Kabellose Bluetooth-Kopfhörer: Neun Modelle im Test

Kabellose Bluetooth-Kopfhörer: Neun Modelle im Vergleichstest

Test & Kaufberatung | Test

Zwei winzige Ohrstöpsel, kein Kabel, keine Bügel – wem Komfort beim Musikhören wichtig ist, sollte zu kabellosen Ohrhörern greifen. Hält der Klang unter der gewonnenen Bewegungsfreiheit Schritt?

Kabellose Ohrhörer bieten so einige Vorteile: Beim Laufen stört kein raschelndes Kabel, sie passen in jede Hosentasche und auf Reisen kann man bequem ohne einen drückenden Kopf- oder Nackenbügel einnicken. Vor allem die Bewegungsfreiheit der Bluetooth-Modelle ist unbezahlbar. Um zu prüfen, ob die kabellosen Ohrhörer nur praktisch sind oder auch technisch überzeugen, haben wir sie in einem Test unter die Lupe genommen.

Bei Ohrhörern unterscheidet man zwei Bauarten: In-Ears und Earbuds. Im Vergleichstest gehören einzig die AirPods zu den Earbuds, da sie in der Ohrmuschel sitzen und ihre Lautsprecheröffnungen vor dem Gehörgang liegen. In-Ears haben ihre Lautsprecheröffnungen dagegen im Gehörgang. Wenn die Ohrpolster zur Ohrform passen, sitzen sie weit fester als die Earbuds und bleiben selbst beim Sport und ruckartigen Kopfbewegungen an Ohr und Stelle.

Da In-Ears im Idealfall den Hörkanal abdichten, dringen weit weniger Umgebungsgeräusche zum Ohr und auch kaum Töne vom Player nach außen. In den meisten Fällen ist auch der Klang besser, weil der Gehörgang als Resonanzraum dient und Bässe mehr zur Geltung kommen. Sobald der Gehörgang allerdings einen Spalt offen ist, verlieren die meisten In-Ears ihr gesamtes Bassfundament. Ein Ohrpolster in der richtigen Größe verhindert dies jedoch – den getesteten In-Ears liegen diese in mindestens drei Größen bei.

In-Ears lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Einfache Ohrhörer zum Musikhören, Telefonieren etc. und sogenannte Hearables, die smarte Zusatzfunktionen wie selektives Noise Cancelling (beziehungsweise Geräuschverstärkung) oder die Erfassung von Körperdaten bieten. Die Nuheara IQbuds geben dem Nutzer per App die Möglichkeit, nur das von der Umgebung zu hören, was er möchte und alles andere auszublenden. Auch die Sony WF-1000X verfügen über aktives Noise Cancelling (ANC). Im Test war die Funktion aber bei beiden Modellen nur mäßig effizient.

In den Hearables Bragi The Dash Pro, Jabra Elite Sport, Samsung Gear IconX sind Bewegungssensoren und Pulsmesser integriert, womit sie insbesondere für Sportler interessant sind.

Nahezu alle Testkandidaten verbinden sich via Bluetooth 4.0, 4.1 oder 4.2 mit dem Smartphone oder Tablet. In der Praxis machen die Versionen keinen spürbaren Unterschied. Einzig Apple setzt auf einen eigenen Übertragungsstandard, über den sie nicht viel preisgeben. Auch wenn es sich hierbei nur um eine leichte Abwandlung von Bluetooth handelt, koppeln sich auch Android-Geräte und PCs problemlos.

Sonys WF-1000X sind die einzigen Ohrhörer unter den getesteten Modellen, die den Nahfeldfunk NFC nutzen. Dieser Übertragungsstandard vereinfacht die Bluetooth-Kopplung ungemein: Es reicht, das Lade-Case an das Smartphone beziehungsweise Tablet zu halten, damit sich die beiden Geräte verbinden.

