Highspeed-Doppelfunker

UMTS und WLAN

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Ein Forscherteam arbeitet an Geräten, die nahtlos zwischen UMTS-Mobilnetzen der dritten Generation und lokalen WLAN-Basisstationen "wandeln" können.


Bisher haben Skeptiker die UMTS-Mobilfunktechnik und die Funknetztechnik WLAN eher als Konkurrenten gesehen. Mancher Fachmann mutmaßt sogar, dass bereits installierte WLAN-Hotspots in Flughäfen oder auf öffentlichen Plätzen den UMTS-Netzbetreibern viel Wasser abgraben, noch bevor die Mobilnetze der dritten Generation überhaupt den öffentlichen Betrieb aufgenommen haben. Eine skandinavische Forschergruppe will nun aber zeigen, dass die beiden Techniken nur scheinbar in Konkurrenz zueinander stehen.

Die Projektgruppe besteht aus Ingenieuren des schwedischen Kommunikationskonzerns Ericsson sowie der norwegischen Telefongesellschaft Telenor mit Standorten in Oslo und Stockholm. Die Entwicklergruppe hofft mit der künftigen Erweiterung die Attraktivität von UMTS für Internet-Surfer deutlich erhöhen zu können.

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Künftige UMTS-Handys sollen sich auch in superschnelle WLAN-Hotspots einbuchen können. Vergrößern
Während die UMTS-Spezifikation im Idealfall eine Brutto-Bandbreite von maximal 2 Megabit pro Sekunde zulässt - je nach Auslastung der Funkzelle und Störpegel auf dem Funkweg jedoch auch deutlich weniger -, funken schon die aktuellen WLAN-Geräte brutto bis zu 11 MBit pro Sekunde (IEEE-Spezifikation 802.11b). Die künftigen Verfahren 802.11a und 802.11g sollen sogar bis zu 54 MBit/s bescheren. Geräte, die automatisch von UMTS auf das schnellere und in der Regel kostengünstigere WLAN übergehen, wo immer sich die Chance dazu bietet, dürften daher bei Internet-Streifzügen per Handheld oder Laptop mehr Spaß machen als "UMTS pur".

Die Pläne zu dieser Koppellösung laufen unter der Bezeichnung H2U (Higher Capacity to UMTS) und darin ist von ehrgeizigen Zielen zu lesen: Der Kunde eines UMTS-Anbieters soll keinen technischen Problemen mehr begegnen, wenn er zum Beispiel aus dem Taxi am Flughafen aussteigt und sich dann in eine WLAN-Zone des Airport-Gebäudes begibt - sein Surf-Gerät schaltet nahtlos vom Mobilfunkbetrieb auf den Drahtlos-Netzverkehr um. Einziges sichtbares Anzeichen für den Wechsel soll "lediglich" eine deutlich höhere Kommunikationsgeschwindigkeit im WLAN sein.

Derzeit arbeitet die Gruppe, die aus rund 15 Mitarbeitern besteht, vor allem daran, die schwierigen Sicherheitsprobleme zu lösen, die im Zusammenhang mit der WLAN-Technik auftreten können. Projektleiter Tore Worren von der

Telenor-Entwicklungsabteilung meint dazu: "Das größte technische Problem ist, eine Lösung zu konstruieren, die die notwendige Sicherheit gegen Missbrauch bietet - zum Beispiel unbefugtes Abhören -, dabei jedoch für den Nutzer nicht zu kompliziert wird."

Als Vorbild sehen die Skandinavier die etablierte GSM-Funktechnik, die jeder Handy-Benutzer kennt: Mit einem PIN-Code "loggt" man sich im Handy ein und dieses identifiziert sich wiederum beim Mobilnetzwerk. Eine ähnliche Methode will man auch für die H2U-Technik entwickeln.

