Kernel-Log – Was 2.6.29 bringt (1): Netzwerk – "Mistige" WLAN-Treiber, Wimax- und AP-Unterstützung

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Linux 2.6.29 bringt erstmals WiMAX-Stack mit; AccessPoint-Unterstützung freigeschaltet; WLAN-Treiber für Ralink-Chips im Staging-Bereich; zahlreiche weitere Erweiterungen für LAN- und WLAN-Treiber sowie die Netzwerk-Infrastruktur von Linux.

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Nach der Freigabe von Linux 2.6.28 nimmt Linus Torvalds seit nunmehr knapp zwei Wochen die umfangreicheren Änderungen für die Kernel-Version 2.6.29 in den Hauptentwicklungszweig von Linux auf. Dabei hat er bereits satte 7550 Patches eingepflegt, die 8388 Dateien verändern und über 1.061.513 neue, veränderte oder verschobene Zeilen Code mitbringen. Einige weitere Änderungen dürften in den nächsten Tagen noch folgen, da das Merge Window diesmal einige Tage länger als üblich offen bleiben soll; anschließend beginnt die meist acht bis zehn Wochen lange zweite Phase im Entwicklungszyklus, wo nur noch Fehlerkorrekturen oder kleinere, ungefährlichere Änderungen den Weg in den Hauptentwicklungszweig finden.

Ein nicht unerheblicher Teil der bislang integrierten Änderungen bringt eine Reihe größerer Neuerungen rund um die Netzwerkunterstützung des Kernels, mit deren Beschreibung wir die die Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.29 bringt" auf heise open eröffnen. In den nächsten etwa acht bis zehn Wochen werden wir über weitere Änderungen berichten, bis Linus Torvalds 2.6.29 freigibt – und dann ein großes Kernel-Log die wichtigsten Änderungen in Linux 2.6.29 zusammenfasst.

Über Greg Kroah-Hartman, den Betreuer des USB-Subsystems, fand der maßgeblich von Intel-Entwicklern vorangetriebene und im Rahmen des Linux-WiMAX-Projekts entwickelte WiMAX-Stack den Weg in den Hauptentwicklungszweig von Linux. Damit erhält Linux mit 2.6.29 eine Basisinfrastruktur für die drahtlose Breitband-Vernetzungstechnik WiMAX, auf den der ebenfalls im WiMAX-Projekt entwickelte und parallel in den Kernel aufgenommene USB-Treiber i2400m aufsetzt. Er spricht Intels WiMAX-Chip WiMAX Connection 2400 an, der sich auf den vornehmlich in neueren Centrino-Notebooks verbauten WLAN-/WiMAX-Modulen Intel Wireless WiMAX/WiFi Link 5150 und 5350 (Codename: Echo Peak) findet.

Wie das Changelog in der schlussendlich erfolgreichen Mail mit der Bitte um Aufnahme zeigt, haben die Linux-WiMAX-Entwickler mehrere Anläufe gebraucht, bevor die Verwalter von Netzwerk- und USB-Subsystem mit dem Code zufrieden waren und grünes Licht für die Aufnahme gaben. In der Mail sowie den am Ende dieses Artikels zu findenden Links auf die Commits im Quellcodeverwaltungssystem von Linux finden sich ebenso wie auf der Linux-WiMAX-Webseite zahlreiche weitere Details und Hintergründe zur neuen WiMAX-Infrastruktur des Linux-Kernels.

