Kernel-Log – Was 3.11 bringt (3): Treiber und Netzwerk

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Linux kann eingehende Netzwerkpakete nun auf Wunsch besonders schnell verarbeiten. Unter den neuen und verbesserten Treibern sind welche für Intels Rapid Start Technology und die Eingabegeräte des neuesten MacBook Air.

Durch das neue "Low-latency Ethernet device polling" können Anwendungen den Kernel 3.11 auffordern, besonders häufig beim Netzwerkchip nachzufragen, ob neue Daten vorliegen (1, 2, 3, 4, 5, 6). Das reduziert die Zeit zwischen dem Eintreffen und der Verarbeitung von Netzwerkpaketen, was in manchen Situationen wichtiger ist als die Prozessorlast, denn die steigt durch solch ein hochfrequentes Pollen. Damit genau dieser Nachteil besser zu erkennen ist, hatte Linus Torvalds die Aufnahme erst verweigert und eine Umbenennung der Funktionsaufrufe gefordert, was die zuständigen Entwickler innerhalb weniger Tage umsetzen konnten. Zu den Treibern, die die Technik derzeit unterstützen, gehören bnx2, ixgbe und mlx4_en.

Userspace-Anwendungen können nun auch via IPv6 einen Ping absetzen, ohne dafür besondere Rechte zu benötigen; mit IPv4 gelingt das bereits seit Linux 3.0. Der Kernel-Code, den das für Software-Defined Networking (SDN) verwendete Open vSwitch nutzt, beherrscht jetzt das Tunneln mit Hilfe von Generic Routing Encapsulation (GRE) (u. a. 1, 2).

Dem Kernel liegt jetzt der Treiber ath10k bei, der die von Qualcomm Atheros gefertigten WLAN-Bausteine der Chipfamilie QCA988x anspricht. Bei Intels MVM-Chips – etwa jenen der 7000er-Serie – beherrscht der Treiber iwlwifi jetzt Low Power RX, was den Stromverbrauch bei WLAN-Verbindungen reduzieren kann, über die kaum Daten laufen. Außerdem unterstützt der Treiber jetzt Intels WLAN-Bausteine 3160 und 7260; es wird aber auch gerade dran gearbeitet, diese Änderung in einen Stable-Kernel der 3.10er-Serie zu integrieren.

Entwicklungsstand

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat Linus Torvalds die siebte Vorabversion von Linux 3.11 veröffentlicht – die gewohnte Freigabemail auf der LKML fehlt aber bislang. In einem offenbar von Torvalds stammenden Google+-Post , der humorvoll auf den 22 Geburtstag von Linux anspielt und auch den RC7 erwähnt, deutet der Linux-Erfinder an, Linux 3.11 solle in einer Woche erscheinen.

Einige weitere Änderungen an den Treibern und der Infrastruktur für Netzwerke erläutert der Kommentar zum Merge, der den größten Schwung an Änderungen für diesen Bereich gebracht hat.

Dem Kernel liegen jetzt Treiber für Tastatur und Trackpad des MacBook Air 2013 bei. Durch eine ganze Reihe von Änderungen (siehe nächste Seite) soll Linux zudem die Wii-Fernbedienung und andere Peripheriegeräte der Serien Wii und Wii U jetzt sogar besser unterstützen als die offizielle Treiber von Nintendo – das zumindest behauptet der Hauptentwickler hinter der Linux-Unterstützung stolz .

Linux 3.11 bringt einen Plattform-Treiber mit, durch die der Kernel Intels Rapid Start Technology unterstützt – eine vor allem bei Notebooks mit Intel-Prozessoren und SSDs anzutreffende Technik, bei der die Firmware ein schon länger im Suspend-to-RAM schlafendes System kurz startet, um es in den Suspend-to-Disk zu schicken und so den Stromverbrauch weiter zu reduzieren; einige Hintergründe zur Technik und ihrem praktischen Einsatz erläutert Treiber-Autor Matthew Garrett in seinem Blog. Der hat auch einen simplen Treiber zum Deaktivieren von Intels Smart Connect Technology eingebracht – einer Technik, durch die PCs ab und zu kurz aufwachen, um etwa nach neuen E-Mails zu schauen.

Der Kernel kann jetzt mehr als 32 Audio-Geräte ansteuern und bringt einen Treiber für verschiedene hiFace-USB-SPDIF-Adapter von M2Tech mit. Neu dabei ist auch ein Treiber für den Connect-IB PCI Express Infiniband Host Channel Adapter (HCA) von Mellanox.

Wie bereits erwähnt, ist Unterstützung für das Cluster-Dateisystem Lustre in den Staging-Bereich eingezogen. Dort liegt Code, der die Qualitätsansprüche der Kernel-Entwickler nicht erfüllt. Wenn allerdings niemand die Mängel am Code beseitigt, dann fliegt der Code auch schnell wieder aus dem Staging-Bereich raus; dieses Schicksal hat jetzt den WLAN-Treiber csr ereilt.

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