Kartentricks

Telefonkarten mit dem PC auslesen

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Neben Bierdeckeln und Briefmarken erfreut sich die mehr oder weniger geschmackvoll bedruckte Telefonkarte unter Sammlern einer wachsenden Beliebtheit. Sie als c't-Leser interessiert eher die obskure Technologie, die unter den sechs vergoldeten Kontaktpins zum Einsatz kommt. Ein Lesezusatz für gemeine PCs entlockt den Karten einige ihrer Geheimnisse.

Aufmacher

[#SLE_44xx SLE 44xx non-volatile intelligent memory]
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Telefonkarten bestimmen heute in großem Maße die Landschaft der öffentlichen Telekommunikation. Doch ist es, wie bei jeder neuen Technologie, leider so, daß diese Wundermittel gegen Kleingeld- und Zeitmangel dem Nutzer als 'uneinsichtige' Black box vorgesetzt werden. Die Chipkarten (Smart Cards) können wie ihre Vorgänger, die Magnet- und Lochstreifenkarten, Informationen speichern. Die Speicherung erfolgt bei fast allen Typen, so auch bei den Telefonkarten der Telekom, durch ein EEPROM. Die Karten besitzen jedoch durch eine optionale Sicherheitslogik Vorteile, die sie in der heutigen Zeit besonders interessant machen. Es wäre für die Telekom wenig angenehm, wenn jedermann diese Speicher nach Verbrauch der Telefoneinheiten wieder in ihren Ausgangszustand setzt, also 'auflädt'.

Was bei den Eurocheque-Magnetkarten mit speziellen optischen Verfahren erzielt wird, kann bei Chipkarten direkt auf dem IC integriert werden. Je nach Geldbeutel des Anwenders wird eine festverdrahtete Sicherheitslogik angewendet, die Lese- und Schreibzugriffe auf das EEPROM nur unter speziellen Bedingungen gewährleistet, oder man setzt einen Mikrocontroller ein, der diese Konditionen softwaremäßig überwacht. Den ersten Fall trifft man bei der vorausbezahlten 'Telefonkarte' an, während man dem Mikrocontroller auf der ebenfalls erhältlichen Buchungskarte 'Telekarte' begegnet, die eine Abbuchung der anfallenden Gebühren direkt vom Fernmeldekonto des Kunden ermöglicht.

... hat sich die Telekom, was die Vielfältigkeit der lesbaren Karten betrifft. So bieten die Kartentelefonzellen alle Möglichkeiten eines modernen EEPROM-Programmers: Programmierspannungen von 5 bis 25,5 Volt in 255 Schritten, dazu für die Prozessorkarten mehrere Taktfrequenzen zwischen 1,2 und 9,8 MHz. Die Hauptarbeit verrichtet ein 8031-Prozessor mit 10 MHz Takt, der auf der einen Seite den Dialog mit der Karte abwickelt, gleichzeitig aber auch über ein DOV-Modem (data over voice) Kontakt zur EDV der Post aufrechterhält. Gibt man seine Telefonkarte in den Karteneinschub, so liest das Kartentelefon mit einer Standardeinstellung die ersten 16 Bit der Karte aus. Aus diesem 'Answer to Reset' erhält das Telefon alle Betriebsparameter wie Takt, Programmierspannung (wenn nötig), Übertragungsprotokolle und so weiter. Nach der Einstellung dieser Werte beginnt die weitere Kommunikation mit der Chipkarte.

Im Fall der vorausbezahlten Telefonkarte wird nun der noch vorhandene Betrag aus dem EEPROM ausgelesen, in D-Mark umgerechnet und für den User auf dem Display angezeigt. Man darf jetzt wählen ...

Das DOV-Modem auf Vermittlungsseite teilt dem Kartentelefon auch den Verbrauch einer Gesprächseinheit mit. Der momentane Preis pro Einheit muß nun auf der Karte gelöscht werden, was durch die Übergabe eines Löschbefehls in Verbindung mit der Adresse des zu löschenden Bits an die Karte geschieht. Nach dieser Löschoperation liest der Prozessor den Gebührenstand der Karte erneut, um zu überprüfen, ob die drei Groschen tatsächlich entfernt wurden. Im negativen Fall wäre das Gespräch hier beendet.

