Frequency Division bei WLAN

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Dem Vorschlag von Phazr zufolge könnte WLAN ähnlich wie LTE in der FDD-Betriebsart unterschiedliche Frequenzblöcke fürs Senden und Empfangen verwenden (Frequency Division Duplex). Dabei könnte die Basis das 28-GHz-Band zum Senden nutzen und die Clients das herkömmliche 5-GHz-Band.

Mit Millimeterwellen beschäftigt sich auch die Startup-Firma Phazr. Phazr schlägt vor, bei WLAN ähnlich wie bei der verbreiteten LTE-Betriebsart unterschiedliche Frequenzblöcke fürs Senden und Empfangen zu verwenden (Frequency Division Duplex, FDD). Während der Juni-Tagung der WFA erläuterte Phazr in der Task-Group "Long Range" (LRTG), wie eine kommerzielle 5-GHz-Basis mit 802.11ac-Technik mittels Upconversion im lizenzpflichtigen 28-GHz-Band an Clients senden, die 28-GHz-Empfänger haben. Die Clients antworten im herkömmlichen 5-GHz-Band. Bis es soweit ist, wird aber noch eine umfangreiche, detaillierte Spezifikation zu erarbeiten sein. In der Zwischenzeit will Phazr zur November-Tagung der IEEE 802 ein weiteres Tutorial präsentieren.

Diese Frequenzband-Kombination ähnelt einem auch für Light Communication vorgeschlagenem Ansatz. Damit überbrückte Phazr gut 300 bis 400 Meter. Langfristig strebt Phazr eine WFA-Zertifizierung seines Systems an. Bis es soweit ist, wird aber noch eine umfangreiche, detaillierte Spezifikation zu erarbeiten sein.

Das IEEE-802.11-Pendant zur WFA-LRTG ist die Gruppe Wireless Next Generation (WNG). Auf den beiden Tagungen im Mai und Juli gab es einige interessante Beiträge, darunter den Vorschlag, 802.11 fit für zuverlässige Broadcast-Übertragung zu machen. Man könnte die Technik verwenden, um in Sportstadien oder Bahnhöfen vielen Nutzern simultan die gleichen Daten zu senden. Die Spezifikation hat das Zeug dazu, das bislang unbedeutende 802.11aa zu beerben, namentlich mit dem Robust Audio Video Streaming.

Fernsehzuschauern, die Sendungen per IPTV empfangen, beispielsweise das EntertainTV der Deutschen Telekom, könnte es helfen, im WLAN ruckelfreie Bewegtbilder zu bekommen, ohne auf die heute üblichen Hilfsmaßnahmen zurückzugreifen. Eine WNG-Studie bestätigte nun frühere Erkenntnisse, wonach WLANs viel Zeit mit dem Austausch von langsam gesendeten Kontrollnachrichten verschwenden und somit die Sendezeit für Nutzdaten verknappen.

Richtig politisch wurde es mit Vorschlägen, eine WLAN-IoT-Gruppe zu gründen, die auf einen eigenen, Bluetooth-Low-Energy-ähnlichen 802.11-Funk im 2,4-GHz-Band setzt. Doch Vertreter der auf HaLow hoffenden Firmen stellten, welch Wunder, das Ansinnen vehement in Frage. Sie sind der Meinung, dass HaLow (802.11ah) das Feld des Internet of Things (IoT) bestens bedient; WLAN-IoT lehnen sie als potenziellen Konkurrenten ab.

Die aktuellen 802.11-Spezifikationen taugen wegen zu hoher Stromaufnahme nicht für viele IoT-Anwendungen. Manche 802.11-Teilnehmer haben das mit Messungen wie der obigen belegt (Relationship of Peak Transmit Power and Internal Resistance of Battery), um für eine neue Norm zu argumentieren, die den Energiebedarf bremst. (Bild: IEEE)

Dabei gibt es gute Gründe für eine neue Gruppe. Außer dem Vorteil des global verfügbaren 2,4-GHz-Bandes erwähnten die Verfechter von WLAN-IoT, dass erst neue Stromsparmechanismen den jahrelangen 802.11-Betrieb mit einer Knopfzelle ermöglichen werden. Letztlich bat die große Mehrheit der Teilnehmer die Vortragenden, zu einer der nächsten Tagungen weitere Details mitzubringen und auch den optimistischen Zeitplan zu erläutern [--| die Arbeiten an der neuen Spezifikation sollen demnach schon bis 2020 abgeschlossen sein.

Gut voran kommt die Arbeitsgruppe TGba, die "Wake on WLAN" spezifiziert – also 802.11ba respektive das Wake-Up Radio. Nach TGax ist sie die zweitgrößte in der 802.11-Abteilung und kann bereits ein Konzept vorweisen.

Offen ist, ob der Weckfunk einen eigenständigen Client implementiert oder als Teil eines WLAN-Clients aufzufassen ist. Dazu hat sich die ebenfalls von einem geheimen Firmenkartell dominierte TGba noch keine Gedanken gemacht. Das könnte nachteilige Folgen haben. Es gab schon Fälle, in denen solche scheinbar philosophischen Fragen zu spät geklärt wurden, sodass das Verständnis der Terminologie und der Struktur erschwert waren.

Beispiel "Wireless Distribution System": Jeder glaubte zu wissen, was WDS bedeutet. Da der Begriff aber nicht in der WLAN-Norm spezifiziert wurde, entstanden verschiedene Implementierungen und somit Chaos. Das könnte auch bei 802.11ba passieren. Wenn 802.11ba eine zweite Station neben der Haupt-Station definiert (STA), dann gibt es Fragen, die die Anmeldung betreffen. Teilen beide den gleichen Schlüssel? Gibt es vielleicht sogar Daten, die vom Wake-Up-Radio zur Haupt-Station weitergeleitet werden müssen? Die Fragen sind nicht unmittelbar wichtig. Aber langfristig sollte man sie auf jeden Fall beantworten.

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