Katze im Sack

Telekom gliedert Breitbandkabel-Geschäft aus

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Experten erhoffen für die nächsten Jahre schnelle Internet-Anschlüsse über TV-Kabelnetze, die heutige Modems und auch ISDN leicht überflügeln können. Doch bislang hätte davon nur ein Teil der Kabelkunden profitieren können, denn nur private Kabelnetzbetreiber zeigten Interesse daran, ihre Netze für neue Dienste auszurüsten. Überraschend kündigte jedoch der Vorstand der Telekom Ende Mai die Ausgliederung des Breitbandkabel-Geschäfts an.

Der Ex-Monopolist reagiert damit schneller als erwartet auf die Forderung der Europäischen Wettbewerbskommission. Sie hatte Ende letzten Jahres die Trennung von Telekommunikations- und Kabelgeschäft verlangt, um wettbewerbswidrige 'Supermonopole' zu verhindern. Eine rein rechnerische Trennung hätte sich als 'unzureichend' erwiesen, begründete die Kommission ihre Entscheidung.

Doch bei der Telekom führten nicht zuletzt die katastrophalen Geschäftsergebnisse zu dem Entschluß: 1997 fuhr der rosa Riese in diesem Bereich Verluste von rund 1,3 Milliarden Mark ein - möglicherweise schlagen sich darin noch die Investitionskosten für die teuer zu vernetzenden, weil wenig besiedelten ländlichen Gebiete nieder. Die privaten Netzbetreiber konnten sich dagegen auf die lukrativen dicht besiedelten Ballungsgebiete beschränken.

Für das laufende Geschäftsjahr will der ehemalige Staatsbetrieb sogar eine bilanzielle Risikovorsorge zwischen 3,5 und 4,5 Milliarden treffen. Nach Ansicht von Vorstandsmitglied Gerd Tenzer sind die Verluste vor allem auf die Preissenkungsauflagen der Regulierungsbehörde zurückzuführen. Die Behörde hatte Anfang Mai entschieden, die am 1. November erfolgte Anhebung der Kabelgebühren von 22,50 auf 25,90 Mark beim Einzelanschluß um rund zwei Drittel rückgängig zu machen. Die Telekom will jetzt dagegen Klage erheben.

Der von der Telekom vorgelegte Zeitplan sieht folgendes vor: Zum 1. Januar 1999 sollen der Telekom-Bereich 'Breitbandkabel' sowie die Telekom-Tochter DeTeKabelservice in einer neuen Breitbandkabel-Gesellschaft integriert werden. Bis zum 1. Januar 2000 soll die neue Gesellschaft in eine Zentral- sowie mindestens sechs Landesgesellschaften untergliedert werden. Die Beteiligungsverhältnisse unterliegen keinen Beschränkungen, so die Telekom in ihrer Ankündigung. Die einzelnen Landesgesellschaften sollen die Netzinfrastruktur besitzen und daher die operativen Aufgaben übernehmen. Die Größe der Landesgesellschaften richtet sich nach der Zahl der angeschlossenen Wohneinheiten - angestrebt werden mindestens eine Million Wohneinheiten pro Gesellschaft.

Zur Zeit gibt es in Deutschland insgesamt 21 Millionen Haushalte mit TV-Kabelanschluß. 4 Millionen Haushalte in den neuen Bundesländern versorgen ausschließlich private Betreibergesellschaften. Der Telekom-Anteil sieht mit 17 Millionen nur auf den ersten Blick deutlich größer aus, denn davon entfallen 11,4 Millionen auf die Zulieferung bis zur Netzebene 3.

Den Rest des Übertragungswegs, also den direkten Anschluß des Löwenanteils auf Netzebene 4, übernehmen als Mittler wiederum private Netzbetreiber. Nur 5,6 Millionen Haushalte versorgt letztlich die Telekom selbst. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Prognos werden in Deutschland im Jahr 2000 rund 52 Prozent aller Haushalte über einen Kabelanschluß verfügen, im Jahr 2010 sollen es 62 Prozent sein.

Wichtig für das künftige Geschäft ist, daß andere Netzbetreiber, Multimedia-Anbieter oder auch Investmentbanken in das Geschäft einsteigen können. Noch ist jedoch unsicher, ob sich die Telekom auf eine Minderheitenposition zurückzieht beziehungsweise weniger als 51 Prozent Anteil an der neuen Gesellschaft beansprucht.

Das dürfte aber eine wichtige Weichenstellung für das künftige Diensteangebot der neuen Gesellschaften sein. Entscheidend ist für den Verband der Privaten Kabelnetzbetreiber ANGA, ob die Nachfolger des Telekom-Kabelbereichs dann auch tatsächlich zusätzliche Dienste wie Telefonie oder Internet-Zugang anbieten können. Solche Mehrwertdienste lassen eine bessere Kundenbindung erwarten. Damit könnten die neuen Kabelgesellschaften das - von der EU-Kommission erwünschte - Potential erhalten, dem Telefon-Geschäft der Telekom das Wasser abzugraben ...

Die Entscheidung hängt davon ab, zu welchen Konditionen die Telekom ihre Kabelnetze abtritt. Nach Angaben von Telekom-Sprecher Lissek steht die Telekom diesen Plänen 'in keinster Weise entgegen'. Lissek: 'Wenn es ihnen Spaß macht, sollen sie in dieses Geschäft investieren.' Neben der ANGA sind auch zwei Großinvestoren, die Allianz Versicherung sowie das Bankhaus Oppenheim, im Gespräch. Eventuell werden auch US-Firmen in den deutschen Kabelmarkt einsteigen.

Wer auch immer auf Basis des Telekom-Kabelnetzes mit neuen Diensten liebäugelt, wird aber hohe Kosten auf sich nehmen müssen. Das Telekom-Kabelnetz wurde zwar einst aufwendig ausgestattet, doch befindet es sich längst nicht mehr auf dem Stand der Technik. Da wichtige Teile der Struktur aus Koax-Kabeln bestehen, eignet sich das Netz nur zur Verteilung von Informationen zum Endkunden.

Für die Rückkanaltechnik, wie sie für interaktives Fernsehen, Video on Demand oder Highspeed-Internet nötig ist, müßten diese Teile aufwendig aufgerüstet oder gegen Glasfaserleitungen ersetzt werden [1]. Letzteres wäre sicherlich die bessere Wahl, da die Koax-Netze nur Bandbreiten bis 450 MHz zulassen, Glasfasernetze jedoch 862 MHz und mehr erreichen. (dz)

[1] Wolfgang Tillmann, Dusan Zivadinovic, Mehrwertmedium, Das Fernsehkabel als Datenspediteur, c't 13/97, S. 158

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