Das Kartentelefon mißt die Zeit zwischen zwei Gebührenimpulsen, um dem Benutzer rechtzeitig mitzuteilen, daß sich der Gebührenstand der Karte dem Ende nähert. Sind es weniger als 20 Sekunden bis zum Aus, alarmiert ein Piepton den Benutzer, der daraufhin per Tastendruck die letzten Einheiten auf der Karte ins Telefon 'übertragen' und eine neue Karte einschieben kann. Solange noch Gebühren der ersten Karte gespeichert sind, werden beide Gebührenstände angezeigt.

Ein Kartenleser benötigt nicht die elektronische Vielfalt des Kartentelefons, schließlich weiß man ja, welche Chips man vor sich hat. Und schließlich will (bzw. darf) man die Karten nicht programmieren, sondern nur lesen. Entsprechend einfach gestaltet sich die Hardware. Mit dem Druckerport besitzen PCs eine für diesen Zweck ideale parallele Schnittstelle; die c't-NuBus-I/O-Karte für den Macintosh ist als Bindeglied ebenfalls denkbar, wenn man die Software entsprechend anpaßt. Um teure Steck- und Telefonkarten zu schützen, werden alle Signale gepuffert. Da der Centronics-Port des PC standardmäßig keine Versorgungsspannungen zur Verfügung stellt, wird die Schaltung aus einer nur beim Lesen aktivierten Datenleitung gespeist. Der Stromverbrauch der Schaltung liegt unter 1 mA, zusammen mit dem Eigenverbrauch der Karte ergeben sich rund 2 mA, so daß diese Lösung einwandfrei arbeitet und die Spezifikationen des Druckerports eingehalten werden.

SLE44-Chip von Siemens
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Hinter den vergoldeten Kontakten verbirgt sich der SLE44-Chip von Siemens.7

Aufgrund der Vielzahl der Anwendungsfälle wurden für die Lage der Anschlußpins Normen eingeführt. Daher lassen sich für Karten aus unterschiedlichsten Bereichen die gleichen Adapter verwenden. Will man eine professionelle Lösung (siehe Bild), so kann man bei den im Anhang aufgeführten Firmen Kartenadapter bestellen, die auch im kommerziellen Bereich Verwendung finden, einige hunderttausend Steckzyklen vertragen und nur wenige DM kosten.

Reset-Sequenz der Telefonkarten
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Mit dieser Reset-Sequenz überredet man eine Telefonkarte zur Herausgabe ihrer 128 Datenbits. Bei log. 1 auf der Reset-Leitung erscheint der Pegel am Takteingang (Pin 3) invertiert am Datenein-/ausgang. Das Timing ist nicht kritisch; die Taktimpulse sollten einige ms lang sein.

Die Karte läßt sich auch mit Hilfe eines Präzisions-IC-Sockels kontaktieren, der einfach auf die Kontakte aufgesetzt wird. Das Rastermaß ist (ISO sei Dank) das gleiche. Für häufige Anwendung ist aber auf jeden Fall der professionelle Einschub vorzuziehen.

Die zugehörige Software, die Sie komplett auf unserem Server und auf Sammeldiskette finden, liest die 128 Bit der Karte komplett in einem Rutsch. Danach übersetzt eine Decrypt-Routine die interessanten Daten wie Chiphersteller, Herstellungsjahr, Herstellungsmonat, Seriennummer und natürlich den zur Zeit gespeicherten Betrag in Klartext und gibt diese Werte aus. Das Programm bietet die Möglichkeit, den Datensatz zu einer Karte abzuspeichern, was die Sache zum Beispiel für Sammler interessant macht. Defekte Karten werden erkannt und von leeren Karten unterschieden (die Reklamationsstellen der Post führen diesen Test auch durch). Das Programm lehnt andere Karten wie Kontokarten oder spezielles 'electronic cash' ab und liest diese aus Sicherheitsgründen nicht aus, um einen Mißbrauch des Gerätes auszuschließen.

