Kernel-Log: Neue Stable-Kernel, 2.6.33 mit DRBD und RT2800PCI

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Die Kernel-Versionen 2.6.27.40, 2.6.27.41 und 2.6.31.7 bringen kleinere Verbesserungen und korrigieren einige Fehler [--] darunter auch eine Sicherheitslücke. Torvalds nahm bereits über 5000 Änderungen für Linux 2.6.33 vor, dessen Merge Window noch etwas mehr als eine Woche offen sein dürfte.

Wie üblich begann Torvalds kurz nach der Freigabe von Linux 2.6.32 am vergangenen Donnerstag mit der Aufnahme der ersten Änderungen für die Version 2.6.33 des Linux-Kernels. Insgesamt nahm er bislang über 5000 Commits vor – rund 2900 davon fanden am Dienstag Abend den Weg in den öffentlichsten Git-Tree von Linux, wodurch Torvalds die Posteingangs-Ordner all derjenigen überflutete, die sich über die Mailingliste git-commits-head@vger.kernel.org die Commits im Hauptentwicklungszweig als Mail zustellen lassen.

Unter den bislang aufgenommenen Änderungen fand sich unter anderem die vor allem im High-Availability(HA)-Umfeld genutzte Replikationslösung DRBD (Distributed Replicated Block Device) – rausgeflogen ist hingegen der Anticipatory IO-Scheduler (AS), denn er biete nur einen Teil der Funktionen, die auch CFQ beherrsche ("AS is mostly a subset of CFQ, so there's little point in still providing this separate IO scheduler"). Einer der vielen neu aufgenommenen Treibern ist rt2800pci für die PCI-WLAN-Chips rt2860 und rt3090 von Ralink – diese Chips ließen sich bislang nur mit Treibern ansprechen, die den Qualitätsansprüchen der Kernel-Entwickler nicht genügten.

Das Gros der integrierten Änderungen haben wie üblich die Verwalter der verschiedenen Kernel-Subsysteme zuvor begutachtet, in einem Git-Zweig gesammelt und Torvalds anschließend mittels eines Git-Pull-Request gebeten, die Änderungen in den Hauptentwicklungszweig einzupflegen. Dass der Linux-Vater aber durchaus nochmal schaut, was er denn da integrieren soll, zeigt die LKML-Diskussion um den Git-Pull-Request des Power-Management-Subsystemverwalters. Dort kritisierte der Linux-Vater nämlich einen Teil der zur Integration gesammelten Patches nachhaltig und löste so eine längere, noch andauernde Diskussion aus.

Der Verwalter des Power-Management-Subsystems hat die kritisierten Änderungen zwischenzeitlich zurückgestellt und Torvalds in einem neuen Git-Pull-Request um die Aufnahme der anderen Patches gebeten, die Letzterer mittlerweile einpflegte. Zahlreiche weitere Änderungen aus anderen Bereiche dürfte der Linux-Vater in der kommenden Woche noch einspielen, die das Merge Window von 2.6.33 noch offen ist.

Die Betreuer der Linux-Stable-Series haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die Linux-Versionen 2.6.27.40, 2.6.27.41 und 2.6.31.7 freigegeben. Wie üblich bringen sie im wesentlichen kleinere Korrekturen und Verbesserungen, wobei die Version 2.6.27.41 lediglich einen zuvor bei 2.6.27.40 eingeschleppten Fehler behebt.

Die Version 2.6.31.7 zählt zu den Stable-Kerneln mit vergleichsweise viel Änderungen, denn sie unterscheidet sich durch knapp 120 Patches von ihrem Vorgänger. In den Freigabe-Mails raten die Betreuer der Stable-Series allen Anwendern von selbstkompilierten Vorgänger-Versionen zum Update auf die neue Linux-Kernel, ohne diese näher zu begründen oder Sicherheitskorrekturen auszuweisen ("All users of the 2.6.31 kernel series are very strongly encouraged to upgrade."). Zumindest einer der für 2.6.31.7 eingepflegten Patches korrigiert allerdings eine als CVE-2009-1298 geführte Sicherheitslücke, die einige Distributionen bereits durch Kernel-Updates stopfen.

Neue Stable-Kernel, die die kürzlich bekannt gewordenen Sicherheitslücke im Ext4-Dateisystem korrigieren, sind bislang nicht in Sicht.

