Kernel-Log: Multitouch für X.org

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Der kommende X-Server 1.12 soll Touchscreens mit Multitouch-Fähigkeiten unterstützen. Neue Grafiktreiber von AMD, Intel und Nvidia. Linux 3.0 wird noch gepflegt, obwohl Linux 3.1 schon einige Wochen alt ist.

Peter Hutterer, der Verwalter der X Input Extension des X-Servers von X.org, hat eine Patch-Serie zur Begutachtung gestellt, die den X-Server um Unterstützung für Multitouch-Eingaben erweitert – also die Steuerung der Bedienoberfläche per Touchscreen mit mehr als einem Finger, wie sie bei Tablets und Smartphones üblich ist. Dazu ist Software nötig, die Mehrfingergesten erkennt – unter anderem durch die Version 2.2 der X Input Extension. Der Code dürfte aller Wahrscheinlichkeit in Kürze in den Entwicklerzweig des X-Servers eingehen, aus dem im März die Version 1.12 des X-Servers hervorgehen soll; diese soll groben Plänen zufolge Bestandteil von X.org 7.7 werden.

Demonstrations-Video zur neuen Multitouch-Unterstützung

Toolkits wie Gtk+ oder Qt und Anwendungen, die direkt mit dem X-Server interagieren, müssen angepasst werden, um die Möglichkeiten der neuen Multitouch-Unterstützung auszuschöpfen; einige Entwickler arbeiten bereits an passendem Code. Hintergründe zum Ansatz der X-Entwickler liefert eine Seite im X.org-Wiki; Hutterer erläutert weitere Details in einem Blog-Eintrag, zu dem ein Video gehört, das den Einsatz der Technik demonstriert:

Zudem hat Hutterer kürzlich die Version 2.1 von Inputproto freigegeben, das die Protokoll-Spezifikation und Header-Dateien der X Input Extension enthält. Diese Version bringt Unterstützung für Smooth Scrolling und ermöglicht Client-Programmen das Abrufen von Raw Events, selbst wenn das Eingabegerät anderweitig gebunden ist; Hintergründe dazu erläutert der Red-Hat-Entwickler in vier Blog-Einträgen (1, 2, 3, 4).

Die Entwickler der Grafiktreiber für Intel-Prozessoren und -Chipsätze für Notebooks und Desktop-PCs haben das "Intel 2011Q4 Graphics Package" geschnürt. Dabei handelt es sich wie üblich um eine Sammlung der verschieden Bausteine des Linux-Grafikstacks, die den Intel-Entwicklern zufolge gut zusammen arbeiten sollen. Sie weisen darauf hin, dass die große Einsparungen ermöglichende Stromspartechnik RC6 standardmäßig deaktiviert ist und sich über den Kernel-Parameter i915.i915_enable_rc6=1 einschalten lässt; dadurch könne es aber Stabilitätsprobleme auf Systemen geben, bei denen VT-d aktiv ist. Die neue Version soll zudem die Unterstützung für die Chips der Ivy-Bridge-Platform verbessern, die Intel im nächsten Jahr einführen will. Eine Reihe weiter Informationen zu den jüngsten Entwicklungen rund um die Intel-Treiber liefert Intel-Entwickler Eugeni Dodonov in einer Reihe kürzlich veröffentlichter Blog-Einträge (1, 2, 3); informativ sind zudem die Folien eines Vortrags, den Dodonov kürzlich auf der Linuxcon Brazil gehalten hat

AMD hat die Version 11.12 seiner proprietären Linux-Grafiktreiber veröffentlicht. Wie zuletzt bei AMD üblich finden sich auf der AMD-Homepage auch diesmal keine Informationen zu den wesentlichsten Neuerungen der neuen Treiberversion. Laut einem Phoronix-Bericht soll sie unter anderem "Early Support" für das kürzlich veröffentlichte Red Hat Enterprise Linux 6.2 bringen. Dem Artikel zufolge haben Teilnehmer der Phoronix-Foren berichtet, auch mit dieser Treiberversion gäbe es noch Probleme bei der Video-Wiedergabe und Darstellungsfehler beim Einsatz von Gnome 3.

Nvidia hat Mitte Dezember die Version 275.43 seiner proprietären Grafiktreiber für x86-32/x86- und x86-64/x64-Systeme freigegeben, die im wesentlichen Fehlerkorrekturen bringt. Die Versionen zählen zum "Long-Lived Branch" und waren die neuesten, die Nvidias offizielle Download-Seite bei Entstehen dieses Textes anbot. Bereits im November hat Nvidia allerdings die Version 290.10 seiner Linux-Treiber freigegeben; diese finden sich über zwei Einträgen eines Nvidia-Entwicklers in den Nvidia-Linux-Foren bei Nvnews.net (1, 2)

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