Blockschaltbild
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Im Gegensatz zur mikroprozessorbestückten Telekarte (unten) ist die Telefonkarte (oben) recht einfach aufgebaut.

Wie bereits erwähnt, finden sich folgende Daten auf jeder Telefonkarte:

Chip-Seriennummer: Die Seriennummer der Karte setzt sich aus neun Zahlen zusammmen. Sie beeinhaltet Daten, die für die Hersteller, die Telekom und die Sammler interessant sind. Wer sich für die Aufschlüsselung der Seriennummer interessiert, sei auf Telefonkartenkataloge hingewiesen, die in der Regel die Informationen liefern. Da Seriennummern der Karten real siebenstellig sind und im Chip nur die ersten fünf Stellen dieser Seriennummer gespeichert sind, gibt es jeweils hundert datenidentische Karten. Dies ist möglicherweise ein Problem, falls die Sperrung einzelner Karten gewünscht wird.

Herstellungsmonat und -jahr: Die Angaben, die das Programm liefert, beziehen sich immer auf den Chip der Karte. Da Sammler für rare Telefonkarten mit vollem Gebührenstand teilweise Summen jenseits von Vernunft und Verstand bieten, sind hier schon Fälschungen aufgetreten, das heißt, ein neuer Chip wurde in eine alte, seltene Karte eingesetzt. Das Programm würde diese Fälschungen durch das angezeigte Datum entlarven.

Hersteller: Im Moment gibt es auf dem deutschen Markt Karten von vier Herstellern:

  • Giesecke & Devrient G+D
  • Oldenbourg Daten Systeme ODS
  • Gemplus
  • Solaic

Die Hersteller beziehen die Chips auf Bänderrollen und betten diese in einen Plastikträger ein.

Gebührenstand in DM und %: Der Computer ermittelt, welche Art von Karte vorliegt (1,50 DM, 6 DM, 12 DM, 60 DM), liest das aktuelle Guthaben aus und errechnet daraus den 'Füllstand' in Prozent.

Auf der Vorderseite der Kartenbedruckung finden sich noch weitere Angaben, auf die wir hier jedoch nur kurz eingehen möchten, zum Beispiel

 P 17 10/90 350.000 

Dies bedeutet, daß es sich um eine Karte der Postwerbung mit dem Motiv Nummer 17 handelt, die Karte (nicht der Chip!) im Oktober 1990 hergestellt wurde und die Auflagenstärke 350.000 erreicht hat.

Dieses Programm ist nur zum Auslesen von Telefonkarten vorgesehen; andere Chipkarten besitzen teilweise unterschiedliche Pinbelegungen. Auf diese Tatsache sollten Sie bei eigenen Experimenten achten. Das vorgestellte Programm liest Karten anderer Kategorien aus Datenschutzgründen und wegen Inkompatibilitäten nicht aus.

Reset-Sequenz der Telefonkarten
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Dank Turbo-Vision ist die Bedienung des Programms ein Kinderspiel. Jede gelesene Karte wird in einem separaten Fenster angezeigt.

Da die Post nach unseren Informationen zur Zeit den Herstellern von Kartenlesegeräten für den privaten Gebrauch nur das Auslesen der Gebühren erlaubt, sind die anderen Programmpunkte (siehe Anmerkung im Listing) gegebenenfalls auszuklammern. Ändert sich die rechtliche Lage, so kann der User natürlich jederzeit das Programm durch Freigeben dieser Teile nachrüsten.

Das dank Borlands Turbo-Vision recht komfortable Programm gliedert sich in die vier Teile kart_o_mat, hardware, decrypt und userview. Jedes dieser Programmteile übernimmt die dem Namen entsprechenden Aufgaben, welche im folgenden näher erklärt sind.

