Kalifornien verlangt sparsamere Computer ab 2019 Update

Kalifornien verlangt sparsamere Computer ab 2019

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Ab 1. Januar 2019 müssen in Kalifornien verkaufte PCs deutlich weniger Energie pro Jahr verbrauchen, als bisher zulässig war.

Der US-Bundesstaat Kalifornien will den durchschnittlichen Energieverbrauch kommender Desktop-PCs, Notebooks, Workstations, Thin Clients und Server senken. Die Vorbereitungen zu den neuen Vorgaben laufen seit Jahren.

Die California Energy Commission (CEC) hat im Dezember 2016 Grenzwerte verabschiedet, kurz CEC 2019 genannt, die ab 1. Januar 2019 (Tier 1) sowie ab 1. Juli 2021 (Tier 2) vor allem Desktop-PCs betreffen. Denn nach den Voruntersuchungen erfüllen schon mehr als 70 Prozent der Notebooks die dann gültigen Grenzwerte. Für Server, Workstations und "High Expandability Computers" gelten kompilziertere Regeln schon seit 1. Januar 2018, die je nach Ausstattung mehr Flexibilität erlauben.

Die CEC orientiert sich bei CEC 2019 zwar an den Vorgaben der Energy-Star-Spezifikationen, verlangt ab 1.1.2019 aber noch sparsameren Betrieb als die jüngste Version 7.0 der Energy-Star-Vorgaben für Desktop-Rechner.

Engergy Star 7.0 geht bei der Berechung des typischen Energiebedarfs pro Jahr (Typical Energy Consumption, TEC) davon aus, dass ein PC etwa 50 Prozent der Zeit läuft und die andere Hälfte entweder ausgeschaltet ist (Off) oder im Standby-Modus schläft (Sleep).

Im Betrieb unterscheidet der Energy Star wiederum zwischen Short-Idle und Long-Idle. Gemeint ist jeweils der Leerlauf bei ruhendem Desktop (auch On/Idle genannt), denn bei typischer PC-Nutzung laufen Prozessor, Grafikchip und Massenspeicher immer nur kurzzeitig unter Last. Im Leerlauf schaltet wiederum etwa nach einigen Minuten der Motor der Festplatte ab oder der Netzwerkadapter fällt auf niedrigere Geschwindigkeit zurück (Energy-Efficient Ethernet, EEE), was im "Long-Idle" ein paar Watt sparen kann. Bei Systemen mit SSD dürfte die Leistungsaufnahme in Short-Idle und Long-Idle aber dicht beisammen liegen.

Für gut ausgestatte (Gaming-)Rechner gibt es Zuschläge, die den Stromverbrauch etwa von Grafikkarten und Festplatten berücksichtigen.

Für Desktop-PCs gilt jedenfalls die Annahme, dass sie 35 Prozent der Zeit im Short-Idle laufen, weitere 15 Prozent im Long-Idle, 5 Prozent im Schlafmodus und 45 Prozent im (Soft-)Off-Modus (Nächte/Wochenenden/Urlaub).

Für einfach ausgestattete PCs mit integrierter Prozessorgrafik (IGP) und 4 GByte RAM erlaubt Energy Star 7.0 noch 72,2 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a), nämlich 69 kWh/a fürs System plus 0,8 kWh/a pro Gigabyte RAM. Geht man davon aus, dass der PC im Off- und Sleep-Modus jeweils nur rund 1 Watt benötigt, gehen dafür rund 4,4 kWh/a drauf. Für 4380 Betriebsstunden, also 50 Prozent von 8760 Stunden des Jahres, bleiben dann noch weniger als 68 kWh/a übrig. Der PC darf dann im Leerlauf nicht mehr als 15,5 Watt aufnehmen, wenn man Short-Idle und Long-Idle der Einfachheit halber zusammmen betrachtet.

Die Vorgaben des CEC ab dem 1. Januar 2019 sehen für einfache Desktop-PCs sogar nur eine "TEC Allowance" von 50 kWh/a vor (Table V-8 in 20 CCR § 1605.3). Nach der obigen Rechnung bleiben dann für den Betriebsmodus nur noch rund 10 Watt übrig. Je nach Ausstattung kommen aber Aufschläge (Adders) hinzu, etwa für mehr RAM, eine Grafikkarte oder weitere SSDs und Festplatten.

Auch erweiterbare Rechner dürfen mehr Strom schlucken. Dazu wird unter anderem ein "Expandability Score" (ES) berechnet, etwa je nach Zahl der PCIe-Steckplätze. PCs mit einem ES zwischen 250 und 425 dürfen ab 1.1.19 80 kWh/a verbraten.

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