ISDN-Knecht

Anrufbeantworter für OS/2

Wissen | Hintergrund

Anrufbeantworter für ISDN haben immer noch Seltenheitswert - und findet man denn einen, ist er nicht gerade preiswert. Aber es geht auch billiger: Machen Sie doch einfach Ihren OS/2-PC zum Anrufknecht.

Das Fido-Netz ist doch immer noch für Überraschungen gut. Eine ist etwa der ISDN-Anrufbeantworter von Robert Hörner, der die Anschaffung eines Anrufbeantworters für Ihren ISDN-Anschluß komplett überflüssig macht.

Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz sind eine ISDN- und eine Soundkarte sowie gegebenenfalls ein Mikrofon und eine MMPM-Installation. Der ISDN-Anrufbeantworter setzt auf einer funktionsfähigen OS/2-CAPI auf und sollte daher mit allen entsprechenden ISDN-Karten einsetzbar sein. Um einen Testlauf auf der eigenen Hardware kommt man aber aufgrund unterschiedlicher Implementationen und Stabilität der OS/2-CAPIs nicht herum. Maximal vier Wochen darf man den ISDN-Anrufknecht testen. Während dieser Zeit läuft das Programm Isdn.exe maximal 24 Stunden am Stück und verwehrt einige weniger wichtige Servicefunktionen. Es verbrät zur Laufzeit zwischen 700 und 900 KByte Arbeitsspeicher und beansprucht bei der Annahme von Anrufen einiges an Rechenpower. Ein 66-MHz-468er mit 16 MByte RAM sollte also wenigstens zur Verfügung stehen.

Isdn.exe nimmt nach einer einstellbaren Anzahl von Klinglern das Telefon ab, spielt eine wav-Datei als Begrüßung ab und speichert die Nachricht des Anrufers ebenfalls als wav-Datei. In einem Kontrollfenster wird die Anzahl der eingegangenen Anrufe und aufgezeichneten Nachrichten angezeigt. Doch schon die Log-Einträge enthalten dank ISDN deutlich mehr Informationen, als Ihnen ein normaler Anrufbeantworter bieten könnte. So werden beispielsweise die eingehenden Rufnummern mitprotokolliert. Ist der Anrufer im Telefonbuch von Isdn.exe verzeichnet, zeigt es direkt den Namen an. Rufnummer beziehungsweise der volle Name erscheinen bereits im Statusfenster, wenn der Anruf eingeht. Sollten Sie den Anrufknecht also nur als Ruhehüter angeschaltet haben, während Sie am Rechner sitzen, können Sie so bei einem Anruf Ihrer/es Liebsten abnehmen, nervöse Terminmahnungen ungeduldiger Redakteure etwa jedoch hemmungslos ins wav-File umleiten.

Der Autor investierte nicht unmäßig viel Mühe darauf, dem Programm ein sexy Outfit zu verpassen. Die Energie steckte er vielmehr in eine einfache Konfigurierbarkeit. Die gute Nachricht ist daher: Installieren, zwei Mausklicks - und die Sache läuft. In der voreingestellten Standardkonfiguration müssen Sie lediglich eine Begrüßungsansage aufnehmen und festlegen, nach wie vielen Klinglern der Anrufbeantworter anspringen soll.

Sie können aber auch über eine entsprechende EAZ-Zuordung bis zu neun Telefonnummern verwalten lassen. Datenanrufe auf den überwachten Nummern werden optional zu anderen CAPI-Applikationen durchgestellt. Die Einstellungen lassen sich über ein übersichtliches Notizbuch für jede EAZ einzeln festlegen. Für jede Nummer darf man separat die Zeiten einstellen, in denen der Anrufbeantworter sich zuschaltet. Ebenso kann man die Zeitspannen für eventuell gewünschte automatische Rückrufe konfigurieren. Die Fernabfrageoption ist wie bei gewöhnlichen Anrufbeantwortern mit einem Paßwort schützbar.

Das Programm wertet bei eingehenden Anrufen alle verfügbaren Zusatzinformationen aus, unter anderem wird zwischen digitalen und analogen Anrufen unterschieden, für die unterschiedliche Begrüßungstexte möglich sind. Bei digitalen Teilnehmern mit Rufnummernübermittlung kann das Programm sogar ganz gezielt persönliche Nachrichten übermitteln.

Bei allem Komfort fehlt eigentlich nur eines: alle aufgenommenen Anrufe automatisch nacheinander abhören zu können. Echte Schwierigkeiten bereitete lediglich die Fernabfrage, das Programm erkannte die eingehenden DTMF-Töne falsch. Der ISDN-Anrufbeantworter ist die Registrierungsgebühr allemal wert. Für so wenig Geld werden Sie einen echten ISDN-Anrufbeantworter mit vergleichbarem Funktionsumfang vergeblich suchen. (jk)


Isdn.Exe (isdn_112.zip, Shareware, 89 DM) ist in diversen FidoMailboxen der German File Distribution GFD, in der c't-Mailbox sowie ausnahmsweise unter http://www.heise.de/ct/ftp/spezial.shtml zu finden.

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