Das Hauptprogramm kart_o_mat bildet die Schnittstelle zum Benutzer. Es werden hier die für Turbo-Vision typischen Objekte angelegt. Das Kartomat-Objekt teilt sich auf in die Menüunterstützung und die Hot-Key-Anzeige mit Key-Abfrage. Turbo-Vision bietet auf einfache Weise die Möglichkeit, Benutzer-Requests zu verarbeiten. So ist die Maus- und auch die Tastaturabfrage im sogenannten Event-Handler integriert. Der Programmierer braucht dann nur noch die Menüstruktur und die Basiszeile zu initialisieren. Wählt der User nun ein Menü aus oder betätigt er einen Hot-Key, so wird vom Event-Handler der gewählte Punkt in der Event.Command-Abfrage der zugehörigen Prozedur zugeordnet. Diese Prozeduren verwalten alle übergeordneten Ausgaben an den Benutzer, wie zum Beispiel die Ausgabe der Fehlermeldungen beim Karteneinlesen oder die Dateiauswahl beim Laden oder Abspeichern. Hier erfolgt auch die Freischaltung einzelner Segmente. So macht es beispielsweise keinen Sinn, Datensätze abzuspeichern, solange keiner eingelesen wurde. Ebenso wird das Drucken erst ermöglicht, wenn ein Datensatz eingelesen oder eingeladen wurde. Beim Starten wird automatisch der PortSelect-Befehl aufgerufen, um dem User die Eingabe des Portes zu ermöglichen. Defaultmäßig wird immer der höchste vorhandene Port ausgewählt.

Zu beachten ist noch, daß Sie zum Kompilieren des Programmes unbedingt Turbo Pascal Version 6.0 verwenden und einige verwendete Units aus dem TVISION beziehungsweise TVDEMO-Verzeichnis auf Diskette oder Festplatte kompilieren müssen.

Als Beispiel seien hier nur CALC, CALENDAR, COLORSEL oder APP genannt. Diese .pas-Programme wurden beim Installieren von Turbo Pascal 6.0 automatisch in die oben genannten Verzeichnisse entpackt, werden nun aber im aktuellen Projekt benötigt.

Die Unit hardware initialisiert, wie der Name schon sagt, die Hardware und steuert den eigentlichen Auslesevorgang. Zum Initialisieren der Hardware gehört auch die Unterstützung der Portauswahl. Die Routine sieht zunächst in den BIOS-Adressen nach, welche parallelen Ports vorhanden sind. Die eigentliche Auswahl erfolgt zu Beginn des Programmes, wobei als vorgeschlagener Wert die Schnittstelle mit der höchsten Ordnungsziffer gewählt wird, da LPT1 in der Regel durch einen Drucker belegt ist. Besitzt der Anwender mehrere Schnittstellen, so kann er das Lesegerät immer an der unbenutzten 'höheren' Schnittstelle anschließen und braucht bei der Portauswahl zu Beginn des Programmes den vorgeschlagenen Wert nur zu bestätigen.

Sollten Sie keine Maus zur Verfügung haben, so können Sie die Menüzeile natürlich auch mittels 'F10' aktivieren und im Portmenü mittels der 'Tab'-Taste zwischen den einzelnen Feldern springen. Es ist aufgrund der Benutzung von sogenannten 'Radio-Buttons' nicht möglich, mehrere Ports gleichzeitig auszuwählen.

Im zweiten Teil der Hardware-Unit geht es um den eigentlichen Einlesevorgang, also die Ansteuerung des Interface zur Karte. Diese Routinen initialisieren zunächst die Karte und überprüfen sie auf ihre Identität als Telefonkarte. Der verwendete, stark vereinfachte Test ist nicht mit der Sicherheitsprüfung der Karte im Kartentelefon vergleichbar. Im zweiten Schritt werden dann die Daten in eine vierfach verkettete Liste in Form einer Pointerstruktur übergeben. Eine einfache Interpolationsroutine ordnet bei der Gelegenheit die Daten und bringt sie in eine für das Programm sinnvolle Reihenfolge. Diese Leseroutine ist nur für Telefonkarten anwendbar und überprüft daher zur Sicherheit beim Einlesen einige telefonkartenspezifische physikalische Parameter, die beim Nichteinhalten sofort zur Fehlermeldung führen.

