Kernel-Log: Entwicklung von 2.6.39 angelaufen

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Für der Kernel 2.6.39 wurden unter anderen das Xen-Netzwerk-Backend, Unterstützung für ipset sowie der rudimentäre Poulsbo-Grafiktreiber aufgenommen; ferner haben die Kernel-Hacker dem Big Kernel Lock endgültig den Garaus gemacht. Greg Kroah-Hartman hat unterdessen die Pflege für die Kernel-Serie 2.6.33 noch einmal aufgenommen, weil der Echtzeit-Zweig darauf aufsetzt.

Keine 24 Stunden nach der Freigabe von Linux 2.6.38 am Dienstag vergangener Woche begann Linus Torvalds mit der Aufnahme der Änderungen für Linux 2.6.39. Unter den bislang vorgenommenen Commits findet sich das Xen-Netzwerk-Backend für Dom0-Kernel – das zum sinnvollen Dom0-Betrieb ebenfalls nötige Storage-Backend hat die Aufnahme allerdings bislang nicht geschafft.

Wie erwartet ging es den wenigen verbliebenen Nutzern des Big Kernel Lock (BKL) an den Kragen, sodass die Kernel-Hacker die Sperre nun im Rahmen des "BKL: That's all, folks" betitelten Commits komplett entfernten. Neu dabei ist die Unterstützung für die sechste Generation des Programms ipset, mit dem sich bestimmte Netfiler-Regeln optimieren lassen. Zum Staging-Bereich stieß ferner der rudimentäre Grafiktreiber für den GMA500-Grafikchips in Intels US15W-Chipsatz (Poulsbo).

Das sind nur einige der wichtigsten Neuerungen, die wir in den nächsten Wochen im Kernel-Log in der Artikelserie "Was 2.6.39 bringt" näher erläutern werden. In den nächsten Tagen werden noch weitere Änderungen in 2.6.39 einfließen, da Torvalds das Merge Window wohl erst Anfang nächste Woche schließt, sofern er sich denn an seinen üblichen Arbeitsweisen hält.

Greg Kroah-Hartman hat Anfang der Woche der Woche den Kernel 2.6.33.8 freigegeben, der sich durch über 470 Patches von seinem Vorgänger unterscheidet. Eigentlich hatte Kroah-Hartman die Pflege der 33er-Serie schon vor Monaten eingestellt; er hat sich ihr nun nochmal gewidmet, weil der RT-Tree, der Linux um Echtzeit-Fähigkeiten erweitert, noch auf 2.6.33 aufsetzt. Thomas Gleixner erklärte im Rahmen der Begutachtung von 2.6.33.8, dass er an einer Portierung des RT-Zweigs auf aktuelle Kernel-Versionen arbeite, nannte dabei aber keine Details zum Entwicklungsstand. Anfang des Monats hatte Paul Gortmaker, Betreuer der Longterm-Kernels 2.6.34, eine Portierung des RT-Tree auf 2.6.34 gezeigt – es muss sich zeigen, welche Zukunftsaussichten diese hat.

Der Longterm-Kernel 2.6.32.34 sowie die Stable-Kernel 2.6.37.5 und 2.6.38.1 sind derzeit in der Begutachtungsphase, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag endet; wenig später dürften diese Versionen erscheinen. Kroah-Hartman hat keine Hinweise gegeben, wie lange er die 37er-Serie noch pflegen will – durch das Erscheinen von 2.6.38 dürfte sie sich aber dem Ende ihres Lebenszyklus nähern.

Kernel

  • Christoph Hellwig hat das XFS status update für Februar 2011 geschrieben.
  • Thomas Gleixner hat kürzlich in einer LKML-Mail einige Probleme umrissen, mit denen die Kernel-Entwickler beim Beseitigen von Fehlern manchmal konfrontiert werden. In diesem Fall ging es um verschiedene Fehlerberichte zu Systemen, die nur bei Angabe des Kernel-Parameters processor/intel_idle.max_cstate=1 starten. Die Kernel-Entwickler könnten Gleixner zufolge meist nicht viel tun, da die Ursache häufig tief im "schwarzen Loch" ACPI/BIOS verberge. Ferner würden die Hersteller einige Techniken anders als vorgesehen nutzen und nur mit dem "anderen Betriebssystem" (Window) testen; in dem Zusammenhand deutete er ironisch an, dass die Hersteller solcher Hardware bei der Ursachenforschung nicht sonderlich hilfreich sind. Das sei alles traurig, aber eben Realität.