Die winzigen Ohrhörer bieten nur wenig Platz – Kompromisse hinsichtlich Akku und Bedienung lassen sich also nicht umgehen. So fallen die Akkus mit maximal 100 mAh pro Ohrhörer sehr klein aus. Mit keinem der Testgeräte kann man deshalb länger als fünf Stunden am Stück Musik hören. Die Hersteller sorgen jedoch vor, indem sie eine Ladeschatulle mit integriertem Akku mitliefern. Im Test konnten wir die Ohrhörer damit zwei- bis viermal voll aufladen. Laden und gleichzeitig Hören geht allerdings bei keinem Gerät.

Kabellose Ohrhörer beschränken sich in ihrer Bedienung auf einen Knopf oder eine berührungsempfindliche Sensorfläche. Unterschiedliche Befehle werden über Einzel- und Doppeltipps sowie längere Betätigung der Tasten ausgelöst. Physische Tasten sind den Sensorflächen vorzuziehen, da letztere teils unpräzise auf die Bedienung reagieren. Allerdings bringen auch die Tasten einen Nachteil mit sich: Ihre Betätigung kann den Ohrhörer unangenehm ins oder aufs Ohr drücken.

Die auvisio IHS-600.bt ist das Sparpaket unter den getesteten In-Ears. In Sachen Verarbeitung und Design können die Ohrhörer nicht mit der Konkurrenz mithalten. Klanglich bilden sie das Schlusslicht des Testfelds: Es fehlt ihnen an Bass, bei aufgedrehter Lautstärke stechen Höhen unangenehm hervor und Außengeräusche wie Wind werden bei Telefongesprächen ungefiltert weitergegeben. Die auvisio IHS-600.bt sind also mehr für Hintergrundgedudel als für ein außergewöhnliches Klangerlebnis geeignet. Mit einem einzigen Knopf zur Steuerung lassen sich die Musik pausieren, Anrufe annehmen und mit einem Doppelklick Siri oder Google Assistent aktivieren.

Die Apple Airpods funktionieren auch mit Android Geräten

Die Apple AirPods überzeugen mit einem guten Klang. Kräftige, definierte Bässe und gut verständliche Stimmen prägen das Klangbild. Die AirPods lassen sich dank hauseigenem Funk-Chip W1 unkompliziert mit einem iPhone, Mac oder Apple TV verbinden. Auch die Verbindung mit Android-Geräten funktioniert problemlos und bei gleicher Qualität. Einen Nachteil haben die AirPods allerdings: Die Earbud-Bauform verschließt den Gehörgang nicht vollständig. weshalb der Umgebungslärm ungefiltert ins Ohr trifft. Außerdem ist die Passform nicht für jeden Nutzer geeignet, sodass die Ohrhörer in vielen Fällen einfach aus dem Ohr fallen.

Die Beoplay E8 von B&O geben Musik angenehm ausgeglichen und einigerrmaßen räumlich wieder. In Telefongesprächen leitet das Mikrofon beispielsweise Windgeräusche aufgrund des automatisch eingeschalteten Transparency Mode weiter. Die E8 wird über Sensorflächen auf den Ohrhörern gesteuert. Im Test verlief die Steuerung hakelig und die Tippgesten wurden oft nicht erkannt. Auch die Kopplung der Ohrhörer mit der App auf Android-Geräten birgte Probleme. Mit dem iPhone klappte es allerdings gut. Die Akkulaufzeit der E8 hält mit zwei Stunden nur sehr kurz durch.

Die Apollo 7 von Erato bieten den besten Klang: Bässe sind tief und kräftig und auch die restlichen Frequenzen kommen zur Geltung. Damit können die Ohrhörer mit kabelgebundenen In-Ear-Kopfhörern aus der 100-Euro-Klasse mithalten. Sie eignen sich hingegen weniger zum Telefonieren – die Stimmen der Gesprächspartner sind leise und unangenehm spitz. Störgeräusche fängt das Mikrofon hingegen umso deutlicher ein.

Die Apollo 7 überzeugen mit ihrem gute Sitz, sodass sie auch beim Sport nicht herausfallen. Außerdem isolieren die Ohrhörer bei einer richtig gewählten Polstergröße so gut wie kein anderes Testgerät. Geräusche in der Umgebung werden also erheblich reduziert. In Puncto Laufzeit enttäuschen die Apollo 7 allerdings: Der Akku reicht nur für zwei Stunden Musik.

