Kernel-Log – Was 3.10 bringt (4): Treiber

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Mit Linux 3.10 lässt sich der Videobeschleuniger von Radeon-Grafikkernen nutzen. Systeme mit Intel-Grafik können flotter aus dem Standby aufwachen. Für den Infrarot-Empfänger von Apple bringt Linux jetzt einen Eingabegerätetreiber mit.

In der Freigabe-Mail zu Linux 3.10-rc7 gab sich Linus Torvalds recht zuversichtlich, dass die siebte Vorabversion die letzte sein könnte. Damit deutet vieles auf eine Veröffentlichung von Linux 3.10 zum Julibeginn hin; falls noch größere Probleme auftauchen, könnte es aber noch einen weiteren RC geben, der typischerweise eine weitere Entwicklungswoche nach sich zieht.

Die folgende Beschreibung zu den Neuerungen bei Treibern soll daher nun die Kernel-Log-Mini-Serie "Was 3.10 bringt" abschließen. Die ersten drei Teile der Serie hatten sich bereits mit den Änderungen beschäftigt, die die Kernel-Entwickler in den Bereichen Netzwerk, Dateisysteme und Storage sowie Plattform- und Infrastuktur-Code vorgenommen haben.

Der im Linux-Kernel enthaltene Radeon-Treiber bietet nun Schnittstellen, über die sich der Unified Video Decoder (UVD) von Radeon-HD-Grafikkarten seit der HD-4000-Generation ansprechen lässt. Auf dieses Interface setzt ein quelloffener UVD-Treiber auf, den die nächste größere Überarbeitung von Mesa 3D (Version 9.2 oder 10.0) mitbringen soll. Multimedia-Player, die die Video-Beschleunigung der Radeon-Chips nutzen wollen, kommunizieren mit dem UVD-Treiber über das von Nvidia initiierte VDPAU (Video Decode and Presentation API for Unix), das auch Nvidias proprietärer Grafiktreiber unterstützt.

Der OpenGL-Treiber radeonsi des nächsten Mesa 3D soll auch 2D Tiling beherrschen, was die Grafikperformance bei den von ihm unterstützten Southern-Island-GPUs (Radeon HD 7750 und neuer) verbessert; dazu ist er auf Änderungen angewiesen, die in Linux 3.10 eingeflossen sind. Der Kernel unterstützt jetzt auch den Grafikchip der kürzlich eingeführten Richland-Prozessoren (neuere APUs der Baureihen A4, A6, A8 und A10). Die Radeon-GPUs der Hainan-Serie spricht Linux jetzt ebenfalls an (1, 2, 3, 4); Gerüchten zufolge sitzen diese Grafikkerne auf den Radeon-HD-Karten 8850 und 8870, die in den nächsten Monaten erscheinen sollen.

Systeme mit dem Grafiktreiber für Intel-GPUs können schneller aus dem Bereitschaftsmodus aufwachen, da es nicht mehr nötig ist, zunächst auf eine Textkonsole umzuschalten (1, 2). Bei neueren Intel-GPUs erlaubt der Treiber jetzt zudem das Übertakten des Grafikkerns.

Der Nouveau-Treiber beherrscht nun die Kompression von Teilen des Grafikspeichers bei Nvidia-Chips der Fermi- und Kepler-Generationen (GeForce 4xx und neuer). Außerdem kann der Treiber jetzt bei einigen Grafikkarten mit GK110/nvf0 den Bildschirmmodus einstellen. Durch einige zu großen Teilen von Nvidia selbst beigesteuerte Änderungen bietet die nächste Kernel-Version zudem Schnittstellen, über die Userspace-Grafiktreiber die 2D-Beschleunigung der als Tegra20 und Tegra30 bezeichneten System-on-Chip (SoC) von Nvidia nutzen können (u. a. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9). Darauf soll ein ein 3D-Treiber aufbauen, an dem ein Open-Source-Entwickler arbeitet.

Neu in Linux 3.10 ist auch einen Treiber für den Grafikchip, den das vor allem bei der Virtualisierung mit KVM genutzte Spice emuliert; er bietet vorerst nur Funktionen zum Kernel-based Mode-setting (KMS) und dürfte die Basis für einen bislang nur angedachten Treiber mit 3D-Unterstützung bilden.

Im Input-Subsystem findet sich jetzt ein Treiber für die Infrarot-Empfänger, die Apple in den vergangenen Jahren in seinen Computern verbaut hat. Neu dabei sind auch ein Treiber für die Roccat Kone Pure Gaming Mouse und die vom selben Hersteller stammende Tastatur IskuFX. Der Treiber wiimote unterstützt nun die zweite Generation der Remote IDs der Nintendo Wii; bei Linux 3.11 soll der Treiber weiter verbessert werden. Und aus der Abteilung Kuriositäten: Den Kernel-Quellen liegt nun ein ein Eingabetreiber für die in Flugzeugsitzen eingebaute Steuerung (Passenger Control Unit/PCU) von Rave Entertainment System bei.

Unter den Änderungen an den Audio-Treibern sind einige, die die automatische Konfiguration von HD-Audio-Codecs und der von ihnen versorgten Ein- und Ausgänge verbessern soll. Mit den zahlreichen Änderungen am Media-Subsystem stieß Unterstützung für die AverMedia A706 AverTV Satellite Hybrid+FM zum Kernel.

Der Kernel bringt jetzt eine Reihe von Treibern für die Controller mancher ChromeOS-Notebooks mit, was unter anderem die Unterstützung für Googles Pixel verbessert (u. a. 1, 2, 3, 4, 5). In den Staging-Bereich mit seinen unausgereiften Treibern floss unter anderem das bei Android genutzte "Synchronization framework" ein, über das sich mehrere Treiber beim Hardware-Zugriff koordinieren können.

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