IPv6 für kleine Netze

Erfahrungen mit dem neuen Internet-Protokoll unter Linux, Mac OS X, Windows XP und Vista

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Anders als IPv4 kommt das neue Protokoll ohne zentrale Vergabestelle für gültige Adressen in einem LAN aus. Alle nennenswerten Betriebssysteme sprechen IPv6 – wir haben das neue Protokoll in einem lokalen Netzwerk ausprobiert.

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Das Internetprotokoll der nächsten Generation (IPv6) adressiert unvorstellbare Mengen an Computern und Netzwerkgeräten – eine ausführliche Beschreibung liefert der Beitrag Das Mega-Netz auf heise Netze. Außerdem verspricht ein erster Blick auf das Protokoll eine einfache und quasi automatische Einrichtung von Netzwerken – anders als bei IPv4 kommt es ohne eine zentrale Vergabestelle für gültige Adressen in einem LAN aus.

Um Kollisionen von Adressen zu beheben, überprüfen IPv6-Rechner selbstständig, ob ihre Adresse in Netz bereits benutzt wird. Zudem entsorgt IPv6 die aus IPv4 bekannte Netzwerkmaske und Broadcast-Adressen, was die Zahl der Fehlerquellen bei der Netzwerk-Einrichtung nochmals senkt. Diese Gründe und die Tatsache, dass das Protokoll mit den aktuellen Betriebssystemen frei Haus geliefert wird, machen Lust auf erste Versuche mit IPv6 in einem kleinen Netz. Ein Test-LAN mit Linux, Mac OS X, Windows XP und Vista soll zeigen, wie die Betriebssysteme mit dem Protokoll umgehen und was für Dienste sie darin anbieten und nutzen können.

Alle aktuellen Betriebssysteme bringen die Unterstützung für IPv6 mit. Da die Vorgängerversion IPv4 alles andere als überflüssig ist, besitzen Windows, Mac OS X und Linux einen sogenannten Dual-Stack für TCP/IP, der beide Protokoll-Versionen parallel anbietet.

Ein aktuelles Windows XP mit Service Pack 2 enthält das IPv6-Protokoll, man muss es aber von Hand aktivieren. In Windows Vista ist es ab Werk eingeschaltet. Gleiches gilt für Ubuntu, OpenSuse und Mac OS X, das sich ohne Zusatz-Software in einem IPv6-Netz zurechtfindet.

Vergrößern Das Linux-Kommando ifconfig zeigt, dass der Rechner das IPv6-Protokoll unterstützt. Die Netzwerkkarte (eth0) besitzt eine verbindungslokale IPv6-Adresse.

Ob das Betriebssystem tatsächlich mit IPv6 umgehen kann, lässt sich per Einrichtungsdialog oder Kommandozeile auf allen genannten Systemen schnell ermitteln: Unter Windows XP genügt ein Blick in die Eigenschaften der Netzwerkkarte. Taucht dort das Protokoll auf, ist es aktiv. Der Installieren-Knopf in diesem Dialog fügt es bei Bedarf hinzu. Wenn ein Aufruf von ipconfig auf der Windows-Eingabeaufforderung eine Zeile wie beispielsweise "Verbindungslokale IPv6-Adresse: fe80::9dfc:7fe:e8ef:4b3f%8" anzeigt, bringt Windows XP alle Voraussetzungen für IPv6 mit.

Vergrößern Das Einrichtungswerkzeug Yast unter OpenSuse kann auf den ersten Blick IPv6 nur ein- oder ausschalten. Für fest vergebene Adressen muss man das Feld für IPv4-Adressen nutzen.

Die Unterstützung für IPv6 lässt sich auf allen Linux-Fassungen schnell überprüfen, wenn man das Programm /sbin/ifconfig auf einer Unix-Shell aufruft. Alternativ zeigt das Kommando /sbin/ip -6 addr show ebenfalls die IPv6-Einstellungen an.

Vergrößern Unter einem aktuellen Windows XP muss IPv6 von Hand aktiviert und konfiguriert werden.

Im Netzwerk- und Einrichtungscenter von Windows Vista und im Bereich Netzwerke der Systemeinstellungen unter Mac OS X finden sich Einrichtungsdialoge für das Protokoll, die auf Windows XP und Ubuntu vollständig fehlen. Die Verwaltungszentrale Yast unter OpenSuse 10.2 kann das Protokoll unter dem Punkt Netzwerkgeräte pro Schnittstelle lediglich an- oder abschalten.

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