Unterstützung für Grafikhardware

  • AMD-Entwickler Alex Deucher hat die Version 6.14.1 des X.org-Treiberpakets xf86-video-ati freigegeben. Der darin enthaltene Radeon-Treiber bietet in Kombination mit einigen für Linux 2.6.39 aufgenommenen Änderungen Basis-Unterstützung für die Cayman-Grafikchips, die auf den Radeon-HD-Modellen der 6900er-Reihe sitzen.
  • In einer Mailinglistem-Diskussion hat Alex Deucher kürzlich einige Andeutungen zu Abwägungen gemacht, vor denen AMD bei der Entwicklung der Open-Source-Treiber manchmal steht. So seien etwa die Funktionen zum Video-Dekodieren sehr eng mit den für Digital Rights Management zuständigen Einheiten des Grafikchips verzahnt, was die Freigabe von Dokumentation und Treibern für den UVD (Unified Video Decoder) erschwere.
  • Die Webseite Linuxaria beschreibt im Artikel "Overview of Xrandr" den Einsatz von xrandr, einem Kommandozeilenprogramm zum Einstellen der Bildschirm-Konfiguration über RandR (X Resize, Rotate and Reflect Extension).

Kernel-Umland ("Plumbing layer"), Userland-Treiber, Entwicklertools, ...

  • Git-Zweig, Archive, Dokumentation und Wiki des distributionsübergreifend ausgelegten Tools Dracut zum Erstellen einer Initrd liegen neuerdings auf Kernel.org.
  • Die Entwickler des Projekts Hplip (Hewlett-Packard's Linux Imaging and Printing Software) haben die Version 3.11.3 der gleichnamigen Treiber für Drucker und Multifunktionsgeräte von HP veröffentlicht. Die Release Notes geben einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Neuerungen – etwa die Unterstützung für zahlreiche DesignJet-Modelle oder den LaserJet CP1520.
  • Greg Kroah-Hartman hat die Version 002 der usbutils freigegeben.
  • Seit Anfang des Monats sind die Squashfs Tools 4.2 erhältlich, die Images mit dem aus LZMA hervorgegangenen XZ-Format komprimieren können; die Unterstützung zum Einbinden solcher Images bietet Linux 2.6.38.
  • Stephen Hemminger hat die zum Kernel 2.6.38 passende und mit der selben Nummernfolge gekennzeichnete Version der Netzwerk-Werkzeugsammlung iproute2 veröffentlicht.
  • Scott James Remnant hat Upstart 1.1 fertig gestellt.
  • Michael J. Schultz möchte in einer Serie von Blog-Einträgen die Funktionsweise des Netzwerk-Stacks von Linux erläutern und beschreibt im ersten und bislang einzigen Teil der Serie einige Aspekte rund um die Aufgaben von Netzwerktreibern.
  • Rafael J. Wysocki erklärt im Rahmen der Freigabe-Mail zu den suspend-utils 1.0, die Weiterentwicklung des insbesondere bei Suse Linux eingesetzten Programms s2ram und der zugehörigen genutzten Whitelist weitgehend einzustellen; mit den ebenfalls zur Werkzeugsammlung gehörenden Tools zur Ansteuern des Ruhezustands (Hibernate/Software-Suspend) soll es aber weitergehen.
  • Die Organisatoren Linux-Kongresses, den schon Linus Torvalds und vielen anderen bekannte Kernel-Hacker besucht haben, setzen die alteingesessene Veranstaltung in diesem Jahr aus. Mit der LinuxCon Europe, der Embedded Linux Conference Europe und dem Linux Kernel Summit hätten bereits drei Konferenzen ihren Weg nach Europa gefunden. Die GUUG will daher mit der Linux Foundation zusammenarbeiten und durch Engagement in verschiedenen Bereichen dazu Beitragen, die LinuxCon zu einem Erfolg zu machen. Deren Call for Participation (CFP) endet am 8. Juli.
  • Thomas Renninger hat die erste Version der cpupowerutils angekündigt. Sie beerben die cpufrequtils und enthalten das in der Freigabe-Mail mit Beispielen erläuterte Kommandozeilen-Werkzeug cpupower, das unter anderem Informationen zur Nutzung der Stromspar- und Übertaktungs-Funktionen moderner Prozessoren ausgibt.
Vergrößern Das neue Programm cpupower liefert Inforamtionen zur Nutzung der Stromspar- und Übertaktungs-Funktionen moderner Prozessoren.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open und in c't. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Gelegentlich zwitschert der Autor des Kernel-Logs unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca und Twitter als "@kernellogauthor". (thl).

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  1. Kernel-Versionsstatus
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