Highlights von Linux 5.6: Wireguard- und USB4-Support

Linux Kernel 5.5

Trends & News | Kernel-Log

Bessere Unterstützung für den Raspberry Pi 4 und Code für Multipath TCP zählen zu den wichtigsten Neuerungen des in sieben oder acht Wochen erwarteten Kernels.

Linus Torvalds hat die erste Vorabversion von Linux 5.6 freigegeben und damit die Integration der wesentlichen Neuerungen dieser Version abgeschlossen. Die Highlights dieses Ende März oder Anfang April erwarteten Kernels sind damit absehbar:

  • Linux 5.6 wird die VPN-Technik Wireguard unterstützen, die seit einer Weile viel von sich reden macht. Das ist unter anderem einem schnellen Verbindungsaufbau, guter Performance sowie einer robusten, schnellen und transparenten Handhabung von Verbindungsabbrüchen zu verdanken. Außerdem ist die Tunnel-Technik sehr schlank und vielfach simpler zu konfigurieren als ältere VPN-Techniken; Abhörsicherheit realisiert Wireguard mit modernsten Crypto-Algorithmen.
  • Die nächste Kernel-Version der Hauptentwicklungslinie von Linux wird USB4 unterstützen. Diese im vergangenen Sommer finalisierte und aus Thunderbolt 3 hervorgegangene Verbindungstechnik dürfte bereits in einigen Monaten in Systemen auftauchen: Intel Prozessoren der Tiger-Lake-Generation, die die derzeit aktuellen Desktop- und Notebook-Prozessoren der Ice-Lake-Reihe beerben, sollen sie unterstützen.
Linux 5.6 verbessert die Unterstützung für den Raspberry Pi 4.
  • Nachdem Linux 5.5 kürzlich Basis-Unterstützung für den Raspberry Pi 4 gebracht hat, folgt mit 5.6 jetzt ein Treiber für den PCIe-Controller des beliebten Einplatinencomputers. Dadurch lässt sich jetzt auch der darüber angebundene USB-Controller ansprechen.
  • In Linux steckt jetzt Code zur Nutzung der Version 1 von Multipath TCP (MPTCP). Diese Technik handhabt eine Netzwerkkommunikation über mehrere parallel aufgebaute Verbindungen und ermöglicht etwa ein Bündeln der Leitungskapazität oder einen leichten, unterbrechungsfreien Wechsel von WLAN- auf Mobilfunkanbindung.
  • Btrfs kann Datenträger dank des neuen "Async Discard" jetzt per Trim & Co. über nicht mehr genutzte Speicherbereiche informieren, ohne dass es die Performance sonderlich reduziert.
  • In mit VirtualBox betriebenen Virtual Machines (VMs) kann Linux jetzt ohne die Installation von Gasttreibern die Verzeichnisse einbinden, die VirtualBox auf dem Wirt zur Nutzung in Gästen freigibt.
  • Linux 5.6 bringt alle Grundlagen mit, um 32-Bit-Betriebssysteme zu bauen, die nicht am Jahr-2038-Problem kranken. Das ist jahrelangen Bemühungen zahlreicher Kernel-Entwickler zu verdanken. Details dazu finden sich in einem Blog-Beitrag von Arnd Bergmann, der die tiefgreifenden Umbauten maßgeblich vorangetrieben hat.
  • Zahlreiche neue und erweiterte Treiber verbessern die Hardware-Unterstützung. Neu dabei ist etwa der Treiber "ath11k", der 802.11ax-WLAN-Chips von Qualcomm unterstützt.
  • Der Kernel stellt jetzt die Messwerte der Temperatursensoren in modernen ATA-Festplatten und -SSDs via Sysfs bereit. Analyseprogramme wie sensors können diese so automatisch und ohne weitere Konfiguration ausgeben.
  • Der Treiber Nouveau ermöglicht 3D-Beschleunigung jetzt auch mit den "Turing"-GPUs, die auf der aktuellen Generation von GeForce-Grafikkarten sitzen. Wie üblich braucht der Treiber dazu eine von Nvidia signierte Firmware, deren Freigabe das Unternehmen offenbar gerade vorbereitet. Bei den letzten zwei Mainstream-GPU-Generationen war es mit solcher Firmware indes unmöglich, die GPU in die schnellsten oder sparsamsten Betriebsmodi zu schalten. Das ist ein Grund, warum die Performance des Treibers bislang viel zu wünschen übrig lässt. Abzuwarten ist, ob Nvidia es mit der neuen Firmware besser macht oder Nutzern und Entwicklern freier Treiber weiterhin Steine in den Weg legt.

Die Zahl der vorgenommen Änderungen fällt diesmal etwas geringer aus, was Torvalds in der Mail zur Freigabe der ersten Vorabversion auf die Feiertagen rund um den Jahreswechsel schiebt. Mit der Veröffentlichung des RC1 hat er wie gewohnt die Stabilisierungsphase eingeläutet, die zuletzt immer sieben oder acht Wochen lang war. Linux 5.6 erscheint daher mit ziemlicher Sicherheit am 29. März oder 6. April.

Kernel-
Version
Anzahl
Dateien¹
Zeilen
Quelltext
(Ohne
Doku)²
Entwick-
lungs-
zeitraum
Commits
(Ohne
Merges)³
Diffstat⁴
Linux 4.20 62.481 25.955.520
(23.776.585)
63 Tage 14.995
(13.844)
11402 files changed,
685.027 insertions(+),
317.959 deletions(-)
Linux 5.0 63.135 26.203.035
(23.933.016)
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(12.808)
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579.084 insertions(+),
331.570 deletions(-)
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545.423 insertions(+),
288.683 deletions(-)
Linux 5.2 64.587 26.552.127
(24.175.296)
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(14.024)
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624.857 insertions(+),
532.510 deletions(-)
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1.189.832insertions(+),
600.665 deletions(-)
Linux 5.4 65.701 27.538.212
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821.993 insertions(+),
435.081 deletions(-)
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(25.313.538)
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(14.350)
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607.843 insertions(+),
291.305 deletions(-)
Linux 5.6-rc1 67.315 28.160.005
(25.560.758)
n. n. 11.454
(10.780)
10.653 files changed,
573.896 insertions(+),
268.644 deletions(-)
¹ git ls-tree -r --name-only HEAD | wc -l
² find . -type f -not -regex '\./\.git/.*' | xargs cat | wc -l; echo "($(find . -name *.[hcS] -not -regex '\./\.git/.*' | xargs cat | wc -l))"
³ git-log --pretty=oneline vx.(y-1)..vx.(y) | wc -l; echo "($(git-log --pretty=oneline --no-merges vx.(y-1)..vx.(y) | wc -l))"
⁴ git diff --shortstat vx.(y-1)..vx.(y)

(thl)

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