Desktops und Notebooks vorsieht. Ferner unterstützt Linux auch schon die GPU von Dali-Prozessoren, die wohl eine Weiterentwicklung der Raven-Ridge-Prozessoren sind und AMD für Mobilgeräte und Billig-Systeme vorsieht.

Neben diesen drei Highlights gab es zahlreiche weitere Neuerungen; einige der wichtigsten hier im Kurzüberblick:

  • Mit dem neuen Virtio-Fs sollen virtuelle Maschinen (VMs) einzelne Verzeichnisse des Host-Dateisystems leichter einbinden können; die Zugriffsperformance in VMs soll dabei nahe an die heranreichen, die direkt auf dem Host erzielt wird.
  • Google-Entwickler haben Fs-Verity eingebracht, mit dem sich die Integrität von Dateien in schreibgeschützten Ext4- und F2FS-Dateisystemen sicherstellen lässt. Das soll offenbar bei Android zum Einsatz kommen, um etwa das Basissystem vor Modifikationen zu schützen.
  • Die Kernel-Entwickler haben große Teile einer "Compile Once, Run Everywhere" (CO-RE) genannten Infrastruktur integriert, durch die viele BPF-Programme nicht mehr nur mit dem Kernel-Image laufen, für das sie kompiliert wurden, sondern sich unter verschiedenen Kernel-Images verwenden lassen. Das sollte etwa den Einsatz von Tracing- und Debugging-Werkzeugen erleichtern, die sich die mächtige BPF Virtual Machine des Linux-Kernels zunutze machen.
  • Einige Detailoptimierungen sollen die Performance von Systemen mit zwei oder mehr AMD EPYC verbessern.
  • Linux 5.4 bringt eine Lösung für ein Problem mit, durch das einige 64-Bit-Spiele auf den neuesten AMD- und Intel-Prozessoren nicht mit Wine & Co. laufen, weil dort eine Sicherheitstechnik dazwischenfunkt.
  • Über den neuen Kernel-Parameter cifsroot= kann man den CIFS-Dateisystem-Code jetzt anweisen, beim Start eine Samba- und Windows-Freigabe als Root-Dateisystem einzubinden.
  • Mit dem neuen Device-Mapper-Target Dm-Clone kann man in Sekundenschnelle einen Klon eines Device-Mapper-Datenträgers anlegen; dieser ist sofort nutzbar und vervielfältigt die Daten parallel im Hintergrund .
  • Wie immer haben die Kernel-Entwickler den Hardware-Support erheblich verbessert, indem sie neue Treiber aufgenommen oder existierende erweitert haben. Einige Beispiele: Der Thunderbolt-Treiber unterstützt jetzt beispielsweise den Controller, den einige der im Spätsommer angekündigten Ice-Lake-CPUs von Intel enthalten. Der Treiber R8169 spricht jetzt auch Realteks 2.5-GBit/s-Ethernet-Chip RTL8125 an. Die Eingabegerätetreiber bieten jetzt Support für die Logitech Laser-Gaming-Mouse G700 und das von ihr verwendete Logitech-Wireless-Interface "Lightspeed". Der Thinkpad-Acpi-Treiber unterstützt jetzt die PrivacyGuard genannte Funktion, die sich bei einigen Lenovo Thinkpads der Serien T480s, T490 und T490s findet; sie soll etwa im Zug vor neugierigen Blicken von der Seite schützen, indem sie den Monitor in einen stark blickwinkelabhängigen Modus schaltet, durch den sich Inhalte nur bei Frontansicht klar erkennen lassen.
Linux 5.4 wird mindestens zwei Jahre gewartet. (Bild: Screenshot von kernel.org )
  • Linux 5.4 wird ein Longterm-Kernel, den die Linux-Entwickler mindestens zwei Jahre mit Korrekturen versorgen.

Mit Freigabe der ersten Vorabversion von Linux 5.4 geht es jetzt von der Hauptentwicklungsphase dieser Version in die Stabilisierungsphase über. Die dauert häufig sieben und manchmal acht Wochen; nur sehr selten ist es mal eine Woche weniger oder eine mehr. Sofern auch diesmal alles wie gewohnt läuft, dürfte Linux 5.4 daher in der Nacht auf den 18. oder 25. November erscheinen.

Schrittweise aktualisierter Text zu Linux 5.4

Die Neuerungen des für den 18. oder 25. September erwarteten Linux 5.4 sind seit dem 30. September absehbar, denn da hat Linus Torvalds die erste Vorabversion dieser Kernel-Version freigegeben. Die bringt alle wesentlichen Änderungen schon mit, denn damit hat er wie üblich die "Merge Window" genannte Phase des Entwicklungszyklus abgeschlossen, in der er das Gros der Umbauten für eine neue Kernel-Version vornimmt. Größere, erwähnenswerte Änderungen erfolgen danach nur in Ausnahmefällen; es passiert auch äußerst selten, dass er umfangreiche, im Merge Window integrierte Änderung vor der Fertigstellung noch deaktiviert oder gar entfernt.

Das Kernel-Log der c't kann daher schon jetzt die Neuerungen der nächsten Linux-Version detailliert beschreiben. Da es enorm viele Änderungen in zahlreichen Bereichen sind, erweitern wir den Text zwischen Erstpublikation und der Fertigstellung des neuen Kernels mehrfach, um die wesentlichen Änderungen schrittweise in leichter handhabbaren Mengen zu erläutern. Der Artikel beschreibt deshalb bislang nur die Highlights; es folgen noch Texterweiterungen, die sich Neuerungen bei Grafiktreibern, Dateisystemen & Storage, Netzwerk-Unterstützung Infrastruktur, Architektur-Support und Sicherheit näher widmen; dabei werden auch Details zu bislang nur angerissenen Highlights folgen.

Der Newsticker von heise online und der Twitter-Account @kernellog erwähnen größere Erweiterungen des Kernel-Logs zur nächsten Linux-Version. Das neueste Update finden Sie immer auf der ersten Artikelseite, ältere Textpassagen auf den folgenden Seiten. Details zur Versionshistorie des Artikels liefert das Changelog am Artikelende.

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