Keine Frage des Preises

DVD-Rohlinge: Marken- kontra Supermarktware

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Lange Zeit galten sie als schwarze Löcher: Billige DVD-Rohlinge, die sich gigabyteweise mit Daten beschreiben lassen, aber sie später nur noch unvollständig oder gar nicht mehr herausrücken. Teure Marken-Rohlinge sollen hingegen hohe Datensicherheit garantieren. Doch rentiert sich die Mehrausgabe wirklich? Wir prüften über 60 Produkte und förderten dabei erstaunlich günstige und trotzdem zuverlässige Silberscheiben zu Tage.

Die Suche nach dem richtigen DVD-Rohling ist nicht ganz einfach. Selbst Silberscheiben mit der höchsten Fertigungsqualität schmecken so manchem DVD-Brenner nicht und produzieren Datenschrott. Andererseits kann selbst ein mittelmäßiger Rohling mit den richtigen Einstellungen gute Brennergebnisse erzielen. Deshalb haben wir die besten DVD-Brenner aus unseren jüngsten Tests antreten lassen und sie mit über 60 Rohlingsmarken gefüttert, die wir in Supermärkten, Kaufhäusern und Elektronikfachmärkten fanden. Darunter teure Markenrohlinge, die selbst die höchste Brenngeschwindigkeit von 16X mitmachen, aber auch günstigere Scheiben für 8X und 4X.

Jeweils drei der gebrannten DVDs schickten wir für eine genaue Untersuchung nach Schweden in das Labor von Audiodev, dem renommierten Hersteller von Profimessgeräten. Vier weitere Aufnahmen untersuchten wir mit dem Prüflaufwerk Almedio AEC-1000 auf Brennfehler. Der Almedio-Tester erzielt zwar nicht die Genauigkeit der schwedischen CATS-Messstationen, er reicht jedoch für einen schnellen Kompatibilitätscheck aus und zeigt, wie gut ein Brenner mit einem Rohling zurechtkommt. Brennfehler haben häufig ihre Ursache in einer vom Brenner zu hoch gewählten Geschwindigkeit, weshalb wir für jede Brenner-Rohlingskombination das maximale Tempo für den optimalen Brand angeben.

Während die DVD-Brenner die Rohlinge mit höchster Geschwindigkeit bespielen, arbeiten DVD-Videorecorder gewöhnlich mit 1X. Um zu sehen, ob sich die High-Speed-Medien auch bei langsamem Tempo mit schwächeren Laserpulsen beschreiben lassen, bespielten wir die Minus-Rohlinge mit dem Pioneer DVD-Videorecorder DVR-220 und die Plus-Rohlinge mit dem Philips DVDR 610.

Zusätzlich ließen wir bei Audiodev prüfen, wie empfindlich die Aufnahmeschicht auf Schwankungen der Laserstärke reagiert. Für den Test dieser so genannten Power Margin (NWPWn) wurden die Rohlinge bei 4X, 8X und 16X mit verschiedenen Laserstärken gebrannt und der Bereich gemessen, in denen der Jitter (also die Längenvariationen der gebrannten Markierungen) unter neun Prozent liegt - ein wichtiges Indiz für die Brennqualität. Je breiter dieser Bereich ist, umso toleranter ist der Rohling gegenüber Lasern, die nicht mit der optimalen Stärke schreiben.

Wer auf DVDs Filme und Daten archivieren will, für den stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit der Medien. Fakt ist, dass sich die Signalqualität auch auf den digitalen Scheiben mit der Zeit verschlechtert. Allerdings merkt man davon erst etwas, wenn es zu spät ist und die interne Korrektur der Abspielgeräte die Fehler nicht mehr ausbügeln kann. Dann kommt es zu Datenverlusten, Bildaussetzern, oder die DVD wird gar nicht mehr erkannt. Wie lange die Medien haltbar sind, kann man nicht pauschal sagen, da dies von der Umgebungstemperatur, der Luftfeuchtigkeit und vor allem von der anfänglichen Brennqualität abhängt.