Kernel

  • Clemens Ladisch bemüht sich um die Integration des Treiber k10temp, mit dem sich die Temperatursensoren moderner AMD-CPUs auslesen lassen sollen. Da viele CPUs jedoch fehlerhafte Werte liefern, arbeitet der zur Aufnahme bei 2.6.33 vorgesehene Code erst nach Angabe eines speziellen Parameters.
  • Laut einem Blog-Eintrag zu den von Harald Welte zu der möglichen GPL-Verletzung des Smartphone Palm Pre nutze das Unternehmen auch zahlreiche proprietäre Kernel-Treiber, die vorgeben, unter der GPL zu stehen – auf Anfrage konnte Palm aber Quellen der Treiber nicht bereitstellen.

System ("Plumbing layer")

  • Richard Hughes hat die Version 0.5.14 von Hal veröffentlicht, einer Schnittstelle zwischen Anwendungen und Kernel. Es sei vermutlich die letzte, die von der Linux-Seite erfolge – viele der bislang auf Hal aufsetzenden Anwendungen verwenden statt der Abstraktionsschicht nun Software wie udev oder libudev direkt, sodass Hal in der Linux-Welt mehr und mehr an Bedeutung verliert.
  • Douglas Gilbert hat die Version 0.23 von lsscsi freigegeben.
  • Karel Zak hat die Version 2.16.2 der util-linux-ng veröffentlicht, die unter anderem einige Korrekturen und kleine Verbesserungen für hwclock, libblkid, mkswap, mount oder sfdisk enthält. Zak arbeitet bereits an der Version 2.17, die erstmals das Kommando unshare mirbringen soll, dessen Einsatz der Entwickler in seinem Blog beschreibt .
  • Nach den Problemen mit der zurückgezogenen Version 3.1.0 von mdadm hat Neil Brown in der zweiten Novemberhälfte die Version 3.1.1 des Programms freigegeben und hebt die größeren Unterschiede zur 3.0er-Reihe nochmal explizit in der Freigabemail hervor.

Grafik

  • X.org-Entwickler Peter Hutterer hatte kürzlich die Version 1.7.2 des X-Servers freigegeben, die durch verschiedene, meist kleinere Änderungen einige Probleme der Vorgänger aus der 1.7er-Reihe beseitigen sollte. Die neue Version hatte jedoch ein Problem, daher hat Hutterer kurzfristig die Version 1.7.3 nachgeschoben.
  • Kristian Høgsberg hat die Version 2.4.16 der libdrm freigegeben. Wie der Intel-Entwickler schreibt, enthält die Version zahlreiche Änderungen – so wurden unter anderem verwaiste Linux- und BSD-Treiber entfernt.
  • Auch die X-Entwickler wollen von Hal weg und haben entsprechende Pläne kürzlich im Wiki zusammengefasst.
  • Peter Hutterer hat die Versionen 0.10.1 und 0.10.2 des noch jungen Treibers xf86-input-wacom freigegeben. Bei ihm handelt es sich um einen im Rahmen von X.org und Freedesktop.org weiterentwicken Fork des Treibers linuxwacom für Wacom-Grafiktabletts.
  • Der bei AMD beschäftigte Entwickler Alex Deucher hat DRM-Patches vorgestellt, der die Treiber für Radeon-GPUs der Serien R600 und R700 um Unterstützung für Interrupts erweitert – durch diese Änderungen lassen sich Monitorwechsel ohne Polling erkennen oder die Darstellung von neuem Bildschirminhalt besser mit dem Bildwechsel synchronisieren. Rafał Miłecki arbeitet derweil an Code zur dynamischen, lastabhängigen Taktanpassung von Radeon-GPUs und deren Speicher; Dave Airlie berichtet in seinem Blog über die Fortschritte bei der Unterstützung von DisplayPort-Ausgängen im Treiber-Code für Radeon-Grafikhardware.
  • Matthew Garrett und Peter Hutterer erklären in ihren Blogs, warum das Aktivieren der Option "SHMConfig" in älteren Versionen des Touchpad-Treibers synaptics unklug ist.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs. Neue Ausgaben des deutschen Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" gepostet; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Der Autor des Kernel-Logs zwitschert unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca- und Twitter-Konten als "@kernellogauthor". (thl).

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