Kernel-Log: Freie Treiber für neue Radeon-Chips, neue Stable-Kernel

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Die Entwickler arbeiten an Treibern zur Unterstützung der DirectX-11-Grafikkarten aus AMDs Radeon-HD-5000-Serie. Die proprietären AMD-Treiber können diese zwar schon länger ansprechen, doch selbst deren neuste Version arbeitet nicht mit dem aktuellen X-Server 1.7 zusammen.

Nach einer Ankündigung in seinem Blog hat der AMD-Mitarbeiter und langjähriger Open-Source-Entwickler Alex Deucher den Entwicklerzweig des Treiber-Pakets xf86-video-ati um Unterstützung für die Evergreen-Grafikchips von AMD erweitert. Auch ein Kernel-Treiber für Kernel-based Mode-Setting (KMS) sei kurz vor der Fertigstellung; 2D- und 3D-Beschleunigung würden beide Treiber aber zunächst nicht bieten.

Die Evergreen-GPUs mit DirectX-11-Unterstützung kommen auf verschiedenen Radeon-HD-Grafikkarten der im September vergangenen Jahres eingeführten und nach und nach um weitere Modelle erweiterten 5000er-Serie zum Einsatz. Bislang ließen sich diese Grafikkarten nur mit generischen VESA-Treibern oder dem proprietären Linux-Treiber von AMD einsetzen, der als Catalyst oder Fglrx bekannt ist. Aufgrund der umstrittenen Rechtslage beim Einsatz proprietärer Kernel-Module meiden allerdings viele Distributionen die Treiber komplett oder versuchen, das Problem durch Nachladen der Treiber aus dem Internet zu umschiffen.

Den Catalyst-Treiber hat AMD kürzlich in der Version 10.1 zum Download freigegeben. Zu den Neuerungen zählen laut Release-Notes offizielle Unterstützung für Ubuntu 9.10 und einige Fehlerkorrekturen – darunter eine, die einen Absturz beim Hot-Plug von HDMI-Monitoren unterbinden soll. Wie seine Vorgänger arbeitet aber auch diese Version nicht mit den zu X.org 7.5 gehörenden und seit Anfang Oktober letzten Jahres erhältlichen X-Servern der 1.7er-Serie zusammen, die Fedora 12 und einige andere in den letzten Monaten erschienenen oder in Entwicklung befindlichen Distributionen beiliegt.

Seit dem vorangegangenen Kernel-Log haben die Verwalter der Stable-Series die Kernel-Versionen 2.6.27.45, 2.6.32.5, 2.6.32.6 und 2.6.32.7 veröffentlicht. Die neuen Versionen korrigieren wie üblich vornehmlich Fehler der Vorgänger und werden von einem nachdrücklichen Rat begleitet, auf die neuen Versionen zu wechseln; dabei wird nicht explizit ausgewiesen, ob auch Sicherheitslücken geschlossen wurden. Eine solche beheben die beiden kürzlich von Willy Tarreau veröffentlichten Kernel-Versionen 2.4.37.8 und 2.4.37.9 im Netzwerktreiber e1000 für verschiedene Gigabit-LAN-Chips von Intel.

Mit der Veröffentlichung von 2.6.33-rc6 am vergangenen Freitag schreitet die Entwicklung von Linux 2.6.33 derweil im üblichen Tempo voran. Für einen längeren Mailwechsel auf der LKML sorgte im Ende Januar eine Diskussion um die Aufnahme von Utrace in Linux-Next. In der sprach sich unter anderem Torvalds ziemlich deutlich gegen die Integration des von Systemtap verwendeten Kernel-Frameworks zum Analysieren des Laufzeitverhaltens von Userspace-Anwendungen aus. Eine Zusammenfassung eines Teils der Diskussion und einige Hintergründe zum Thema liefert ein Artikel bei LWN.net.

Kernel

  • Der Entwickler eines proprietären Linux-Treibers stieß kürzlich auf reichlich Opposition, als er auf der LKML darum bat, die explizite GPL-Kennzeichnung einiger Kernel-Funktion ("EXPORT_SYMBOL_GPL") zu entfernen, um sie in seinem Treiber nutzen zu können. Rik van Riel erklärte etwa, dass der von einer der Funktionen genutzte Code patentierte Techniken nutze, deren Verwendung nur für GPL-Code gestattet sei. Greg Kroah-Hartman wies die Forderung ebenfalls zurück und erklärte in dem Zusammenhang, er sei schon erfolgreich gegen Firmen vorgegangen, die "Nur GPL"-Einschränkungen in der Basis-Infrastruktur für Treiber ("Driver Core") zu umgehen versucht haben ("I've already successfully taken legal action against companies who have tried to go around the driver core's GPL-only symbols, so I can not, and will not, make this change.").
  • Simon Kagstrom hat einen Patch erarbeitet, der den Kernel auf verschiedene Weisen etwa abstürzen lässt, um eben den dabei ausgeführten Code testen zu können.
  • Ein Hinweis in eigener Sache: Der Kernel-Log-Autor gibt im Rahmen der Chemnitzer Linux-Tage einen Vortrag über aktuelle Entwicklungen rund um den Linux-Kernel – also genau jenen Themen, die im Kernel-Log zur Sprache kommen.

Kernel-Umland ("Plumbing layer") und Userland-Treiber

  • Die Grub-Entwickler haben die Version 1.97.2 des Boot-Loaders veröffentlicht.
  • Die Entwickler des Gphoto-Projekts haben die Version 2.4.8 der zum Auslesen vieler Digitalkameras genutzten Bibliothek libgphoto2 zum Download freigegeben. Sie bringt eine Reihe kleinerer Verbesserungen für Kameras und PTP-Geräte verschiedener Hersteller – darunter Unterstützung für einige neue Kameras von Canon, Fuji, Kodak und Nikon.
  • Die Entwickler des Projekts Flashrom haben die Version 0.9.1 des gleichnamigen Software freigegeben, mit der sich viele zum Speichern von Mainboard-BIOSen genutzte Flash-Chips identifizieren, lesen, beschreiben oder löschen lassen.

Grafik

  • PCI-Subsystem-Betreuer und Treiber-Entwickler Jesse Barnes gibt in einem längeren Blog-Eintrag eine Übersicht über die Entwicklungen in seinem Arbeitsumfeld. Dazu gehören eine jüngst erarbeitete Erweiterung des KMS-Codes und des DRI2-Protokolls, um die Bildausgabe mit Bildwechseln zu synchronisieren; auch beschreibt er seine Arbeit an Code zum Hochtakten des Grafikkerns der für Notebooks gedachten Westmere-Prozessoren, wenn deren CPU-Kerne nur teilweise ausgelastet sind (Turbo Boost/Intelligent Power Sharing/IPS).
  • X- und Kernel-Entwickler Dave Airlie beschreibt in zwei Blog-Einträgen seine Arbeit an Code zur Unterstützung von Hybrid Graphics bei einem Lenovo W500 (1, 2). Der soll eine Umschaltung zwischen Intel-Chipsatzgrafik und der Radeon-GPU im laufenden Betrieb ermöglichen – Airlie merkt jedoch an, dass ein Neustart des X-Server beim Wechsel auf absehbare Zeit unumgänglich bleibt.
  • Tiago Vignatti berichtet in seinem Blog über die Hintergründe und Fortschritte bei der Modularisierung von X.org.
Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Der Autor des Kernel-Logs zwitschert unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca und Twitter als "@kernellogauthor". (thl)

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