Kernel-Log: Echtzeit-Kernel 3.0

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Die Patches zur Echtzeit-Unterstützung setzen jetzt auf eine aktuelle Kernelversion auf. Torvalds hat eine von vielen Entwickler kritisierte Änderung zur benutzerfreundlichen Benennung von Platten für 3.2 revidiert. AMD und Intel haben neue Grafiktreiber veröffentlicht.

Mit der Freigabe des Echtzeit-Kernels 3.0.9-rt25 hat Thomas Gleixner den RT-Zweig auf Basis von Linux 3.0 als reif für den Produktionseinsatz erklärt. Er erwähnt dabei, diese Versionsreihe sei ein großer Schritt vorwärts und die Entwicklung ziemlich glatt gelaufen sei, obwohl viele Kerntechniken erheblich überarbeitet wurden.

Gleixner hat in dem Zug die Betreuung der RT-Patches für Linux 3.0 an Steven Rostedt übergeben, der kürzlich eine Vorabversion von Linux 3.0.9-rt26 zur Begutachtung veröffentlicht hat. Gleixner hat die Änderungen zur Verbesserungen der Echtzeit-Eigenschaften derweil auf Vorabversionen von Linux 3.2 portiert (1, 2, 3); der RT-Patch ist dabei wieder um ein gutes Stück geschrumpft, da einige der Änderungen zwischenzeitlich in den Hauptentwicklungszweig eingegangen sind.

Aufgrund der Reife des RT-Patches für Linux 3.0 hat Greg Kroah-Hartman mit der Freigabe des Kernels 2.6.33.20 die Arbeit an Linux 2.6.33 eingestellt, das er zuletzt nur noch für die Echtzeit-Entwickler gepflegt hatte – deren stabile Echtzeit-Patches bohrten bislang den Kernel 2.6.33 auf.

Kroah-Hartman hat zudem die Kernel-Versionen 2.6.32.48, 3.0.9 und 3.1.1 freigegeben; die beiden Stable-Versionen für Kernel der 3er-Reihe bringen jeweils über 200 kleine Verbesserungen und Fehlerkorrekturen. Die Kernel 3.0.10 und 3.1.2 sind gerade in der Begutachtungsphase, die am heutigen Montag endet; die beiden Kernel sollten kurz darauf erscheinen. Die meisten Stable- und Longterm-Kernel sind neuerdings in einem Git-Depot auf Kernel.org abrufbar.

Wie schon im ersten Kernel-Log der Serie "Was 3.2 bringt" prognostiziert, hat Linus Torvalds vergangene Woche die zweite Vorabversion von Linux 3.2 veröffentlicht; in Kürze dürfte die dritte folgen. Darin wird ein im Merge Window von 3.2 aufgenommener Mechanismus zum verständlichen Benennen von Datenträgern wieder rausfliegen, nachdem sich mehrere wichtige Kernel-Hacker dagegen ausgesprochen hatten. Der Entwickler der Änderung will das ursprüngliche Ziel jetzt durch eine Userspace-Lösung erreichen.

In den RC3 sind auch schon einige der mit Hilfe von Informationen aus Windows-Treibern entstandene Patches eingezogen, welche die Stromspartechnik ASPM (Active State Power Management) bei bestimmter Hardware deaktivieren. Der Patch, durch den die PCIe-Stromspartechnik wieder auf mehr Systemen standardmäßig genutzt wird, dürfte aber erst Bestandteil von Linux 3.3 werden. Fedora und Ubuntu haben diese Änderung aber schon in einige ihrer Kernel integriert, um sie zu testen.

Kernel

  • Luis R. Rodriguez hat eine neue Versionslinie von Compat-Wireless angekündigt, mit der sich die für Linux 3.2 vorgesehenen WLAN-Treiber auch bei älteren Kernel-Versionen nutzen lassen.
  • Ganz nebenbei hat Andrew Morton kürzlich in einer Mail erwähnt, dass er die von ihm gesammelten Änderungen jetzt unregelmäßig an Stephen Rothwell sendet, damit der sie in Linux-Next einbaut. Der von ihm bisher gepflegte Kernel-Zweig Mmotm (mm-of-the-moment) sei dadurch weitgehend unnötig; Anwender sollten stattdessen Linux-Next testen.
  • OCFS2-Betreuer Joel Becker hat klargestellt, dass die OCFS2-Entwickler die im Kernel hinterlegte Versionsnummer des Dateisystems nicht pflegen. Laut derer ist das Cluster-Dateisystem im Hauptentwicklungszweig von Linux derzeit auf dem Stand der Version 1.5; Code, der in OCFS2-Versionen der 1.6er Serie enthalten ist, basiere allerdings auf dem Code des Hauptentwicklungszweigs.
  • Nutzer von Fedora 15 erhalten den Kernel 3.1 unter der Versionsbezeichnung 2.6.41 als Update; sie hatten schon Version 3.0 als 2.6.40 erhalten, um Probleme mit Programmen zu vermeiden, die mit der neuen Versionsnummer nicht klarkommen.
  • Über die auf Embedded-Linux-Entwickler ausgerichtete Website Free Electrons sind Videos von einigen Vorträgen abrufbar, die im Rahmen der Linuxcon Europe 2011 und der gleichzeitig abgehaltenen Embedded Linux Conference Europe 2011 stattfanden, die das letzte Kernel-Log bereits erwähnte. Unter den Videos ist etwa eines von der "Kernel-Panel" genannten Podiumsdiskussion, an der Linus Torvalds, Alan Cox, Thomas Gleixner und Paul McKenney teilgenommen haben. Es ist auch ein Video des Vortrags von Gleixner abrufbar, in dem er Hintergründe zum Stand der Entwicklung des Echtzeit-Patches für Linux liefert.
  • Christoph Hellwig hat das "XFS status update for October 2011" verfasst.