Platine
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Der c't-Kartenleser kann direkt an den PC-Druckerport angesteckt werden. Eventuell müssen Sie die Platine entlang der gestrichelten Linie einsägen.
Platine
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Aufgrund der zur Verfügung stehenden Rechenleistung ist es möglich, nach dem eigentlichen Lesevorgang die Daten noch einmal zu verifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Sollte eine Karte nicht verifizierbar sein, unterbricht das Programm natürlich seine vorgesehene Tätigkeit und gibt eine Fehlermeldung aus. Zur Beendigung des Lesevorganges werden nur die Karte und das Lesegerät desaktiviert und die Pointerstruktur als Funktionsergebnis übergeben.

Die decrypt-Unit entschlüsselt die Daten aus den Bitfolgen. Aufgrund einer geschickten Vorsortierung kann direkt mit der inhaltlichen Plausibilitätsprüfung begonnen werden. Nur wenn alle Kontrollwerte den telefonkartenspezifischen Inhalt tragen, werden über Restklassensysteme und Interpolationen einige Auswertungshilfswerte und -faktoren berechnet, die für die folgende Entschlüsselung benötigt werden. Die interessanten Daten werden nun mittels einiger Funktionen und Tabellen in Klartext übersetzt. Auch hierbei achtet das Programm auf Plausibilität und Definitionsbereiche. Sollten Felder den nicht vorschriftsmäßigen Wert enthalten, bricht es zur Sicherheit die Datenkonvertierung ab und übergibt eine Fehlermeldung.

Schaltbild
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Zum Schutz der Rechner- und Kartenlogik sind alle Signale gepuffert. Beachten Sie, daß manche Telefonkarten die (ohnehin nicht belegten) Pins 4 und 8 vermissen lassen.

Ist die Konvertierung der Daten erfolgreich abgeschlossen worden, so werden die sehr speicherplatzintensiven Bit-Daten gelöscht, da sie im weiteren Programmablauf nicht mehr benötigt werden und den Platz für weitere Datensätze belegen würden. Die entschlüsselten Daten kommen dagegen in einer platzsparenden Struktur unter.

Die Schnittstelle zum Anwender bildet die Unit userview.

Ein normaler Leseaufruf bringt die Kartendaten mittels der display-Procedure auf den Bildschirm. Nach Initialisierung des Display-Windows, das die Kartendaten und erklärende Texte anzeigen soll, wird es als Pointer dem von Turbo-Vision erzeugten Desktop übergeben. Dadurch werden die Daten auf dem Bildschirm sichtbar.

Durch die Anwahl der 'Print'-Funktion wird der Datensatz ausgedruckt. Der Drucker sollte im 'IBM-ASCII'-Modus betrieben werden. Aus Platzgründen werden nur die komprimierten Daten abgespeichert. Erst zum Ansehen oder Ausdrucken werden die Daten wieder in eine anwenderfreundliche Form gebracht. Kartomat-Files erhalten den Suffix '.kmd'.

Dem Benutzer zeigen sich hier die angenehmen Seiten der Borlandschen Programmierumgebungen. Nach der Auswahl des Druckerports (LPT1-LPT4) gelangt man ins Hauptmenü. Zum Lesen einer Telefonkarte schiebt man diese in den Leser und aktiviert den Punkt 'read' (F5). Während des vom Aufleuchten der roten LED begleiteten Lesevorgangs sollte man die Karte nicht entfernen. Das Programm zeigt nun ein Fenster mit den aktuellen Kartendaten. Ein Kalender sowie ein Taschenrechner sorgen dafür, daß es dem Sammler an nichts mangelt, wenn er Daten oder Beträge genauer unter die Lupe nehmen möchte. Einen ästhetischen Wert besitzt das Farbwahlmenü, in dem der User seine Lieblingsfarben für die Bildschirmmasken einstellen kann. Weiterhin ist die Änderung von Mausparametern vorgesehen - alles Funktionen, die sich ohne nennenswerten Aufwand unter Turbo-Vision realisieren lassen.