Der Zerfallsprozess lässt sich in einer Klimakammer beschleunigen. Bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit altern DVDs deutlich schneller als bei 25 °C Raumtemperatur und 50 Prozent relativer Luftfeuchte. Zum Test wählten wir von den vier mit dem Almedio-Tester geprüften Scheiben die beiden mit der geringsten Fehlerrate aus, ließen sie für 100 Stunden bei 80 °C und 85 Prozent Luftfeuchte schmurgeln und maßen danach, wie sehr sich die Fehlerrate verschlechterte. Von diesem Klimatest kann man nur indirekt auf die Haltbarkeit schließen, da bei den hohen Temperaturen noch weitere chemische Prozesse ablaufen können, die bei 25 °C nicht stattfinden. Um diese zu minimieren, stellten wir sicher, dass sich auf den in der Kammer frei hängenden Scheiben kein Kondenswasser absetzen konnte und dass sich die Temperatur beim Anheizen und Abkühlen nur um maximal 10 °C pro Stunde veränderte. Wenn ein Medium den Klimatest gut übersteht, ist es auch länger haltbar als eine DVD, die danach versagt.

Um die Messergebnisse übersichtlich darzustellen, haben wir die wichtigsten Parameter der Labormessungen in Qualitäts-Indizes zusammengefasst. Der Index für die Brennqualität umfasst die Fehlerrate, den Jitter und die Asymmetrie des Aufnahmesignals. Anhand der Messkurven ermittelten wir auch die Maximalgeschwindigkeit für jede Brenner-Rohlingkombination.

Die Messungen der unbespielten Medien fassen wir im Mechanik-Index zusammen, der sich auf die Störungen der Aufnahmespur (RadialN), die Unebenheit der Disc (AxialN) und der Außermittigkeit der Datenspur (RRO) bezieht. Bei den Kompatibilitäts-Checks und den Klimakammer-Messungen beschränken wir uns auf die Angabe der Fehlerrate (PI Sum 8) und bewerten sie in den Einzelnoten. Genauere Erklärungen zum Brennvorgang bei DVDs und den Besonderheiten der Messverfahren liefert der Artikel ab Seite 110, c't 14/05. Tipps zum Brennen und zur Wahl des richtigen Recorders geben wir ab Seite 108, c't 14/05.

Das Grundproblem beim Rohlingskauf ist, dass die Anbieter ihre Medien von verschiedenen Herstellern aus Asien, Indien und Europa beziehen und unter eigenen Handelsmarken vertreiben. So ist es durchaus möglich, dass der Produzent von Charge zu Charge wechselt oder gar mehrere Firmen gleichzeitig einen Anbieter beliefern. Auf der Verpackung sind die Unterschiede nicht zu erkennen, allenfalls aus der Angabe des Herkunftslands kann man auf den Hersteller schließen. Bei „Made in India“ stammen die Scheiben mit großer Wahrscheinlichkeit von Moser Baer India (MBI). Bei „Made in Taiwan“ kommen CMC, Infomedia, Optodisc oder Ritek in Frage. Japanische Marken wie Mitsubishi (Verbatim), Ricoh, Sony oder TDK haben zwar ihre eigene Fertigung, mieten mitunter aber auch Produktionslinien anderer Hersteller an und lassen dort nach ihren Vorgaben Rohlinge pressen. So ist es möglich, dass man Scheiben von Mitsubishi Chemicals (MCC) sowohl aus dem Heimatwerk in Singapur erwischt oder aber von Subunternehmen in Taiwan oder Indien. Zum Teil wird dabei auch nach unterschiedlichen Qualitäten sortiert. So verkauft Mitsubishi nach eigenen Angaben unter seiner Hausmarke Verbatim nur die beste Qualität, während andere Marken auch schon mal B-Ware mit der Kennung „MCC“ vertreiben.

Wichtig für den Brenner ist letztlich die Herstellerkennung des Rohlings, anhand der er seine Laser-Einstellungen aus der Firmware abruft und die Brenngeschwindigkeit wählt. Diese Herstellerkennung kann man mit dem kostenlosen Tool DVD Identifier (siehe Soft-Link) auslesen. In den Tabellen haben wir die Ergebnisse nach den Herstellern sortiert und zu jeder Disc die Marken und die Bezugsquellen angegeben, unter denen man die Scheiben im Handel findet. Es ist mitunter jedoch möglich, dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt oder in einer anderen Region unter den genannten Markennamen andere Rohlinge bekommen. Weitere Angaben, welche Hersteller sich hinter welchen Markennamen verbergen, findet man in der Web-Datenbank unter www.cdr-info.de. (hag)

"DVDs - gut und günstig"
Weitere Artikel zum Thema DVD finden Sie in der c't 14/2005:
63 DVD-Rohlingssorten im Test S. 94
Tipps zum optimalen Brennergebnis S. 108
Die Technik der beschreibbaren DVD S. 110

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