Die Webseite hält auch die i2400m-Firmware und die zugehörige Userspace-Software zum Download bereit. Der für die Authentifizierung mit der Gegenstelle nötige Intel WiMAX Binary Supplicant sowie der Intel WiMAX Binary OMADM Client stehen derzeit allerdings nur als vorkompilierte Archive online (Lizenz; FAQ-Eintrag) – ausschließlich auf Open-Source-Software setzende Distributionen wie Debian, Fedora und OpenSuse werden diese Teile des Userspace-Stacks daher vorerst nicht in die Kern-Distribution aufnehmen. Wie der Intel-Entwickler in der erwähnte Mail aber klarstellt, soll der Intel WiMAX Binary Supplicant aber unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden, sobald einige Probleme ausgeräumt sind ("For networks that require authentication (most), the Intel device requires a supplicant in user space – because of a set of issues we are working to resolve, it cannot be made open source yet, but it will.")

Nachdem der von Greg Kroah-Hartman betreute Staging-Kernel-Zweig mit 2.6.28 in den Hauptentwicklungszweig von Linux aufgenommen wurde fanden über den selbsternannten "Maintainer of crap" ("Verwalter des Mists") zahlreiche weitere Treiber, die den Qualitätsansprüchen der Kernel-Entwickler eigentlich nicht genügen, den Weg in den Staging-Bereich des Kernels. Darunter befinden sich unter anderem die WLAN-Treiber rt2860 und rt2870 für die gleichnamigen WLAN-Chips von Ralink, die sich in so manchem aktuellen Netbook und einigen billigen Notebooks finden. Neu im Staging-Bereich ist auch der im Oktober freigegebene Treiber otus für die 802.11n-USB-WLAN-Chips UB81, UB82 und UB83 von Atheros sowie die Treiber agnx und rtl8187se für die WLAN-Chips AGNX00 von Airgo und RTL8187SE von Realtek. Zudem gab es zahlreiche Aufräumarbeiten und Umstrukturierungen am Code des bereit 2.6.28 beiliegenden Frameworks wlan-ng; den ebenfalls schon 2.6.28 beiliegende Staging-Treiber at76_usb tauschten die Entwickler gegen eine auf den Linux-WLAN-Stack mac80211 setzende Variante aus – eigentlich war das vom Treiber-Autor aber anders geplant, sodass weitere Änderungen oder gar eine Rücknahme des Patches nicht unwahrscheinlich sind. Auch der Netzwerk-Treiber benet für den 10Gb-Netzwerk-Adapter BladeEngine (EC 3210) von ServerEngines ist neu im Staging-Bereich.

Ob die Anwender von Mainstream-Distributionen und deren Kerneln greifbare Vorteile durch die Aufnahme all dieser Staging-Treiber haben ist von der jeweiligen Distribution abhängig, denn die Verwalter der Distributions-Kernel aktivieren die Staging-Treiber teilweise nicht oder nur teilweise, weil sie den normalen Qualitätsansprüchen der Kernel-Entwickler nicht genügen; letzteres ist auch der Grund, warum der Kernel beim Laden von Staging-Treiber als "TAINT_CRAP" markiert wird, damit bei Fehlerberichten durch Anwender klar ersichtlich ist, dass ein "mistiger" Treiber den Kernel "beschmutzt" hat und möglicherweise für Probleme (mit)verantwortlich ist. Anwendern, die ihre Hardware einfach nur benutzen wollen, dürfte das aber mangels Treiber-Alternativen zumeist herzlich egal sein, sofern der Treiber keine größeren Probleme macht. NetworkManager-Entwickler Dan Williams ließ kürzlich auf einer Fedora-Liste allerdings durchblicken, dass er von den Staging-Treibern nicht viel hält (1, 2); Bugs, bei denen Staging-Treiber involviert seien, wolle er ignorieren ("Basically, I'm going to ignore any issues that come in from these drivers because they aren't accepted upstream wireless drivers, despite what gregkh (who's not a wireless developer) tries to make them.")

Netzwerk-Subsystem-Verwalter David S. Miller hat allerdings nicht nur Greg Kroah-Hartman das Einsenden von Netzwerk-Neuerungen überlassen, sondern auch selbst über tausend Patches aus dem Netzwerk-Bereich gesammelt und an Torvalds übermittelt. (1, 2, 3).

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