Zum Aufbau der Hardware gibt es nicht allzuviel zu sagen - außer dem Karteneinschub finden nur handelsübliche Bauteile Verwendung, die sich in jeder gut sortierten Bastelkiste finden werden. Die von eMedia erhältliche Platine kann entlang der gestrichelten Linie im Layout eingesägt werden, dann paßt sie ohne Kabel direkt auf den PC-Drucker-Port. Selbstverständlich ist auch die Verbindung mittels Flachkabel nebst Anpreß-DSub-Steckern möglich; die Kabellänge ist zwar nicht kritisch, sollte aber unter 100 cm gehalten werden. (cm)

Weitere Hinweise und Berichtigungen unter: c't-Projekte

[1] F. P. Köster, H. Steiner, Öffentliche Kommunikation ý la card (Ökom), telcom report 13 (1990), S. 28-31

[2] Dipl.-Ing. Kurt Wurzer, Siemens AG, Telefonzelle mit Intelligenz, telcom report 13 (1990), Heft 1

[3] Dr. rer. nat. Hartmut Schrenk, Siemens AG, Neuartiges Chipkartenkonzept, telcom report 9 (1986), Heft 1

[4] Dipl.-Ing. Martin Virnich, Handbuch der maschinell lesbaren Belege und Ausweise, FIR Aachen

[5] Tagungsband GMD-SmartCard Workshop 1991, Herausgeber B. Struif, Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH Darmstadt

[6] Verlag Hoppenstedt&Wolff, Schriftenreihe 'ý la card aktuell'

[7] Maximilian Ludwig, Öffentliches Kartentelefonsystem Interset 300, telcom report 7 (1984), Heft 2

[8] Hans-Jürgen Arndgen, Entwicklungsstand und -tendenzen der Telefon-Chipkarten.

[9] Kurzbericht, Gute Chancen für Chipkarten, ntz Band 43, (1990), Heft 10

[10] Dominic Welsh, Codes and Cryptology, Verlag VCH

[11] Normschriften ISO 7810, ISO 7813, ISO 7816-1/2/3, ISO 1177, DIN 66003

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Die Telefonkartenchips SLE 44xx von Siemens sind nichtflüchtige EEPROM-Speicherkarten mit festverdrahteter Sicherheitslogik in NMOS-Technologie. Die Übertragung der Daten erfolgt seriell mit externem Takt. Ein Reset-Eingang bringt Speicheradressierung und Sicherheitslogik auf ihre Defaultwerte. Aus der Versorgungsspannung von 5 Volt stellt ein chipinterner Spannungswandler die Programmierspannung für das EEPROM her. Auf diese Weise kann man auf externe Programmierspannungen verzichten, was die Sicherheit des Chips weiter erhöht. Die Logik sorgt dafür, daß der auf der 'Telefonkarte' gespeicherte Wert nur verringert werden kann. Ein nachträgliches 'Aufladen' wird dadurch wirksam verhindert. Weiterhin sind Teile des Speichers als reines ROM geschaltet, also nicht veränderbar. Dazu gehören die Herstellerangaben, aber auch der 'Answer to Reset', die Erkennungsmeldung der Karte. Da für die Daten von insgesamt 128 Bit nur 96 Bit benötigt werden, sind 32 Bit als 'Füllbits' permanent auf den Wert '1' gelegt. Dies vereinfacht die äußere Hardwarebeschaltung. Eine implementierte Sicherheitsprüfung, auf die hier nicht weiter eingegangen werden darf, sorgt dafür, daß die Karte nicht simuliert werden kann.

