Interview: "Deutsche Indie-Entwickler könnten frecher und rotziger sein!"

Interview: "Deutsche Indie-Entwickler könnten frecher und rotziger sein!"

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Für die Spiele-Messe Gamescom hatten sich über 40 Indie-Entwickler zum Indie Arena Booth zusammengeschlossen. Wir sprachen mit dem Organisator Robin Kocaurek über die aufwendige Planung und wie es um die Deutsche Indie-Szene bestellt ist.

Um zwischen den ganzen Riesenständen der Publisher auf einer Messe aufzufallen, haben sich kleine Indie-Entwickler zum Indie Arena Booth zusammengeschlossen. In diesem Jahr wuchs der Stand auf über 500 Quadratmeter, auf denen man 60 Spiele ausprobieren konnte. Organisiert wird der Indie Arena Booth von Robin Kocaurek vom Spiele-Entwickler Klonk Games aus München. Wir sprachen mit ihm über die Organisation des Standes, wie die Titel für die Messe ausgewählt werden, was man als kleiner Entwickler bezahlen muss und wie er die Indie-Szene in Deutschland einschätzt.

Robin Kocaurek ist einer der Gründer von Klonk, einem kleinen Games-Entwicklerstudio in München. Als selbsternannter „Creative Business Nerd“ ist der bei Klonk für alles zuständig, was sich ums Geschäft und Öffentlichkeitsarbeit dreht. (Bild: Robin Kocaurek)

Kocaurek: Durch die kurze Vorlaufzeit war es noch ein bisschen schwieriger als eigentlich nötig. Auf der einen Seite ist es eine logistische Herausforderung, so viele verschiedene Einzelstände alle glücklich zu machen. Auf der anderen Seite natürlich auch ein finanzielles Risiko, derzeit wird alles getragen von einer Privatperson. Ohne die ehrenamtlichen Helfer, Sponsoren und Organisatoren wäre das auch nicht gegangen.

Kocaurek: Ja. Der BIU und die Kölnmesse sind uns entgegengekommen, nicht nur beim Preis. Wir haben allgemein gute Unterstützung erfahren, der Indie Arena Booth war sehr gefragt auf der Messe. Wir sind vermutlich einer der pflegeintensivsten Stände für die Kölnmesse gewesen, dafür allerdings auch ein Publikumsliebling. Es war schön zu sehen, dass man als unkonventionelle Gruppierung gerne gesehen wird.

Kocaurek: Die Spiele wurden von den fünf Organisatoren bewertet, in der kurzen Zeit haben wir keine dedizierte Jury aufgestellt. Im nächsten Jahr soll das mit einer längeren Vorlaufzeit anders laufen.

In diesem Jahr konnte man unter anderem den Renner "Distance" unter einer VR-Brille auf dem Indie Arena Booth ausprobieren. (Bild: Indie Arena Booth)

Kocaurek: Der kleine Stand hat 1500 Euro gekostet, der große 9-qm-Stand 3000 Euro. Dazu kommen Kosten wie Unterkunft und Reise, eventuell noch zusätzliche Mietgeräte und Möbel. Kein billiger Spaß, aber dank unserer Sponsoren waren in dem Paket schon Dinge wie Standardausstattung von Möbeln, PC und Bildschirm inklusive.

Kocaurek: Auch der Trend Virtual Reality geht nicht an den Indies vorbei, aber derzeit glaube ich sind Multiplayer Spiele für die Couch auf dem Vormarsch. Es gab viele Titel die zwei bis vier Spieler – teilweise sogar 8 – unterstützt haben.

Kocaurek: Die Ausbildungssituation in Deutschland ist sehr gut, sowohl im Bereich Informatik als auch Gestaltung gibt es viele Fachleute und auch Quereinsteiger. An guten Entwicklern mangelt es kaum. Die vorhandenen Studios sind dank eines gemeinsamen Forums auch gut vernetzt. Ein Problem ist definitiv, dass die Gründerkultur in Deutschland leider nicht so etabliert ist. Scheitern ist sehr verpönt, Sicherheit ist alles. In der Branche ist die Bezahlung leider eher schlecht, was Fachkräfte wiederum abschreckt.

Persönlich glaube ich, dass sich Deutsche Entwickler deshalb auch oft an bestehenden, funktionierenden Konzepten orientieren und wegen einer vermeintlichen Markttauglichkeit nicht so viel trauen und dann ihre Projekte weichkochen. Wir könnten vielleicht etwas frecher und rotziger sein und ungewöhnliche Konzepte durchziehen. Gerade als "Indie" muss man ja nicht so konservativ sein.

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