Kernel-Log: Neue Stable-Kernel und Grafiktreiber

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Die Stable-Kernel scheinen neuerdings etwas seltener zu erscheinen, dafür aber mehr Änderungen mitzubringen. AMDs proprietäre Grafiktreiber arbeiten endlich mit X-Server 1.7, die von Nvidia bereits mit dem X-Server 1.8. Videos von der Linux Audio Conference und dem Collaboration Summit liefern Einblicke in Audio- und Kernel-Themen.

Bereits Ende April haben die Betreuer der Stable-Series die Linux-Kernel 2.6.32.12 und 2.6.33.3 veröffentlicht. Beide erschienen dreieinhalb Wochen nach ihren jeweiligen Vorgängern und enthielten knapp 200 beziehungsweise gut 130 Patches – es scheint ein wenig, als würde derzeit sowohl der Abstand zwischen neuen Releases der Stable-Kernel als auch die Zahl der Änderungen größer.

Einen LKML-Thread zum Review der Änderungen für die nächsten Stable-Kernel gibt es bislang nicht, Greg Kroah-Hartman hat allerdings bereits einige Patches dafür in seinen Git-Zweig integriert. Unter den Änderungen für die nächsten 32er- und 33er-Versionen findet sich auch der Einzeiler, der das kürzlich bekannt gewordenen Problem bei AMD-Prozessoren mit Turbo Core beseitigt.

Im Hauptentwicklungszweig kommt sich die Freigabe von 2.6.34 näher, wie Torvalds in der Freigabe-Mail zur siebten Vorabversion andeutete. Nach der Benennung mit "Man-Eating Seals of Antiquity" bei Linux 2.6.30 gab Torvalds dem Kernel beim RC5 von 2.6.34 mal wieder einen neuen Namen: "Sheep on Meth".

AMD hat in den letzten April-Tagen die Version 10.4 seiner als fglrx oder Catalyst bekannten proprietären Grafiktreiber für moderne Radeon-Grafikkarten freigegeben. Die Release Notes zu der neuen Version listen als Haupt-Neuerung lediglich die als "Early Look" klassifizierte Unterstützung für das kürzlich freigegebene Ubuntu 10.04. Damit arbeitet der Treiber jetzt auch mit den seit Oktober vergangenen Jahres erhältlichen X-Servern der 1.7er-Serie zusammen – und funktioniert auch auf vielen anderen Distributionen, die diesen X-Server einsetzen. Mit dem vor einem Monat veröffentlichten X-Server 1.8 kooperiert der Treiber aber bislang nicht – es wird sich zeigen, ob AMD wieder ein halbes Jahr braucht, um die Unterstützung nachzurüsten.

Nvidia ist da erheblich flotter: Schon als der X-Server 1.8 erschien, gab es eine Version des proprietären GeForce-Grafiktreiber, die mit dem neuen X-Server zusammenarbeitete, wenn man eine spezielle Xorg.conf-Option setzte. Die Ende April freigegebene Version 195.36.24 (x86-32, x86-64) benötigt diesen Trick nun nicht mehr und unterstützt auch die im März eingeführten GeForce GTX-Modelle 470 und 480.