Unterstützung für Grafikhardware

  • Chris Wilson hat die Version 2.17 der X.org-Treiber für die Grafikkerne in Intels Notebook- und Desktop-PC-Chipsätzen veröffentlicht. Sie enthalten im wesentlichen eine Reihe von Fehlerkorrekturen. Intel-Entwickler Eugeni Dodonov hat derweil in seinem Blog wieder einige andere Fortschritte bei den Intel-Treiber vermeldet (1, 2); etwa Unterstützung für die OpenGL Shading Language (GLSL) 1.30 im Entwicklerzweig von Mesa.
  • AMD hat die Version 11.10 seiner proprietären Grafiktreiber veröffentlicht; wie bei AMD seit einer Weile üblich, liefert die zugehörige Dokumentation keine Hinweise auf Neuerungen oder Änderungen. Die Version ist kompatibel zum X-Server 1.11; laut einem Phoronix-Bericht soll sie zudem Early-Look-Support für OpenSuse 12.1 bieten und Laufzeitunterstützung für OpenCL enthalten.
  • Jeremy Huddleston hat den Xorg-Server 1.11.2 veröffentlicht, der einige Fehlerkorrekturen bringt. Zwei Wochen später folgte Keith Packard und hat mit dem Xorg-Server 1.11.99.1 eine erste Vorabversion des von X-Servers 1.12 von X.org freigegeben. Er erwähnt dabei, dass er solche Zwischenstände des Entwicklungszweigs mittlerweile parallel zur Freigabe neuer Varianten der jeweils aktuellen X-Server-Version veröffentlichen will. Er denkt zudem darüber nach, den Freigabetermin des Xorg-Servers 1.12 auf Anfang Februar vorzuziehen oder auf Anfang März zu verschieben. Ungewiss ist noch, ob die für diese Version geplante Multitouch-Unterstützung rechtzeitig fertig wird.

Kernel-Umland ("Plumbing layer"), Userland-Treiber, Entwicklertools, ...

  • Matthew Garrett umreißt in einem Blog-Eintrag Boot-Probleme, die beim manchen BIOSen auftreten, wenn der Systemdatenträger mit einer GPT (GUID Partition Table) statt mit einem MBR (Master Boot Record) partitioniert ist, wie sie bei Platten mit mehr als 2 TByte Speicherplatz sinnvoll ist und beispielsweise vom kürzlich erschienenen Fedora 16 standardmäßig angelegt wird.
  • Gnome-Entwickler Owen Taylor erläutert im Blog-Eintrag "Application/Compositor Synchronization" einige Aspekte rund um die Abstimmung von Anwendungen und Compositor mit den Bildwechseln des Monitors.
  • Johannes Berg hat die Version 3.2 des WLAN-Konfigurationswerkzeugs Iw freigegeben.
  • Die Cryptosetup-Version 1.4.0 und deren Nachfolger 1.4.1 enthalten alles Nötige, um die bei Linux 3.1 neue Discard-Unterstützung in Dm-Crypt zu aktivieren. Die Entwickler verweisen allerdings in den Release Notes auf den Blog-Eintrag eines DM-Entwicklers, der Probleme rund um das für SSDs wichtige Discard beim Einsatz von Verschlüsselung erläutert.

LKML-Diskussionen

  • Catalin Marinas arbeitet an Patches, welche den ARM-Code um Unterstützung für Large Physical Address Extensions (LPAE) erweitern, durch die ein 32-Bit-ARM-Kernel mehr als 4 GByte Speicher adressieren kann.
  • In einer Diskussion rund um die Aufnahme des "Native KVM Tool" hat Ingo Molnar eine FAQ geschrieben, in der er aus Perspektive des von ihm vorangetriebenen Programms Perf erläutert, welche Vorteile eine Integration von Kernel-naher Software in das Tools-Verzeichnis von Linux haben kann.
  • Max Kellermann hat einen Cgroup-Controller vorgestellt, der die Auswirkungen von Fork-Bomben begrenzen soll; das selbe Ziel hat auch eine Anfang Oktober veröffentlichte Patch-Serie von Frederic Weisbecker.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open und in c't. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Gelegentlich zwitschert der Autor des Kernel-Logs unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca und Twitter als "@kernellogauthor". (thl).

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