Das Projekt wurde im März 2001 begonnen. Bisher arbeitet die Forschergruppe zwar noch an ersten Prototypen, doch laut Worren zeigen schon diese Labormuster, dass die Technik in Grundzügen funktioniert. Bis Herbst 2002 hofft man nun, die Lösung auch der Öffentlichkeit zeigen zu können. Zeitlich fiele das mit den ersten größeren UMTS-Projekten zusammen, die in Europa mit Spannung erwartet werden. Noch ist aber unsicher, ob das klappt, denn die H2U-Entwickler sind auf funktionierende UMTS-Netze angewiesen, und bisher schreitet deren Aufbau langsamer als gedacht voran.

Das Hauptinteresse der H2U-Entwickler galt ursprünglich der Funktechnik HiperLAN/2, dem europäischen Pendant zur US-amerikanischen WLAN-Technik 802.11a. Interessanterweise galt Ericsson unter Fachleuten lange Zeit auch bei HiperLAN/2 als Schwungrad für die Entwicklung. HiperLAN/2 war anfangs besonders deshalb verlockend, weil die Spezifikation schon früh eine Protokollschicht unter anderem für die Kommunikation mit UMTS-Mobilnetzen definierte (Convergence Layer, CL). Inzwischen wollen die Forscher laut Telenor-Mann Worren jedoch sämtliche aktuellen und geplanten WLAN-Verfahren in UMTS-Geräten sehen.

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Im Kernnetz vereint: Die Daten von WLAN- und UMTS-Terminals sollen künftige Mobilnetze gemeinsam befördern. Vergrößern
Derzeit versucht die Projektgruppe die H2U-Spezifikation als internationalen Standard zu etablieren. Würde das misslingen, wären allerlei unterschiedliche Adapter für den Übergang von UMTS- zu WLAN-Netzwerken und umgekehrt notwendig, so Worren. Derlei Technik ist bisher aber nicht absehbar und deshalb erwarten die Skandinavier vom UMTS-Branchenforum 3GPP Schützenhilfe. Es soll helfen, die H2U-Spezifikation zu etablieren. Über dieses Gremium erfahren der Ex-Telekom-Monopolist Telenor und Handy-Riese Ericsson auch von Ideen und Wünschen von Konkurrenten und Partnern wie Nokia, Siemens und Vodafone.

Der Erfolg des H2U-Verfahrens setzt natürlich nicht nur eine funktionierende Technik voraus. Die Geschäftsmodelle müssen auch angepasst werden. Das H2U-Projekt zielt derzeit vor allem auf die WLAN-Zonen ab, die bereits Telenors eigene Mobilfunktochter betreibt. Es sollen aber möglichst alle WLAN-Anbieter hinzukommen.

Anders als in Deutschland, wo der Markt der WLAN-Anbieter noch sehr jung und fragmentiert ist, setzt sich die Technik in Skandinavien an öffentlichen Orten immer mehr durch. Die Aufstellung eines WLAN-Hotspot ist zwar nicht teuer, doch kommen laufende Kosten für den Internet-Datenverkehr hinzu. Deshalb ist es für WLAN-Anbieter wahrscheinlich am günstigsten, "wenn sie Verträge mit Mobilfunkfirmen schließen", meint Tore Worren.

Ein Erfolg des H2U-Projekts in Nordeuropa wäre für UMTS-Lizenznehmer und die Mobilfunkbranche angesichts der Meldungen über 3G-Startschwierigkeiten ein gutes Zeichen. Wann das System wirklich läuft, hängt aber vor allem von der Standardisierung ab. Und das kann dauern: Worren hofft, dass eine endgültige Spezifikation Mitte 2003 steht, bevor ein Jahr später erste Produkte auf den Markt kommen.

H2U könnte aber auch der Argumentation, die Internet-Anbindung über UMTS sei aufgrund der zunehmenden Verbreitung der WLAN-Technik unattraktiv geworden, den Boden entziehen: Während UMTS Ballungszentren und Regionen abdecken soll, wird man WLAN auch künftig wohl nur vereinzelt an Flughäfen, öffentlichen Plätzen oder Internet-Cafés finden - eben an Hotspots. Letztlich dürften sich die beiden Funkarten also ergänzen. (dz)

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