Vista ruft IPv6

Lokale Netze über IPv6 mit dem Internet verbinden

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Seite 4: Vista ruft IPv6

Die Vista-Dialoge für eine IPv6-Einwahlverbindung nehmen lediglich die Adressen der DNS-Server entgegen. Routing und lokale Adresse legt man per Kommandozeile fest.

Die Einwahl für eine Breitbandverbindung unter Windows Vista konfiguriert man über einige Dialoge, die sich im "Netzwerk und Freigabecenter" verstecken und die der Menüpunkt "Verbindung mit einem Netzwerk herstellen" startet. Der erste Punkt "Verbindung mit dem Internet herstellen" ruft anschließend den Assistent für DSL- und Einwahlverbindungen auf. Dort schaltet man beim Anlegen der Verbindung in den Eigenschaften das bei Titan-DSL unnötige IPv4 ab.

Leider bringt Vista keine Dialoge für die Eingabe von festen IPv6-Adressen bei Einwahlverbindungen mit, wie sie für Ethernet- oder WLAN-Verbindungen bereitstehen. Bei der IPv6-Einwahl greift man daher auf das Konsolenprogramm netsh zurück, dessen Kommandos über einen Neustart des Rechners erhalten bleiben.

netsh interface ipv6 set address "DSL-IPv6" 2001:db8::1

Die letzten beiden Parameter beziehen sich auf den Namen der Einwahl-Verbindung und eine gültige Adresse aus dem vom Provider zugeteiltem IPv6-Bereich. Beide muss man für eigene Experimente anpassen.

Des Weiteren benötigt der Rechner einige Standard-Routen, wobei das zweite Kommando das eigene Präfix enthalten muss:

netsh interface ipv6 add route ::/0 "DSL-IPv6"
netsh interface ipv6 add route 2001:db8::/64 "DSL-IPv6"

Danach zeigt ein ping -6 www.sixxs.net, ob Namensauflösung und Routing funktionieren und die IPv6-Gegenstelle antwortet. Ein Aufruf der Website im Browser führte im Test jedoch zu einer Fehlermeldung. Erst als die Netzwerkkarte, die die physische Verbindung zum DSL-Modem herstellt, eine gültige IPv6-Adresse erhielt, zeigt der Browser die Seite an:

netsh interface ipv6 set address "LAN-Verbindung" 2001:db8::2
Microsoft betreibt anscheinend keine IPv6-tauglichen Update- Server für sein neues Betriebssystem Vista.

Übermittelt das Netz seine Daten ausschließlich per IPv6, ist der Zugang zu Diensten und Servern blockiert, die nur IPv4 verstehen. Momentan gehören die allermeisten Web- und Mailserver dazu, IM-Dienste wie ICQ oder MSN funktionieren nur über Umwege. Auf den Sixxs-Webseiten finden sich zwar einige Hinweise auf reine IPv6-Angebote wie einen IPv6-Bittorrent-Tracker, mehrere Web-Radios, Newsserver, VoIPDienste, Video-on-Demand-Angebote oder Spiele wie Quake oder das Multi User Dungeon Fatal Dimension. Die IPv6-Angebote und -Dienste erreichen hingegen noch längst nicht die Fülle des heutigen IPv4-Netzes.

Für Webseiten stellt das Sixxs einen Proxy bereit, der die Browser und Server der beiden Protokolle zusammenbringt. Erweitert man den Namen eines IPv4-Webservers um den Zusatz ".sixxs.org" oder ".ipv6.sixxs.org", lädt der Proxy sie und übergibt sie an den Browser. Surft man hingegen über IPv4, erledigt der Adresszusatz ".ipv4.sixxs.org" die gleiche Aufgabe für reine IPv6-Webseiten.

Wer jedoch die eingangs erwähnte Tunnel-Methode nutzt, benötigt derartige Hilfsmittel nicht. Die beschriebene, direkte IPv6-DSL-Verbindung verzichtet völlig auf IPv4, sodass man viele Angebote nicht erreichen könnte.

Eine zweite, gleichzeitig aufgebaute DSL-Verbindung per IPv4 behebt dieses Manko und ebnet den Weg zu den IPv4-Angeboten: Dazu benötigt man keine zweite DSL-Leitung, nur einen zweiten DSL-Zugang. Andere Anbieter und Titan-DSL bieten jedoch auch DSL-Zugänge an, die sowohl IPv6 als auch IPv4 mitbringen.

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