Kabellose Bluetooth-Ohrhörer
Modell auvisio IHS-600.bt Apple AirPods B&O Beo Play E8 Erato Apollo 7
Bauart In-Ear Earbuds In-Ear In-Ear
Gewicht Ohrhörer / Case 8 g / 35 g 8 g / 38 g 13 g / 37 g 9 g / 50 g
Case-Maße (H x B x T) 60 mm x 40 mm x 26 mm 54 mm x 44 mm x 21 mm 73 mm x 46 mm x 33 mm 63 mm x 40 mm 25 mm
Bedienelemente / Lautstärke regelbar Tasten / x Touch-Sensor / x Touch-Sensor / ✓ Tasten / ✓
Bewegungssensoren / Pulsmesser x / x x / x x / x x / x
Bluetooth / NFC 4.0 / x k.A. / x 4.2 / x 4.1 / x
Codecs SBC AAC, SBC AAC, SBC AAC, aptX, SBC
Akku Ohrhörer / Case 50 mAh / 500 mAh 62 mAh / 398 mAh 60 mAh / 365 mAh 50 mAh / 300 mAh
Laufzeit bei 80 dB 2,7 h 4,1 h 2,3 h 2,3 h
Ladebuchse Case Micro-USB Lightning Micro-USB Micro-USB
Schutzart Ohrhörer x x x IPX5
App x x Beoplay x
Bewertung
Klang / Telefonqualität – / ~ + / + + / ~ + + / –
Abschirmung ~ – – ~ +
Handhabung ~ + +
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Die Bragi The Dash Pro erfasst Bewegungen sowie Herzfrequenz, erkennt , ob man läuft, Rad fährt oder schwimmt und lässt sich über Kopfgesten steuern. Soweit die Theorie, in der Praxis sollte man die automatischen Erkennungen und Gesten aber besser deaktivieren: Beim Test im Fitnessstudio starteten die Ohrhörer ständig den Assistenten des Smartphones, öffneten ungewollt das 4D-Menü und meinten beim Gerätetraining, Schwimm- und Laufbewegungen zu erkennen. Die Klangqualität der Ohrhörer liegt im Mittelfeld und das Lade-Case ist wegen seines dicken Akkus sehr klobig.

Die Jabra Elite Sport haben eine integrierten Herzfrequenzmesser und Bewegungssensor. Mithilfe der Jabra-Sport-App kann man diese Daten aufzeichnen und analysieren. Neben diesen Sportfunktionen bestechen die Ohrhörer durch die längste Akkulaufzeit unter den Testgeräten. Über fünf Stunden halten sie durch.

Die Jabra Elite Sport haben ein relativ klobiges Gehäuse. Damit sie auch bei intensiver Bewegung nicht aus dem Ohr fallen, lassen sich kleine Gummihörnchen in verschiedenen Größen aufsetzen. Auch wenn sie halt geben, gibt es einen entscheidenden Nachteil: Die Ohrhörer verursachen schon nach kürzester Zeit Schmerzen.Trotz des ausladenden Gehäuses isolieren die Jabra Elite Sport überraschend schlecht. Generell zeichnen die Ohrhörer ein detailliertes und klares Klangbild.

Die Nuheara IQbuds nutzt Cyborg-artige ANC-Funktionen, um Geräusche zu unterdrücken. Der Nutzer kann Szenarien wie Straße, Büro oder zu Hause auswählen, sodass verschiedene Frequenzen und Geräuscharten gedämpft oder verstärkt werden. Das ANC der IQbuds ist leider nicht so gut, wie man es von großen Over-Ear-Kopfhörern kennt.

Selbst auf höchster Stufe werden alle Geräusche nur gedämpft und nie ganz ausgeblendet. Klanglich halten sich die Ohrhörer eher zurück und lassen dynamische Stücke etwas blechern klingen. Wer also nur Musik hören möchte, sollte sich die IQbuds nicht anschaffen.