Kernel

  • Nachdem der zweite Teil der Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.34 bringt" bereits mehre Hintergrundartikel zum Distributed File System Ceph erwähnte, hat nun auch IBM Developerworks einen Artikel zu dem bei Linux 2.6.34 neuen Dateisystem veröffentlicht.
  • Die kürzlich veröffentlichte Übersicht über Fehler in einer Vorabversionen von Linux 2.6.34 listet 22 Probleme, die Linux 2.6.33 nicht zeigte.
  • Google-Entwickler Arve Hjønnevåg hat eine überarbeitete Version der bereits erwähnten Patches an die LKML gesendet, die den Kernel um einige von Android und Android-Treibern benötigte Funktionen erweitern.
  • Der dreiteilige Artikel-Serie "Collecting and analyzing Linux kernel crashes" beschreibt, wie man bei Kernel-Problemen mit Hilfe von LKCD, Kdump und Crash Fehlerinformationen sammelt und analysiert.
  • Facebook-Mitarbeiter haben kürzlich Flashcache veröffentlicht – eine bisher für die Linux-Version 2.6.18 und 2.6.20 abgestimmte Kernel-Erweiterung, die auf langsameren Speichermedien gespeicherte Daten auf einem schnelleren Medium (etwa einer SSD) zwischenspeichert, um den Datendurchsatz zu steigern. Eine ähnliche Funktion bietet auch Bcache, dass dessen Entwickler kürzlich erneut zur Begutachtung an die LKML gesandt hat, um eine Aufnahme in den Hauptentwicklungszweig vorzubereiten.
  • Unter den Video-Mitschnitten vom Linux-Foundation Collaboration Summit 2010 ist auch einer vom Kernel Panel, auf dem die bekannten Kernel-Hacker James Bottomley, Jon Corbet, Christoph Hellwig, Greg Kroah-Hartman und Andrew Morton untereinander und mit dem Publikum über Kernel-Themen diskutiert haben.
  • Kernel-Entwickler und LWN.Net-Chef Jon Corbet wird auf dem LinuxTag 2010 seinen "Kernel-Report" als eine der beiden Samstag-Keynotes geben; an dem Tag findet im Saal London zudem der Kernel-Track statt, in dem es zahlreiche weitere Vorträge rund um Kernel-Themen gibt.
  • Mit den jüngsten Änderungen rund um das XFS-Dateisystem beschäftigt sich der "XFS status update for March 2010" von Christoph Hellwig.

Grafik

  • Peter Hutterer hat kürzlich die einige Fehler korrigierende Version 1.7.7 des X-Servers von X.org veröffentlicht; er bereitet derzeit zudem die Freigabe des X-Servers 1.8.1 vor.
  • AMD-Entwickler Alex Deucher hat in seinem Blog-Eintrag eine Artikel-Serie gestartet, in der er beschreibt, wie der Radeon-DRM-Treiber des Kernels um Unterstützung für Evergreen-GPUs erweitert wurde. Der erste Blog-Eintrag beschreibt die in Linux 2.6.34 eingeflossenen Patches zum Ansprechen der auf Radeon-HD-5000-Grafikkarten eingesetzten GPUs.
  • Matthew Garrett hat in seinem Blog einige der Probleme erläutert, mit denen die Entwickler bei den Änderungen zur Unterstützung der Stromsparmechanismen von Radeon-GPUs zu kämpfen haben.

Kernel-Umland ("Plumbing layer"), Userland-Treiber, Entwicklertools

  • Über die Programmübersicht der Anfang des Monats abgehaltenen Linux Audio Conference 2010 sind seit kurzem Präsentationsfolien und Video-Aufzeichnungen von einigen der Vorträge verfügbar. Darunter findet sich unter anderem der Vortrag "Pro Audio is Easy, Consumer Audio is Hard" von Pulseaudio-Entwickler Lennart Poettering, der nach seinem Besuch der Konferenz in seinem Blog erklärt hat, warum PulseAudio und Jack nicht miteinander konkurrieren und warum es nicht schlecht sei, dass es beide gibt.
  • In dem Artikel "Linux on 4KB-sector disks: Practical advice" hat sich IBM Developerworks kürzlich einigen der im Kernel-Log bereits mehrfach angesprochenen Aspekte rund um das Zusammenspiel von Linux mit Platten gewidmet, die 4-KByte große Sektoren nutzen.
  • Die Sane-Entwickler haben die Sane-Backends 1.0.21 freigegeben und kurz danach noch eine Korrektur für diese nachgereicht. Die neue Version bringt unter anderem Verbesserungen für das Scannen via Netzwerk und enthält drei neue Treiber: kodak (Kodak i18xx), kvs1025 (Panasonic KV-S10xx) und p5 (Primax PagePartner).
  • Junio C Hamano hat Git 1.7.1 freigegeben.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Der Autor des Kernel-Logs zwitschert unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca und Twitter als "@kernellogauthor". (thl)

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