Die Datenübertragung der Telefonkarte zum Kartentelefon und umgekehrt wird durch ein Datenübertragungsprotokoll definiert, das in diesem Fall den Namen T=14 erhielt. Dies ist keine Bezeichnung für ein spezielles Protokoll, sondern bedeutet lediglich, daß es sich um ein nationales Protokoll handelt. Neuerdings legen sich die Normungsstellen lieber auf internationale Protokolle (T=0, T=1) fest, um Kompatibilität auch über Grenzen hinweg zu gewährleisten.

In diesem Fall handelt es sich um ein 'asynchrones Halbduplex-Block-Transmissions-Protokoll'. Nach dem Resetvorgang meldet sich die Karte mit einem 'Answer to Reset' von 16 Bit Länge. Danach können die restlichen 112 Datenbits ausgelesen werden. Der interessierte Leser sei hier auf die Norm ISO 7816/amendment3 hingewiesen, welche unter dem Titel 'identification cards-electronic signals and transmission protocols' eine genaue Spezifikation liefert.

Auf der 'Telefonkarte' sind die Chips 'face down', also mit dem Substrat nach oben, montiert. Eine schwarze Epoxyschicht schützt den Chip vor Licht, Feuchtigkeit und mechanischen Einflüssen, was sehr wichtig ist, denn die Karten sind teilweise sehr hohen Belastungen ausgesetzt. Neuere Chips sind komplett mit ihren Bondingdrähten bis zu den Chip-Pads in Epoxydharz eingegossen. Auf diese Weise erzielt man noch höhere Biege- und Torsionsfestigkeiten.

Der Aufbau der mikroprozessorbestückten 'Telekarte' ist demgegenüber sehr viel komplizierter. In einem vom außen nicht auslesbaren ROM-Bereich ist die Geheimzahl (PIN, personal identification number) gespeichert. Wird diese über das Keyboard des Telefons richtig eingegeben, entriegelt die Karte den Zugriff auf die benötigten Speicher und erlaubt das Telefonieren. Der anfallende Betrag wird nach zentraler Datenverarbeitung durch die Telekom vom Fernmeldekonto des Benutzers abgebucht. Bei viermaliger falscher Eingabe der PIN sperrt die Karte sich selbst irreversibel. Da mit dem EEPROM-Speicherplatz bei dieser Karte nicht gegeizt wurde, ist sogar noch Platz, um eigene Rufnummern in einem Kurzwahlspeicher abzulegen. Auf der Rückseite dieser 'Telekarten' sind häufig Magnetstreifen angebracht, die jedoch von den Kartentelefonen nicht gelesen werden können. Sie dienen ausschließlich der Identifikation an C-Netz-Mobiltelefonen.

Da diese 'Telekarten' im Gegensatz zu den 'Telefonkarten' persönliche Daten enthalten, ist das Auslesen dieser Karten mit dem hier beschriebenen Programm nicht vorgesehen, um Mißbrauch zu vermeiden. Da die Zahl der Smartcard-Anwendungen täglich steigt, und auch Firmenausweise, Krankenscheine, 'electronic cash', Fahrkarten und so weiter mit dieser Technik arbeiten, bleibt es fraglich, ob in Zukunft die Datensicherheit in jedem Fall gewährleistet ist.

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Stückliste

Halbleiter

IC1

74HC(T)240

D1...D3

1N4148

D4

LED rot

Kondensatoren

C1, C2

100n ker.

Widerstände

R1...R4

10k

R5, R6

1k

Sonstiges

Einlöt-Sicherung 63mA, evt. ersetzen durch Widerstand 47R *

DSub-25-Stecker Printausführung

Karteneinschub

Amphenol C702 10M008 206 4 (eMedia-Bestellnr. 9309159) oder alternativ C702 10M008 121 4 * (eMedia-Bestellnr. 9309160)

Platine

eMedia-Bestellnr. 9309158B

* Korrekturen und Ergänzungen zur Printversion in rot.

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