Interview mit Eclipse-Chef Mike Milinkovich

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Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, erläutert, wie das Eclipse-Ökosystem funktioniert, welche Vorteile es den teilnehmenden Unternehmen bringt und welche Richtung das Projekt für die Zukunft ansteuert.

heise open: Wie würden Sie Eclipse definieren? Wie setzt sich das "Eclipse-Universum" zusammen?

Milinkovich: Eclipse ist in erster Linie eine Community mit innovativen Open-Source-Projekten, gepaart mit einem kommerziellen Ökosystem aus Produkten und Dienstleistungen. Das Einzigartige an Eclipse ist das offene und flache Organisationsmodell, das einige der weltweit größten Softwarehersteller dazu motiviert hat, sich an dieser gemeinsamen Open-Source-Entwicklung zu beteiligen.

heise open: Wie ist die Eclipse Foundation strukturiert? Was sind ihre Aufgaben?

Milinkovich: Die Foundation ist eine von den Mitgliedern getragene nichtkommerzielle Organisation. Mit anderen Worten: die Foundation wird aus den Beiträgen der Mitglieder finanziert. Es gibt insgesamt fünf Mitgliedsklassen: Strategic Developer, Stragegic Consumer, Add-In Provider, Associate und Committer. Der Löwenanteil unserer Gelder stammt von den 18 strategischen Mitgliedern, die bis zu 250.000 US-Dollar pro Jahr zahlen und außerdem Entwickler und Projektleiter für Eclipse abstellen.

Der Vorstand von Eclipse, das Board of Directors, besteht aus den strategischen Mitgliedern und einer Anzahl an gewählten Vertretern der Add-In- und Committer-Mitglieder. Durch dieses Modell hat Eclipse einen großen, aber sehr effektiven Vorstand, der die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb der Community gut vertritt.

Die Foundation ist die Koordinierungsstelle für Community-Aktivitäten. Andere wichtige Aufgaben sind Marketing und IT-Support. Einen wesentlichen Teil unserer Ressourcen verwenden wir auf darauf, sicherzustellen, dass die Eclipse-Projekte eine hohe Qualität an geistigem Eigentum beibehalten. Weil unser Ziel das Fördern eines kommerziellen Ökosystems ist, finden wir es wichtig, dass Unternehmen einfach ihre Produkte auf Basis von Eclipse entwickeln können.

heise open: Welche Rolle sehen Sie für die Eclipse Rich Platform?

Milinkovich: Die Eclipse Rich Platform und die zugrunde liegende Runtime-Umgebung Equinox werden eine bedeutende Rolle spielen für das weitere Wachstum von Eclipse. Wir sehen, dass sowohl ISVs als auch große Software-Entwicklungsunternehmen verstärkt auf die RCP setzen. Equinox basiert auf dem OSGi-Standard und bietet das beste plattformunabhängige Integrationsframework für Anwendungen am Markt. Mit einem leichtgewichtigen Komponentenmodell und einer ebensolchen Runtime-Engine unterstützt es Geräte, Arbeitsplatzrechner und Server. Wir erwarten, dass Equinox ein komplett neues Ökosystem für Eclipse hervorbringen wird.

heise open: Was haben Sie für eine Vision für Eclipse? Was sind Ihre Zukunftspläne?

Milinkovich: Wie bereits erwähnt, erwarten wir, dass die Rich Client Platform eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Was die Tools angeht: da erwarten wir schlichtweg mehr. Mehr unterstütze Sprachen und Plattforme – PHP und Ajax zum Beispiel. Mehr Lifecycle-Management von unseren Projekten wie COSMOS, dem Application Lifecycle Framework (ALF) und Corona. Mehr Modellierungs- und Methodik-Techniken von unserem Eclipse Modeling Framework (EMF) und den anderen Modellierungsprojekten. Mehr embedded Tools vom CDT-Projekt und der Device Software Development Platform. Und das Wichtigste ist, dass jedes einzelne dieser Projekte eine Plattform für ein kommerzielles Ökosystem bilden soll. Wirklich interessant ist daher letztendlich die Liste der Produkte, die auf all diesen Techniken aufsetzen.



Hintergründen des Eclipse-Projekts heise open
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