Die Ladestationen der Kopfhörer dienen gleichzeitig der Aufbewahrung

Die Samsung Gear IconX zählen zu einer der Favoriten unter den getesteten Ohrhörern. Die trockenen Bässe gefallen genauso wie die klaren Höhen. Die IconX isolieren zudem die meisten Außengeräusche. Auch ihr Sitz ist angenehm und fest, weshalb sie sich auch für den Sport eignen. Ein Bewegungssensor erfasst die Aktivitäten automatisch. Die Gear IconX können dank 3,4 GByte internem Speicher auch ohne Smartphone Musik abspielen. Steuern lassen sich die In-Ears per Tipp- und Wischgesten, die vor allem bei Kälte unpräzise reagieren. Auch die Sprachsteuerung deaktiviert man lieber. Koppelt man die Gear IconX mit einem aktuellen Samsung-Gerät, wird die App Samsung Gear installiert, die unnötigerweise auf Standort und Kontakte zugreift.

Die WF-1000X sind klanglich unauffällig: Sie bieten weder Highlights, noch leisten sie sich Schnitzer. Dank NFC erfolgt die Kopplung mit Android-Geräten sehr schnell und einfach. Optisch geben die In-Ears mit ihrem robusten Metall-Case in Schwarz oder Gold einiges her. Selbst nach stundenlangem Tragen verursachen die WF-1000X keine Schmerzen. Ein Manko der Ohrhörer ist jedoch das aktive Noise Cancelling (ANC): Es filtert nur einen kleinen Teil des Lärms und verursacht dafür selbst ein leises Rauschen. Sogar die passive Dämpfung der Apollo 7 oder The Dash Pro zeigt mehr Wirkung. Im Laufzeittest hielten die Ohrhörer außerdem nur 2,7 Stunden.

Kabellose Bluetooth-Ohrhörer
Modell Bragi The Dash Pro Jabra Elite Sport Nuheara IQbuds Samsung Gear IconX (2018) Sony WF-1000X
Bauart In-Ear In-Ear In-Ear In-Ear In-Ear
Gewicht Ohrhörer / Case 15 g / 142 g 15 g / 68 g 15 g / 73 g 14 g / 55 g 14 g / 71 g
Case-Maße (H x B x T) 82 mm x 63 mm 30 mm 72 mm x 52 mm x 27 mm 97 mm x 47 mm x 34 mm 31 mm x 73 mm x 45 mm 103 mm x 43 mm x 25 mm
Bedienelemente / Lautstärke regelbar Touch-Sensor / ✓ Tasten / ✓ Touch-Sensor / x Touch-Sensor / ✓ Tasten / x
Bewegungssensoren / Pulsmesser ✓ / ✓ ✓ / ✓ x / x ✓ / x x / x
Bluetooth / NFC 4.0 / x 4.1 / x 4.2 / x 4.2 / x 4.1 / ✓
Codecs AAC, SBC SBC SBC SBC AAC, SBC
Akku Ohrhörer / Case 100 mAh / 2200 mAh k.A. 60 mAh / k.A. 82 mAh / 340 mAh k.A.
Laufzeit bei 80 dB k.A. 5,2 h 4,6 h 4,0 h 2,7 h
Ladebuchse Case Micro-USB Micro-USB Micro-USB USB Typ-C Micro-USB
Schutzart Ohrhörer IPX7 IP67 IPX7 x x
App Bragi Jabra Sport Life IQbuds Samsung Gear Headphones Connect
Bewertung
Klang / Telefonqualität + / + + / ~ ~/~ + / + + / ~
Abschirmung + ~ + ~
Handhabung ~ ~ + +
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Bluetooth-Modelle bringen dem Nutzer Bewegungsfreiheiten, die Musik hören, Telefonieren etc. besonders komfortabel machen. Allerdings hat die Freiheit ihren Preis: Die Akkulaufzeiten der kabellosen Ohrhörer fallen kurz aus, die Bedienung und Ergonomie einiger Modelle ist katastrophal, und man zahlt etwa dreimal so viel wie für kabelgebundene Modelle mit gleicher Klangqualität. (hcz)

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